Die Klimakrise sowie andere Umweltprobleme, die auch auf unsere Ernährungssysteme zurückzuführen sind (wie der rasante Verlust der Artenvielfalt[i]), werden für immer mehr Menschen zu einer großen Gesundheitsgefahr. Die Weltgesundheitsorganisation bezeichnet die Klimakrise seit 2021 als die größte Gesundheitsbedrohung für die Menschheit.[ii] Klima- und Umweltschutz sind also immer auch Gesundheitsschutz.
Tierproduktlastige Ernährungsweisen belasten die Gesundheitssysteme aber auch durch ihren Beitrag zur Entstehung von Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und verschiedenen Krebsarten.[iii] Welches Potenzial hier besteht, zeigen Berechnungen der internationalen EAT-Lancet-Kommission, die 2019 mit dem Bericht „Planetary Health Diet“ (PHD) einen Speiseplan veröffentlicht hat, der darauf abzielt, zugleich die menschliche Gesundheit wie auch die der Erde zu schützen. Gemäß der PHD 2.0, eines im Oktober 2025 veröffentlichten Updates der PHD aus dem Jahr 2019, könnten bei einem weltweiten Umstieg auf diesen Speiseplan jedes Jahr 15 Millionen ernährungsmitbedingte Todesfälle – und damit 27 Prozent aller Todesfälle – verhindert werden.[iv] Die PHD 2.0 hält auf Grundlage einer noch robusteren Datenlage an ihren ursprünglichen Empfehlungen fest: Mindestens 80 Prozent der konsumierten Kalorien sollten aus pflanzlichen Lebensmitteln stammen (siehe iv) und Tierprodukte können eine Ergänzung darstellen, sind aber optional[v]. In Deutschland fließen die Empfehlungen der EAT-Lancet-Kommission unter anderem in die Arbeit der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und des Umweltbundesamtes ein.[vi]
Die Art, wie wir uns in reichen Ländern ernähren, ist aber nicht nur für viele Zivilisationskrankheiten mitverantwortlich, sondern verursacht zugleich Hunger und damit einhergehende gesundheitliche Probleme in armen Teilen der Welt. Denn die Herstellung von Tierprodukten verbraucht große Mengen an Wasser, Fläche und Futter und stellt damit eine Ressourcenverschwendung von unvorstellbarem Ausmaß dar: Was in der Landwirtschaft als „Veredelung“ bezeichnet wird (die Umwandlung von Pflanzenprodukten zu Tierprodukten), kostet viele Menschen das Leben, da in ihren Ländern Futtermittel für Tiere in den Industrieländern angebaut werden, die sie eigentlich dringend für die eigene Ernährung benötigen. Dieser Ansatz, Getreide und Soja als Futtermittel für Tiere zu verschwenden, statt für den Direktkonsum durch Menschen nutzbar zu machen, stellt eine große Bedrohung für die globale Ernährungssicherheit dar.[vii] Auch in Deutschland landet der überwiegende Teil des Getreides, rund 60 Prozent, in Futtertrögen und nicht auf Tellern.[viii]
Die Tierindustrie birgt aber auch für die, die in ihr arbeiten, Gefahren für die (physische wie auch mentale) Gesundheit.[ix] Das wurde insbesondere während der Corona-Krise deutlich, als die von Schlachthäusern ausgehende Gefahr für die öffentliche Gesundheit die Schlagzeilen bestimmte.[x]
Corona hat uns gezeigt, wie sich eine Zoonose innerhalb kürzester Zeit pandemisch verbreiten kann, doch Covid-19 ist nur eine von vielen Zoonosen. Etwa 75 Prozent der in den letzten Jahren neu aufgetretenen Infektionskrankheiten waren Zoonosen, wurden also durch den Kontakt mit oder den Verzehr von Tieren übertragen.[xi] Dass es einen engen Zusammenhang zwischen der Entstehung und Verbreitung von Zoonosen und Pandemien[xii] (sowie auch Antibiotika-Resistenzen[xiii]) und der landwirtschaftlichen Tierhaltung gibt, ist vielfach belegt. Bei Maßnahmen zur Vorbeugung und Bekämpfung von Zoonosen wie Covid-19 oder der Vogelgrippe H5N1 (die den Befürchtungen von Expert*innen zufolge die nächste Pandemie auslösen könnte[xiv]) kommt daher der One-Health-Ansatz zu tragen, der auf dem Verständnis basiert, dass die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt eng miteinander zusammenhängt[xv].
In vielen Teilen der Welt und ganz sicher in unserem Land ist es für die meisten Menschen ganz einfach, sich sehr gut und gesund pflanzlich zu ernähren. Warum tun wir es nicht, wenn wir uns selbst so etwas Gutes tun und andere Menschen vor Hunger und Leid bewahren können? Wir als Humanist*innen empfinden eine Fürsorgepflicht gegenüber der gesamten Menschheit, einschließlich künftiger Generationen[xvi], und sind damit zum Handeln aufgerufen.
Die Grundprinzipien einer ausgewogenen veganen Ernährung werden in der Gießener veganen Lebensmittelpyramide dargestellt, die im Dezember 2025 in der dritten Auflage auf der Veganuary-Website veröffentlicht wurde:
https://veganuary.com/de/vegane-lebensmittelpyramide/
Quellen:
[i] https://www.umweltbundesamt.de/themen/landwirtschaft/landwirtschaft-umweltfreundlich-gestalten/fragen-antworten-zu-tierhaltung-ernaehrung#1‑umwelt-und-klimawirkungen-der-nutztierhaltung
[ii] https://www.rki.de/DE/Themen/Gesundheit-und-Gesellschaft/Klimawandel/klimawandel-node.html
[iii] https://www.pan-dach.org/pflanzenbetonte-ernaehrung
[iv] https://www.bzfe.de/presse/pressemeldungen-archiv/update-fuer-die-planetary-health-diet
[v] https://eatforum.org/update/eat-lancet-commission-warns-food-systems-breach-planetary-limits/
[vi] https://vegconomist.de/food-and-beverage/eat-lancet-planetary-health-diet/
[vii] https://www.compassionlebensmittelwirtschaft.de/unsere-news/massentierhaltung-die-groesste-ursache-fuer-lebensmittelverschwendung/
[viii] https://www.landwirtschaft.de/einkauf/lebensmittel/pflanzliche-lebensmittel/getreide
[ix] https://ethikguide.org/blog/wie-geht-es-menschen-die-in-schlachthoefen-arbeiten/
[x] https://www.deutschlandfunk.de/covid-19-ausbrueche-warum-die-arbeitsbedingungen-in-100.html
[xi] https://de.statista.com/themen/9496/zoonosen/
[xii] https://www.boell.de/de/2021/01/06/zoonosen-tierproduktion-pandemie-gesundheit
[xiii] https://www.duh.de/informieren/landwirtschaft-und-ernaehrung/antibiotika-in-der-massentierhaltung/
[xiv] https://www.aerzteblatt.de/news/appell-zur-vorbereitung-auf-mogliche-vogelgrippepandemie-2f8896f3-301a-41d4-8ce9-d74ac0617ff5
[xv] https://www.bmz.de/de/themen/one-health
[xvi] https://humanismus.de/ueber-uns/grundwerte/amsterdam-deklaration/



