Humanistische Bildung

Entwicklungsorientierte Bildung ist humanistische Bildung

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Beitragsbild: - Landsmann -/Unsplash

Entwicklungsorientierte Bildung wird bislang vor allem pädagogisch diskutiert. Christian Stalder verortet sie im geistesgeschichtlichen Horizont des modernen Humanismus und zeigt anhand der Amsterdamer Erklärung 2022, wie sie humanistische Werte praktisch realisiert: ethisch, rational, ästhetisch und existenziell.

»Kei­nen bestimm­ten Platz habe ich dir zuge­wie­sen, auch kei­ne bestimm­te äuße­re Erschei­nung und auch nicht irgend­ei­ne beson­de­re Gabe habe ich dir ver­lie­hen, Adam, damit du den Platz, das Aus­se­hen und alle die Gaben, die du dir sel­ber wünschst, nach dei­nem eige­nen Wil­len und Ent­schluss erhal­ten und besit­zen kannst. Die fest umris­se­ne Natur der übri­gen Geschöp­fe ent­fal­tet sich nur inner­halb der von mir vor­ge­schrie­be­nen Geset­ze. Du wirst von allen Ein­schrän­kun­gen frei nach dei­nem eige­nen frei­en Wil­len, dem ich dich über­las­sen habe, dir selbst dei­ne Natur bestim­men. In die Mit­te der Welt habe ich dich gestellt, damit du von da aus beque­mer alles rings­um betrach­ten kannst, was es auf der Welt gibt. Weder als einen Himm­li­schen noch als einen Irdi­schen habe ich dich geschaf­fen und weder sterb­lich noch unsterb­lich dich gemacht, damit du wie ein For­mer und Bild­ner dei­ner selbst nach eige­nem Belie­ben und aus eige­ner Macht zu der Gestalt dich aus­bil­den kannst, die du bevor­zugst. Du kannst nach unten hin ins Tie­ri­sche ent­ar­ten, du kannst aus eige­nem Wil­len wie­der­ge­bo­ren wer­den nach oben in das Gött­li­che.«

Gio­van­ni Pico del­la Miran­do­la, Ora­tio, 1486

Ausgangslage

Im Jahr 2022 wur­de im Rah­men der Gene­ral­ver­samm­lung von Huma­nists Inter­na­tio­nal die Erklä­rung eines moder­nen Huma­nis­mus ver­ab­schie­det. Sie knüpft an die Ams­ter­da­mer Erklä­rung von 1952 an und aktua­li­siert deren huma­nis­ti­sches Selbst­ver­ständ­nis unter den Bedin­gun­gen des 21. Jahr­hun­derts. Die jüngs­te Fas­sung ver­steht sich als Aus­druck eines welt­wei­ten huma­nis­ti­schen Selbst­ver­ständ­nis­ses, das Ver­nunft, Mit­ge­fühl, Men­schen­wür­de und Ver­ant­wor­tung in den Mit­tel­punkt stellt (vgl. Huma­nists Inter­na­tio­nal, 2025).

