Anna Siemsen wuchs in einer evangelischen Pfarrersfamilie in Mark bei Hamm auf. Nach dem Besuch der Dorfschule ging sie zur höheren Töchterschule, legte in Münster die Lehrerinnenprüfung ab und machte in Hameln das Abitur. Sie studierte Pädagogik in München, Bonn und Münster, nach dem Saatsexamen promovierte sie und arbeitete zehn Jahre als Lehrerin.
Während des Ersten Weltkrieges wurde sie Pazifistin, trat 1916 aus der evangelischen Kirche aus und 1918 in die Unabhängige Sozialdemokratischen Partei (USPD) ein. 1921 wurde sie ins preußische Volksbildungsministerium mach Berlin berufen, wechselte zwei Jahre später in das sozialistisch geführte Erziehungsministerium nach Thüringen und entwickelte ein Programm, das auf die Erziehung zur Gemeinschaft und zu einer künftigen sozialistischen Gesellschaft mit Koedukation und gleicher Ausbildung von Jungen und Mädchen zielte. Sie wurde Mitglied im Verband für Freidenkertum und Feuerbestattung e.V. und im Bund Entschiedener Schulreformer. 1923 bekam sie eine Pädagogikprofessur in Jena übertragen. 1925 erschien ihr Buch „Zur Jugendweihe. Der Weg zur Gemeinschaft“. Bis 1929 war sie im Präsidium der „Deutschen Friedensgesellschaft“, im Vorstand der Deutschen Liga für Menschenrechte“ und der „Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit“ tätig.
Von 1928 bis 1930 saß sie für die SPD im Deutschen Reichstag, wo sich weiter für ein Bildungssystem einsetzte, das die Kinder darauf vorbereitete, sich für Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden einzusetzen. Aus Protest gegen den Panzerkreuzerbau trat sie 1931 zur Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP) über. Im gleichen Jahr wurde ihr die Professur in Jena durch die nationalsozialistische Landesregierung aberkannt. Am 5. März 1933 – nach der Machtübertragung an Hitler – floh sie in die Schweiz und arbeitete dort weiter.
Etliche der weit über 800 Schriften, die sie verfasst hatte, standen auf den „Schwarzen Listen“ für die um den 10. Mai 1933 stattfindenden Bücherverbrennungen.
Nach 1945 kehrte Anna Siemsen nach West-Deutschland zurück und leitete das Institut für Lehrerbildung in Hamburg, war Professorin für Literatur und Pädagogik an der dortigen Universität und war in der Sozialistischen Bewegung für die Vereinigten Staaten von Europa aktiv bis sie 1951 starb.
Literatur:
Gisela Notz: Anna Siemsen (1882 – 1951): in: diess.: Wegbereiterinnen. Berühmte, bekannte und zu Unrecht vergessene Frauen aus der Geschichte, Neu-Ulm 2020, S. 180–181.
August Siemsen: Anna Siemsen, Leben und Werk, Hamburg 1951.



