Veganuary-Kampagne des Fachausschusses Tierethik

Pflanzliche Ernährung und das Klima

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Beitragsbild: OroVerde

Für den Klima- und Umweltschutz gibt es auf individueller Ebene kaum eine wirksamere Stellschraube als die Umstellung auf pflanzliche Ernährung. Der Fachausschuss Tierethik des Humanistischen Verbandes Deutschlands erklärt, warum Klimaschutz auf dem Teller beginnt.

2025 war laut Daten des euro­päi­schen Erdbeobachtungs​​programms Coper­ni­cus nach 2024 und 2023 welt­weit das dritt­wärms­te Jahr seit Beginn der Auf­zeich­nun­gen.[i] Auf der Erde wird es immer hei­ßer und das liegt in erheb­li­chem Maß dar­an, wie wir uns ernäh­ren:

  • Etwa 19 Pro­zent der welt­weit emit­tier­ten Treib­haus­ga­se sind auf die Hal­tung von soge­nann­ten Nutz­tie­ren zurück­zu­füh­ren.[ii]
  • Im Jahr 2022 ent­sprach der Emis­si­ons­aus­stoß der zehn umsatz­stärks­ten Schlacht­kon­zer­ne und der zehn umsatz­stärks­ten Milch­kon­zer­ne in Deutsch­land etwa dem 1,5‑Fachen der im sel­ben Jahr im Land durch PKW ver­ur­sach­ten Emis­sio­nen.[iii]
  • Für die Her­stel­lung von Tier­pro­duk­ten, die nur 37 Pro­zent der Pro­te­ine und 18 Pro­zent der Kalo­rien lie­fern, wer­den mehr als 80 Pro­zent der glo­ba­len Agrar­flä­chen genutzt.[iv]

Eine pflanz­li­che Ernäh­rung ist daher ein gro­ßer Hebel für mehr Umwelt- und Kli­ma­schutz – nach Ein­schät­zung von Kli­ma­for­schen­den wahr­schein­lich der größ­te, der uns auf indi­vi­du­el­ler Ebe­ne zur Ver­fü­gung steht.[v] Einer 2018 in der Fach­zeit­schrift Sci­ence ver­öf­fent­lich­ten, groß ange­leg­ten Stu­die zufol­ge könn­ten die gesam­ten Treib­haus­gas­emis­sio­nen der Mensch­heit um bis zu 28 Pro­zent jähr­lich ver­rin­gert wer­den, wenn sich die Welt­be­völ­ke­rung rein pflanz­lich ernäh­ren wür­de[vi]: 12 Pro­zent könn­ten direkt ein­ge­spart wer­den und 16 Pro­zent indi­rekt, und zwar durch das Poten­zi­al in Ver­bin­dung mit frei wer­den­den Flä­chen, die dann als Moo­re und Wäl­der CO2 ein­la­gern könn­ten.[vii] Eine wei­te­re Stu­die, die 2023 im Fach­blatt Natu­re Food ver­öf­fent­licht wur­de, kommt auf Grund­la­ge der­sel­ben Daten zu dem Schluss, dass glo­bal durch eine Umstel­lung von einer fleisch­rei­chen auf eine rein pflanz­li­che Ernäh­rung die Treib­haus­gas­emis­sio­nen und der Flä­chen­ver­brauch um etwa 75 Pro­zent redu­ziert wer­den könn­ten.[viii]

Je pflanz­li­cher die Ernäh­rung, des­to umwelt- und kli­ma­freund­li­cher und damit nach­hal­ti­ger – das hat auch die Deut­sche Gesell­schaft für Ernäh­rung (DGE) in ihrer Neu­be­wer­tung zur vega­nen Ernäh­rung vom Juni 2024[ix] wie­der bestä­tigt, die unter ande­rem die­se Aus­sa­gen ent­hält:

„Je gerin­ger der Anteil tie­ri­scher Pro­duk­te in der Ernäh­rung, des­to gerin­ger ist die Umwelt­be­las­tung … Im Ver­gleich zu der­zei­tig vor­herr­schen­den omni­vo­ren Ernäh­rungs­wei­sen ist eine vega­ne Ernäh­rung als äußerst umwelt­freund­lich anzu­se­hen. Ins­be­son­de­re das enor­me Poten­zi­al zur Sen­kung der Treib­haus­gas­emis­sio­nen ist viel­fach belegt.“