Im sel­ben Jahr skiz­zie­ren Arn & Munsch einen Para­dig­men­wech­sel in der Bil­dung, von der Wis­sens- und Kom­pe­tenz­ori­en­tie­rung hin zur Ent­wick­lungs­ori­en­tie­rung. Sie schrei­ben: „Kom­pe­tenz­ori­en­tie­rung hat Wis­sens­ori­en­tie­rung abge­löst, indem Wis­sen als Teil von Kom­pe­tenz gese­hen wur­de. Ent­wick­lungs­ori­en­tie­rung – so unse­re Hypo­the­se – hat gera­de begon­nen, Kom­pe­tenz­ori­en­tie­rung abzu­lö­sen, indem Kom­pe­tenz als Teil von Ent­wick­lung erkannt wird“ (2022a, S. 22). Das neue Bil­dungs­pa­ra­dig­ma wird in der Fol­ge mit 13 Cha­rak­te­ris­ti­ka genau­er gefasst (Arn & Stal­der 2025), aus Theo­rie und Pra­xis her­aus beschrie­ben (Burk & Stal­der 2022; Burk & Stal­der 2023; Wampf­ler 2025, Stal­der & Arn 2025), im Kon­text neu­er Prü­fungs­for­ma­te dar­ge­stellt (Stal­der, 2024) und mit Per­sön­lich­keits­bil­dung und Ent­wick­lungs­psy­cho­lo­gie in Ver­bin­dung gebracht (Arn et al. 2025). Die Hoch­schu­le für agi­le Bil­dung setz­te gar einen gesam­ten Stu­di­en­gang auf Basis Ent­wick­lungs­ori­en­tier­ter Bil­dung als Pro­to­typ um (Arn et al. 2024; Bos­sard, 2023; Don­zé, 2023). Beson­ders ein­leuch­tend dabei ist, dass Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung die Bil­dung des gan­zen Men­schen, also Wis­sen, Kom­pe­ten­zen und Ent­wick­lung als Mensch (Per­son) im Sinn hat und dass Wis­sen und Kom­pe­ten­zen allein als Gehal­te für ein ganz­heit­li­ches Bil­dungs­ver­ständ­nis nicht aus­rei­chen. Unter ande­rem des­halb, weil es Per­sön­lich­keits­merk­ma­le gibt, die kom­pe­tenz­theo­re­tisch nicht adäquat gefasst wer­den kön­nen (Wis­niew­ski & Dau­m­il­ler 2025; Rei­chen­bach 2017); gera­de in einer Zeit des Umbruchs, der „Zei­ten­wen­de“ (Wag­ner, 2025) gewin­nen sol­che Merk­ma­le (wie z.B. Offen­heit oder Krea­ti­vi­tät etc.), die über rei­nes Kön­nen hin­aus­wei­sen, an Bedeu­tung (vgl. OECD, 2019). Der Ent­wick­lungs­be­griff bie­tet sich gut für ein erwei­ter­tes Bil­dungs­ver­ständ­nis an – auch über unse­re kul­tu­rel­len Kon­tex­te hin­aus, etwa in ver­glei­chen­den Per­spek­ti­ven wie jener von Cai (2021) zu Chi­na. Er öff­net den Blick auf Dimen­sio­nen des Mensch­seins, die sich weder in Wis­sen noch in Kom­pe­ten­zen erschöp­fen.

Nun, was aber haben die bei­den Anlie­gen mit­ein­an­der gemein? Der Huma­nis­mus – die Ams­ter­da­mer Erklä­rung 2022 ver­weist dar­auf – beschreibt ein Ver­ständ­nis des Mensch-Seins. Ent­wick­lungs-ori­en­tier­te Bil­dung ist ein Ver­ständ­nis von Bil­dung, das – und jetzt kommt’s – genau zu die­sem Ver­ständ­nis von Mensch­sein passt und dazu bei­trägt, es in die Welt zu brin­gen. Im Fol­gen­den wird die­se Ver­bin­dung sys­te­ma­tisch ent­fal­tet.

Vom Paradigmenwechsel zur Praxis: Humanistische Prinzipien als Entwicklungsimpulse

Die­ser Text ver­bin­det die vier zen­tra­len Prin­zi­pi­en der Ams­ter­da­mer Erklä­rung von 2022 mit Grund­la­gen der Ent­wick­lungs­ori­en­tier­ten Bil­dung (Stand 2025) im Sin­ne einer welt­zu­ge­wand­ten, per­son­na­hen, frei­heits­för­dern­den und zukunfts­of­fe­nen Bil­dungs­pra­xis. Er will zei­gen: Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung ist huma­nis­ti­sche Bil­dung, denn sie über­setzt huma­nis­ti­sche Wer­te in päd­ago­gi­sches Han­deln und ist damit eine Ermög­li­che­rin, um Huma­nis­mus wei­ter in die Welt zu brin­gen. Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung rea­li­siert huma­nis­ti­sche Zie­le in vier­fa­cher Hin­sicht: ethisch als ver­ant­wor­te­te Frei­heits- und Demo­kra­tie­bil­dung; ratio­nal als ver­nunft- und wis­sen­schafts­ge­lei­te­te Selbst-Kor­rek­tur; ästhe­tisch als erleb­nis- und reso­nanz­ba­sier­te Per­sön­lich­keits­bil­dung; exis­ten­ti­ell als Sinn- und Dia­log­pra­xis in offe­nen Ent­wick­lungs­räu­men.

