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Presseschau: La Raison September 2011

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Die französischen Freidenker berichten in ihrem Monatsmagazin u.a. über den Versuch der katholischen Kirche in Frankreich, die Meinungsfreiheit und die Freiheit der Kunst einzuschränken.
Mittwoch, 12. Oktober 2011
La Raison September 2011

Das Monatsmagazin der französischen Freidenker widmet seine erste Ausgabe nach der Sommerpause dem Welthumanistenkongress und blickt zurück auf die Gründung der Internationalen Vereinigung des freien Denkens, die am Rande der Zusammenkunft der humanistischen, atheistischen und freidenkerischen Organisationen in Oslo auf Initiative des International Liaison Committee (CILALP) der Atheisten und Freidenker stattgefunden hat.

Neben einigen Impressionen der Debatten und Erörterungen in Oslo druckt La Raison auch das von den Freidenkern unterzeichnete Manifest für die Gewissensfreiheit ab. Darin heißt es u.a.:

Die Gewissensfreiheit ist die Freiheit für den Menschen zu untersuchen und sich zu untersuchen. Die Menschheit hat ihre Schwächen und Stärken, weil sie Verstand und Vernunft besitzt und somit Kritik ausüben kann. [...] Gewissensfreiheit zu bekräftigen bedeutet nichts anderes als Freiheit der Menschen ...

Bewegung gerät in den Konflikt der französischen Freidenker mit der Europäischen Humanistischen Föderation (EHF) und dessen Präsidenten David Pollock. Nachdem die französischen Freidenker der EHF-Führung in ihrem Magazin zuletzt wiederholt Vorwürfe gemacht haben, sie würde das gemeinsame Interesse aus den Augen verlieren und aus Prestigegründen mit den Kirchen gemeinsame Sache machen (siehe La Raison Juni & Juli/August 2011), druckt das Magazin nun einen Offenen Brief Pollocks ab, in dem er auf die Vorwürfe eingeht:

Die Welt ist nicht so, wie wir sie uns wünschen, aber wir ändern sie auch nicht in unserem Sinne, wenn uns den Debatten verweigern, in dem wir unsere Werte verteidigen können. Es reicht nicht, einfach nur seine Werte zu äußern. [...] Die Unterstellungen von Michel Godicheau [Redakteur und Autor eines der kompromittierenden Beiträge in La Raison], wonach wir die Werte der Säkularen und Konfessionsfreien in Polen, Malta und anderswo opfern würden, um Prestige bei den europäischen Zusammenkünften zu gewinnen, ist fern von der Wirklichkeit – und von unseren Absichten ...

Unter anderem analysiert La Raison die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) vom 30. Juni, wonach Frankreich bei der Ermittlung wegen Steuerhinterziehung gegen die Zeugen Jehovas in den 90er Jahren gegen die Europäische Menschenrechtskonvention verstoßen habe. Die französischen Behörden hatten von 1993 bis 1996 gegen die umstrittene Religionsgemeinschaft als Sekte ermittelt. Hintergrund war, dass die Kirche der Zeugen Jehovas als Sekte eingestuft wurde und die Organisation Spenden versteuern sollte.

Außerdem rollt das Magazin noch einmal einen Kunstskandal auf, der sich bei der Ausstellung Ich glaube an Wunder in Avignon ereignet hat. Radikale Katholiken hatten dort zwei Ausstellungsstücke zerstört, nachdem es Debatten um ein religionskritisches Exponat gegeben hatte. Dabei handelte es sich um das Foto eines in Urin eingelegten Kruzifixes. Die katholische Kirche in Frankreich hatte zunächst die Entfernung des Kunstgegenstands aus der Ausstellung gefordert, eine Briefkampagne initiiert und die Behörden aufgefordert, gegen diesen „Anti-Christianismus" vorzugehen. Diese schritten jedoch nicht ein und wiesen auf die Meinungsfreiheit, die Freiheit der Kunst und die Trennung von Staat und Kirche hin. Es sei nicht Aufgabe des Staates, bei religionskritischen Äußerungen einzuschreiten, lautete der Tenor der Behörden. Bei einem Handgemenge bei Protesten gegen die Ausstellung kam es dann zur Zerstörung der Kunstgegenstände. Der Erzbischof von Avignon verteidigte diesen Angriff.

Darüber hinaus finden sich wie immer zahlreiche regionale Nachrichten und Berichte in der September-Ausgabe des Monatsmagazins der französischen Freidenker La Raison.