Veganuary-Kampagne des Fachausschusses Tierethik

Pflanzliche Ernährung und Gesundheit

| von

Beitragsbild: Fatane Rahimi/unsplash

Die Klimakrise ist auch eine Gesundheitskrise und unsere Ernährung spielt dabei eine entscheidende Rolle. Der Fachausschuss Tierethik des Humanistischen Verbandes Deutschlands – Bundesverband zeigt, welches große Potenzial pflanzliche Ernährung für die individuelle menschliche Gesundheit bietet.

Die Kli­ma­kri­se sowie ande­re Umwelt­pro­ble­me, die auch auf unse­re Ernäh­rungs­sys­te­me zurück­zu­füh­ren sind (wie der rasan­te Ver­lust der Arten­viel­falt[i]), wer­den für immer mehr Men­schen zu einer gro­ßen Gesund­heits­ge­fahr. Die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on bezeich­net die Kli­ma­kri­se seit 2021 als die größ­te Gesund­heits­be­dro­hung für die Mensch­heit.[ii] Kli­ma- und Umwelt­schutz sind also immer auch Gesund­heits­schutz.

Tier­pro­dukt­las­ti­ge Ernäh­rungs­wei­sen belas­ten die Gesund­heits­sys­te­me aber auch durch ihren Bei­trag zur Ent­ste­hung von Zivi­li­sa­ti­ons­krank­hei­ten wie Herz-Kreis­lauf­erkran­kun­gen, Dia­be­tes und ver­schie­de­nen Krebs­ar­ten.[iii] Wel­ches Poten­zi­al hier besteht, zei­gen Berech­nun­gen der inter­na­tio­na­len EAT-Lan­cet-Kom­mis­si­on, die 2019 mit dem Bericht „Pla­ne­ta­ry Health Diet“ (PHD) einen Spei­se­plan ver­öf­fent­licht hat, der dar­auf abzielt, zugleich die mensch­li­che Gesund­heit wie auch die der Erde zu schüt­zen. Gemäß der PHD 2.0, eines im Okto­ber 2025 ver­öf­fent­lich­ten Updates der PHD aus dem Jahr 2019, könn­ten bei einem welt­wei­ten Umstieg auf die­sen Spei­se­plan jedes Jahr 15 Mil­lio­nen ernäh­rungs­mit­be­ding­te Todes­fäl­le – und damit 27 Pro­zent aller Todes­fäl­le – ver­hin­dert wer­den.[iv] Die PHD 2.0 hält auf Grund­la­ge einer noch robus­te­ren Daten­la­ge an ihren ursprüng­li­chen Emp­feh­lun­gen fest: Min­des­tens 80 Pro­zent der kon­su­mier­ten Kalo­rien soll­ten aus pflanz­li­chen Lebens­mit­teln stam­men (sie­he iv) und Tier­pro­duk­te kön­nen eine Ergän­zung dar­stel­len, sind aber optio­nal[v]. In Deutsch­land flie­ßen die Emp­feh­lun­gen der EAT-Lan­cet-Kom­mis­si­on unter ande­rem in die Arbeit der Deut­schen Gesell­schaft für Ernäh­rung und des Umwelt­bun­des­am­tes ein.[vi]

Die Art, wie wir uns in rei­chen Län­dern ernäh­ren, ist aber nicht nur für vie­le Zivi­li­sa­ti­ons­krank­hei­ten mit­ver­ant­wort­lich, son­dern ver­ur­sacht zugleich Hun­ger und damit ein­her­ge­hen­de gesund­heit­li­che Pro­ble­me in armen Tei­len der Welt. Denn die Her­stel­lung von Tier­pro­duk­ten ver­braucht gro­ße Men­gen an Was­ser, Flä­che und Fut­ter und stellt damit eine Res­sour­cen­ver­schwen­dung von unvor­stell­ba­rem Aus­maß dar: Was in der Land­wirt­schaft als „Ver­ede­lung“ bezeich­net wird (die Umwand­lung von Pflan­zen­pro­duk­ten zu Tier­pro­duk­ten), kos­tet vie­le Men­schen das Leben, da in ihren Län­dern Fut­ter­mit­tel für Tie­re in den Indus­trie­län­dern ange­baut wer­den, die sie eigent­lich drin­gend für die eige­ne Ernäh­rung benö­ti­gen. Die­ser Ansatz, Getrei­de und Soja als Fut­ter­mit­tel für Tie­re zu ver­schwen­den, statt für den Direkt­kon­sum durch Men­schen nutz­bar zu machen, stellt eine gro­ße Bedro­hung für die glo­ba­le Ernäh­rungs­si­cher­heit dar.[vii] Auch in Deutsch­land lan­det der über­wie­gen­de Teil des Getrei­des, rund 60 Pro­zent, in Fut­ter­trö­gen und nicht auf Tel­lern.[viii]