Das jewei­li­ge Prin­zip der Ams­ter­da­mer Erklä­rung 2022 (sie­he aus­ge­führt im Anhang) wird in einem Satz stark zusam­men­ge­fasst dar­ge­stellt und anschlie­ßend wer­den die zen­tra­len Aus­sa­gen des Prin­zips mit Ent­wick­lungs­ori­en­tier­ter Bil­dung ver­bun­den und es wird auf­ge­zeigt, wie die huma­nis­ti­sche Per­spek­ti­ve und Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung zusam­men­ge­hen. Die Con­clu­sio run­det den Bei­trag ab.

Erstes Prinzip:
Humanismus ist ethisch – die Verantwortung des Menschen für das Gelingen des Lebens in Freiheit

Das ers­te Prin­zip der Ams­ter­da­mer Erklä­rung meint wohl „das Gute“, wenn deut­lich gemacht wird, dass Huma­nis­mus anstrebt, ethisch zu sein. „Ethisch“ dürf­te hier ver­stan­den wer­den als reflek­tiert mora­lisch han­delnd, also als ein Han­deln nach Mora­len, wel­che nach Hüb­ner „das Gute“ anstre­ben, ver­bun­den mit einem bewuss­ten Umgang mit Wer­ten (2024). Wenn die Ams­ter­da­mer Erklä­rung das meint – und davon ist aus­zu­ge­hen –, dann kann sich die­sem erstre­bens­wer­ten Ansin­nen die Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung beden­ken­los anschlie­ßen: gute Bil­dung, also Bil­dung mit Pas­sung zu den Men­schen zu fin­den, dürf­te eines der Haupt­an­lie­gen der Arbei­ten zu einem neu­en Bil­dungs­pa­ra­dig­ma sein, die sich die Frei­heit nimmt, „alte“ und „neue“ Bil­der von Bil­dung zu ver­ei­nen.

Das Ansin­nen nach größt­mög­li­cher Frei­heit wird bereits in der Ora­tio des Renais­sance­phi­lo­so­phen Gio­van­ni Pico del­la Miran­do­la deut­lich, der den Men­schen, mit­ten in die Welt gestellt, als einen For­mer und einen Bild­ner (plas­tes et fic­tor) sei­ner selbst bezeich­net (1486/1997, S. 9). Der Mensch bei Pico „unter­stellt“ sich dem frei­en Wil­len, will hei­ßen: Mensch kann nicht ein­fach tun, was er will, son­dern Mensch hat die­sen frei­en Wil­len durch andau­ern­de Arbeit an sich selbst, durch Refle­xi­on (Nach­den­ken über sich selbst), Nach­den­ken über ande­re und ande­res und Rück­mel­dun­gen von außen (vgl. Stal­der 2025) zu prü­fen. Das nimmt Pico in der For­mu­lie­rung „dir selbst dei­ner Natur bestim­men“ (ebd.) auf: ein Umgang mit einer sol­chen Offen­heit erfor­dert unwei­ger­lich eigen­stän­di­ges Den­ken und Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung (vgl. Heuß­in­ger 2025). Das Mensch­li­che ist uns auf­ge­ge­ben – es ist eine Ent­wick­lungs­auf­ga­be für den Men­schen.