Ohne eine Ernäh­rungs- und Agrar­wen­de ist es unmög­lich, die Erd­er­wär­mung auf 1,5 bzw. 2 Grad zu begren­zen.[x] Wel­che Dring­lich­keit hier besteht, ist auch den Ver­öf­fent­li­chun­gen des Welt­kli­ma­rats (IPCC) aus den letz­ten Jah­ren zu ent­neh­men. In sei­nem letz­ten Syn­the­se­be­richt zum Sechs­ten Sach­stands­be­richt aus dem März 2023 bei­spiels­wei­se weist der IPCC dar­auf hin, dass das größ­te Ver­än­de­rungs­po­ten­zi­al in einem Wech­sel hin zu pflan­zen­ba­sier­ten Ernäh­rungs­wei­sen liegt.[xi] Pro­gno­sen zufol­ge wird der welt­wei­te Fleisch­kon­sum bis 2050 jedoch um 73 Pro­zent anstei­gen und der Milch­kon­sum wird sich ver­dop­peln.[xii] Eine sol­che Ent­wick­lung hät­te ver­hee­ren­de Aus­wir­kun­gen auf das Öko­sys­tem Erde, selbst wenn die Mensch­heit kom­plett auf regio­na­le und/oder öko­lo­gisch erzeug­te Tier­pro­duk­te umstei­gen wür­de. Denn auch die ernäh­rungs­be­ding­te Kli­ma­bi­lanz von Mischköstler*innen, die aus­schließ­lich regio­na­le Bio-Pro­duk­te kau­fen, ist weit­aus schlech­ter als die von Vegetarier*innen und ins­be­son­de­re Veganer*innen. Das liegt unter ande­rem dar­an, dass auf den Trans­port eines Lebens­mit­tels durch­schnitt­lich nur 5 Pro­zent der dadurch ver­ur­sach­ten Gesamt­emis­sio­nen fal­len[xiii] (und damit sehr viel weni­ger, als vie­le Men­schen den­ken). Und auch wenn es erst mal kon­train­tui­tiv erschei­nen mag: Bio-Tier­pro­duk­te sind nicht sel­ten sogar kli­ma­schäd­li­cher als Tier­pro­duk­te aus der kon­ven­tio­nel­len Hal­tung.[xiv] Das ist immer dann der Fall, wenn Tie­re in der Bio-Hal­tung län­ger leben als in der kon­ven­tio­nel­len Hal­tung (wie zum Bei­spiel Hüh­ner) und somit län­ger Fut­ter und mehr Flä­che benö­ti­gen. Die erwähn­te Sci­ence-Stu­die aus dem Jahr 2018 zeigt zudem ganz deut­lich, dass selbst die Tier­pro­duk­te mit der bes­ten Öko­bi­lanz schäd­li­che­re Aus­wir­kun­gen haben als nahe­zu alle pflanz­li­chen Lebens­mit­tel.

Humanist*innen emp­fin­den eine Für­sor­ge­pflicht gegen­über der gesam­ten Mensch­heit, ein­schließ­lich künf­ti­ger Gene­ra­tio­nen.[xv] Daher kön­nen uns die Fol­gen unse­rer Ernäh­rung nicht egal sein. Die Zahl der Men­schen, die kli­ma­be­dingt ihre Hei­mat ver­las­sen müs­sen, wird in den nächs­ten Jah­ren wei­ter zuneh­men[xvi] und nach­fol­gen­de Gene­ra­tio­nen wer­den auf einem unum­kehr­bar beschä­dig­ten Pla­ne­ten leben müs­sen, wenn wir nicht recht­zei­tig tief­grei­fen­de Ver­än­de­run­gen auf den Weg brin­gen. Kli­ma­schutz fängt auf dem Tel­ler an, und das gibt Orga­ni­sa­tio­nen wie dem Huma­nis­ti­schen Ver­band Deutsch­lands die Mög­lich­keit, ihre Treib­haus­gas­bi­lanz und damit ihren öko­lo­gi­schen Fuß­ab­druck durch ein ent­spre­chen­des Ver­pfle­gungs­an­ge­bot ent­schei­dend zu ver­bes­sern.