Die Tier­in­dus­trie birgt aber auch für die, die in ihr arbei­ten, Gefah­ren für die (phy­si­sche wie auch men­ta­le) Gesund­heit.[ix] Das wur­de ins­be­son­de­re wäh­rend der Coro­na-Kri­se deut­lich, als die von Schlacht­häu­sern aus­ge­hen­de Gefahr für die öffent­li­che Gesund­heit die Schlag­zei­len bestimm­te.[x]
Coro­na hat uns gezeigt, wie sich eine Zoo­no­se inner­halb kür­zes­ter Zeit pan­de­misch ver­brei­ten kann, doch Covid-19 ist nur eine von vie­len Zoo­no­sen. Etwa 75 Pro­zent der in den letz­ten Jah­ren neu auf­ge­tre­te­nen Infek­ti­ons­krank­hei­ten waren Zoo­no­sen, wur­den also durch den Kon­takt mit oder den Ver­zehr von Tie­ren über­tra­gen.[xi] Dass es einen engen Zusam­men­hang zwi­schen der Ent­ste­hung und Ver­brei­tung von Zoo­no­sen und Pan­de­mien[xii] (sowie auch Anti­bio­ti­ka-Resis­ten­zen[xiii]) und der land­wirt­schaft­li­chen Tier­hal­tung gibt, ist viel­fach belegt. Bei Maß­nah­men zur Vor­beu­gung und Bekämp­fung von Zoo­no­sen wie Covid-19 oder der Vogel­grip­pe H5N1 (die den Befürch­tun­gen von Expert*innen zufol­ge die nächs­te Pan­de­mie aus­lö­sen könn­te[xiv]) kommt daher der One-Health-Ansatz zu tra­gen, der auf dem Ver­ständ­nis basiert, dass die Gesund­heit von Mensch, Tier und Umwelt eng mit­ein­an­der zusam­men­hängt[xv].

In vie­len Tei­len der Welt und ganz sicher in unse­rem Land ist es für die meis­ten Men­schen ganz ein­fach, sich sehr gut und gesund pflanz­lich zu ernäh­ren. War­um tun wir es nicht, wenn wir uns selbst so etwas Gutes tun und ande­re Men­schen vor Hun­ger und Leid bewah­ren kön­nen? Wir als Humanist*innen emp­fin­den eine Für­sor­ge­pflicht gegen­über der gesam­ten Mensch­heit, ein­schließ­lich künf­ti­ger Gene­ra­tio­nen[xvi], und sind damit zum Han­deln auf­ge­ru­fen.

Die Grund­prin­zi­pi­en einer aus­ge­wo­ge­nen vega­nen Ernäh­rung wer­den in der Gie­ße­ner vega­nen Lebens­mit­tel­py­ra­mi­de dar­ge­stellt, die im Dezem­ber 2025 in der drit­ten Auf­la­ge auf der Vega­nu­ary-Web­site ver­öf­fent­licht wur­de:
https://veganuary.com/de/vegane-lebensmittelpyramide/

Quel­len:
 
[i] https://www.umweltbundesamt.de/themen/landwirtschaft/landwirtschaft-umweltfreundlich-gestalten/fragen-antworten-zu-tierhaltung-ernaehrung#1‑umwelt-und-klimawirkungen-der-nutztierhaltung
[ii] https://www.rki.de/DE/Themen/Gesundheit-und-Gesellschaft/Klimawandel/klimawandel-node.html
[iii] https://www.pan-dach.org/pflanzenbetonte-ernaehrung
[iv] https://www.bzfe.de/presse/pressemeldungen-archiv/update-fuer-die-planetary-health-diet
[v] https://eatforum.org/update/eat-lancet-commission-warns-food-systems-breach-planetary-limits/
[vi] https://vegconomist.de/food-and-beverage/eat-lancet-planetary-health-diet/
[vii] https://www.compassionlebensmittelwirtschaft.de/unsere-news/massentierhaltung-die-groesste-ursache-fuer-lebensmittelverschwendung/
[viii] https://www.landwirtschaft.de/einkauf/lebensmittel/pflanzliche-lebensmittel/getreide
[ix] https://ethikguide.org/blog/wie-geht-es-menschen-die-in-schlachthoefen-arbeiten/
[x] https://www.deutschlandfunk.de/covid-19-ausbrueche-warum-die-arbeitsbedingungen-in-100.html
[xi] https://de.statista.com/themen/9496/zoonosen/
[xii] https://www.boell.de/de/2021/01/06/zoonosen-tierproduktion-pandemie-gesundheit
[xiii] https://www.duh.de/informieren/landwirtschaft-und-ernaehrung/antibiotika-in-der-massentierhaltung/
[xiv] https://www.aerzteblatt.de/news/appell-zur-vorbereitung-auf-mogliche-vogelgrippepandemie-2f8896f3-301a-41d4-8ce9-d74ac0617ff5
[xv] https://www.bmz.de/de/themen/one-health
[xvi] https://humanismus.de/ueber-uns/grundwerte/amsterdam-deklaration/

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1 Kommentar zu „Pflanzliche Ernährung und Gesundheit“

  1. Friederike Schmitz

    Super Zusam­men­fas­sung, vie­len Dank! Ich wür­de noch einen Punkt ergän­zen: Ernäh­rungs­ar­mut und Ernäh­rungs­un­si­cher­heit ist auch hier­zu­lan­de ein The­ma und wird noch wei­ter zuneh­men, denn der Kli­ma­wan­del erschwert zuneh­mend die Land­wirt­schaft. Ein Umbau des Ernäh­rungs­sys­tems hin zu pflan­zen­ba­siert wirkt da auch vor­beu­gend, weil pflanz­li­che Nah­rungs­mit­tel so viel weni­ger Flä­che und Res­sour­cen brau­chen.
    Mehr Infos dazu:
    Fol­ge 7 vom Pod­cast „Was zu ret­ten ist”: https://podcasts.apple.com/us/podcast/7-%C3%B6l-und-gaslizenzen-uk-unausweichliche-ern%C3%A4hrungswende/id1845657643?i=1000743712988
    Arti­kel bei Kli­ma­re­por­ter: https://klimareporter.de/erdsystem/ernaehrungswende-by-design-oder-by-disaster

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