Anna Siemsen (18. Januar 1882 – 22. Januar 1951)

Pazifistin, Frauenrechtlerin und Kämpferin für ein vereinigtes sozialistisches Europa

| von
Evelin Frerk

Beitragsbild: Anna Siemsen (ca. 1940). Bild: Urheber:in unbekannt/F Fa-0008-11. Schweizerisches Sozialarchiv

Vor 75 Jahren, am 22. Januar 1951, starb Anna Siemsen. Sie setzte sich früh für eine neue demokratische Erziehung ein und kämpfte für die Erhaltung des Friedens und für die Gleichstellung der Frau in einem vereinigten Europa.

Anna Siem­sen wuchs in einer evan­ge­li­schen Pfar­rers­fa­mi­lie in Mark bei Hamm auf. Nach dem Besuch der Dorf­schu­le ging sie zur höhe­ren Töch­ter­schu­le, leg­te in Müns­ter die Leh­re­rin­nen­prü­fung ab und mach­te in Hameln das Abitur. Sie stu­dier­te Päd­ago­gik in Mün­chen, Bonn und Müns­ter, nach dem Saats­examen pro­mo­vier­te sie und arbei­te­te zehn Jah­re als Leh­re­rin.

Wäh­rend des Ers­ten Welt­krie­ges wur­de sie Pazi­fis­tin, trat 1916 aus der evan­ge­li­schen Kir­che aus und 1918 in die Unab­hän­gi­ge Sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Par­tei (USPD) ein. 1921 wur­de sie ins preu­ßi­sche Volks­bil­dungs­mi­nis­te­ri­um mach Ber­lin beru­fen, wech­sel­te zwei Jah­re spä­ter in das sozia­lis­tisch geführ­te Erzie­hungs­mi­nis­te­ri­um nach Thü­rin­gen und ent­wi­ckel­te ein Pro­gramm, das auf die Erzie­hung zur Gemein­schaft und zu einer künf­ti­gen sozia­lis­ti­schen Gesell­schaft mit Koedu­ka­ti­on und glei­cher Aus­bil­dung von Jun­gen und Mäd­chen ziel­te. Sie wur­de Mit­glied im Ver­band für Frei­den­ker­tum und Feu­er­be­stat­tung e.V. und im Bund Ent­schie­de­ner Schul­re­for­mer. 1923 bekam sie eine Päd­ago­gik­pro­fes­sur in Jena über­tra­gen. 1925 erschien ihr Buch „Zur Jugend­wei­he. Der Weg zur Gemein­schaft“. Bis 1929 war sie im Prä­si­di­um der „Deut­schen Frie­dens­ge­sell­schaft“, im Vor­stand der Deut­schen Liga für Men­schen­rech­te“ und der „Inter­na­tio­na­len Frau­en­li­ga für Frie­den und Frei­heit“ tätig.

Von 1928 bis 1930 saß sie für die SPD im Deut­schen Reichs­tag, wo sich wei­ter für ein Bil­dungs­sys­tem ein­setz­te, das die Kin­der dar­auf vor­be­rei­te­te, sich für Frei­heit, Gerech­tig­keit und Frie­den ein­zu­set­zen. Aus Pro­test gegen den Pan­zer­kreu­zer­bau trat sie 1931 zur Sozia­lis­ti­schen Arbei­ter­par­tei (SAP) über. Im glei­chen Jahr wur­de ihr die Pro­fes­sur in Jena durch die natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Lan­des­re­gie­rung aberkannt. Am 5. März 1933 – nach der Macht­über­tra­gung an Hit­ler – floh sie in die Schweiz und arbei­te­te dort wei­ter.

Etli­che der weit über 800 Schrif­ten, die sie ver­fasst hat­te, stan­den auf den „Schwar­zen Lis­ten“ für die um den 10. Mai 1933 statt­fin­den­den Bücher­ver­bren­nun­gen.

Nach 1945 kehr­te Anna Siem­sen nach West-Deutsch­land zurück und lei­te­te das Insti­tut für Leh­rer­bil­dung in Ham­burg, war Pro­fes­so­rin für Lite­ra­tur und Päd­ago­gik an der dor­ti­gen Uni­ver­si­tät und war in der Sozia­lis­ti­schen Bewe­gung für die Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Euro­pa aktiv bis sie 1951 starb.

Lite­ra­tur:
Gise­la Notz: Anna Siem­sen (1882 – 1951): in: diess.: Weg­be­rei­te­rin­nen. Berühm­te, bekann­te und zu Unrecht ver­ges­se­ne Frau­en aus der Geschich­te, Neu-Ulm 2020, S. 180–181.
August Siem­sen: Anna Siem­sen, Leben und Werk, Ham­burg 1951.

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