Quel­len:

[i] https://climate.copernicus.eu/copernicus-2025-was-third-hottest-year-record

[ii] https://www.greenpeace.de/biodiversitaet/landwirtschaft/tierhaltung

[iii] https://www.germanwatch.org/sites/default/files/germanwatch_super-emittenten_in_der_fleisch-_und_milchwirtschaft_0.pdf, S. 70

[iv] https://www.klimawandel-gesundheit.de/wp-content/uploads/2024/03/KLUG_Factsheet-Ernaehrung_2311_final_online.pdf

[v] https://www.theguardian.com/environment/2018/may/31/avoiding-meat-and-dairy-is-single-biggest-way-to-reduce-your-impact-on-earth

[vi] https://www.science.org/doi/10.1126/science.aaw9908

[vii] Schmitz, F. (2022). Anders satt: Wie der Aus­stieg aus der Tier­in­dus­trie gelingt. Ven­til Ver­lag, Mainz, S. 59

[viii] https://www.nature.com/articles/s43016-023–00795‑w

[ix] https://www.dge.de//fileadmin/dok/wissenschaft/positionen/DGE_Position_Neubewertung_Vegane_Ern%C3%A4hrung_EU_2024_60-84.pdf, S. 74 + 76

[x] https://www.science.org/doi/10.1126/science.aba7357

[xi] https://www.ipcc.ch/report/ar6/wg3/chapter/chapter‑5/

[xii] https://dgvn.de/meldung/eine-zukunftssichere-ernaehrung-ist-pflanzenbasiert

[xiii] https://ourworldindata.org/food-choice-vs-eating-local

[xiv] https://www.ifeu.de/fileadmin/uploads/Reinhardt-Gaertner-Wagner-2020-Oekologische-Fu%C3%9Fabdruecke-von-Lebensmitteln-und-Gerichten-in-Deutschland-ifeu-2020.pdf

[xv] https://humanismus.de/ueber-uns/grundwerte/amsterdam-deklaration/

[xvi] https://www.greenpeace.de/publikationen/Klimawandel_Migration_und_Konflikt.pdf

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2 Gedanken zu „Pflanzliche Ernährung und das Klima“

  1. Lei­der liest man im Kon­text von Kli­ma­schutz nur sel­ten von den Aus­wir­kun­gen des Ernäh­rungs­sys­tems auf unser Kli­ma. Toll, dass ihr es hier zum The­ma macht und die wich­tigs­ten Fak­ten so prä­gnant prä­sen­tiert!

  2. Als seit über 35 Jah­ren strikt bio-vegan leben­der Öko­h­u­ma­nist, füh­le ich mich nicht nur dem Wohl der Men­schen, son­dern allem Leben auf unse­rem Pla­ne­ten ver­pflich­tet. Es hilft aber wenig, Men­schen allein mit nega­ti­ven Fak­ten ein schlech­tes Gewis­sen zu machen.
    Statt­des­sen braucht es eine Charme­of­fen­si­ve, für einen für alle gesün­de­ren Lebens­stil, indem wir mit gutem Bei­spiel vor­an­ge­hen. Es kann hel­fen, dabei auf die Begrif­fe vegan und vege­ta­risch zu ver­zich­ten und statt­des­sen mit lecker und gesund zu wer­ben. So kön­nen wir Men­schen lang­fris­tig hel­fen, zu einem Teil der Lösung zu wer­den, statt Teil des Pro­blems zu blei­ben.
    BTW: Der Text erklärt nicht, war­um län­ger leben­de Tie­re, in einer Bio-Hal­tung, kli­ma­schäd­li­cher sein sol­len. Es müs­sen doch dann weni­ger neue Tie­re her­an­ge­zo­gen wer­den, sodass der Gesamt­scha­den annä­hernd gleich­blei­ben dürf­te.

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