Der Umgang mit die­ser Offen­heit ist eine gro­ße Auf­ga­be, eine, so mein Gedan­ke aus sozi­al­päd­ago­gi­scher und bil­dungs­prak­ti­scher Per­spek­ti­ve, an die Men­schen her­an­ge­führt wer­den müs­sen: Dafür benö­ti­gen Men­schen Lern­ge­le­gen­hei­ten, wel­che die­se Frei­heit ermög­li­chen (eigent­lich sind es Zumu­tun­gen im dop­pel­ten Wort­sinn) und gleich­zei­tig die Sicher­heit, dass sie gut dar­in beglei­tet sind. Carl Rogers hat das ein­mal ganz tref­fend und sehr ein­gän­gig in sei­ner päd­ago­gi­schen Beschäf­ti­gung in sei­nem Werk Ler­nen in Frei­heit beschrie­ben und defi­niert ein sol­ches Ler­nen als „signi­fi­kan­tes Ler­nen“ (1974). Im 21. Jahr­hun­dert kommt wohl hin­zu, dass Umgang mit Offen­heit kei­ne Wahl mehr ist: „Die Welt ist aus den Fugen“, schreibt der Sozio­lo­ge Ulrich Beck (2016, S. 1). Wir leben in einer Zei­ten­wen­de, viel­leicht sogar in einer von nie dage­we­se­nem Aus­maß; das erfor­dert ein gro­ßes Maß an Offen­heit für die anste­hen­den Wand­lungs­pro­zes­se. Gera­de in die­ser aus den Fugen gera­te­nen Welt braucht Bil­dung For­ma­te, die Men­schen in ihrer Ent­wick­lung als Per­son, ihrer Ori­en­tie­rungs­fä­hig­keit und Urteils­kraft stär­ken – und genau das kann Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung ver­stärkt leis­ten.

Sol­che Ideen fan­den bereits im 20. Jahr­hun­dert prak­ti­sche Umset­zung, etwa in Sum­merhill: Schon ab 1921 beschreibt Alex­an­der S. Neill (1968) sei­ne Schu­le in der­sel­ben Geis­tes­hal­tung, doku­men­tiert sei­ne Erfah­run­gen akri­bisch und bil­det in sei­nem Werk nebst den päd­ago­gi­schen Erkennt­nis­sen auch die erstaun­lich wohl­wol­len­den Berich­te der Schul­auf­sichts­be­hör­de ab. Erfah­run­gen mit Ler­nen in Frei­heit spie­geln sich auch in aktu­el­len Schul­ent­wick­lungs­ar­bei­ten wider, die mit Fokus der Ent­wick­lungs­ori­en­tie­rung in man­nig­fal­ti­ger Art und Wei­se bei Burk & Stal­der (2022; 2023) ganz prak­tisch beschrie­ben wer­den.

Eben weil Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung auf Wis­sen, Kom­pe­ten­zen und Ent­wick­lung als Per­son oder Mensch abzielt (und nicht nur auf eine oder zwei die­ser Aspek­te), ist sie nebst ande­rem Ver­nunft­ler­nen, Per­sön­lich­keits­bil­dung und Sozia­les Ler­nen. Maß­ga­be dafür ist das Mensch­li­che selbst. Der römi­sche Komö­di­en­dich­ter Terenz hat dies mit sei­nem Vers „Ich bin ein Mensch, nichts Mensch­li­ches, denk ich, ist mir fremd“ (Ter­en­ti­us, ca. 165 v. Chr./2012, V. 77) für die Ewig­keit fest­ge­hal­ten; vie­len Humanist:innen ist die For­mu­lie­rung geläu­fig (vgl. Bake­well, 2024).

Indem Men­schen ler­nen, sich selbst zu bestim­men, ler­nen sie zugleich, ihr Han­deln auf das Gemein­sa­me hin zu ver­ant­wor­ten. In der Ler­nen­den­zen­trie­rung, ihrer Offen­heit gegen­über Ent­wick­lungs­pro­zes­sen, dem Umgang mit Nicht­wis­sen, dem Anspruch, „wei­ter­kom­men als Mensch“ in Ver­bun­den­heit und Nach­hal­tig­keit mit sich selbst, mit Lern- und Ent­wick­lungs­ge­mein­schaf­ten und mit Welt (vgl. Arn & Stal­der 2025) nimmt Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung die Bestre­bun­gen eines moder­nen Huma­nis­mus als einer Für­sor­ge­pflicht für die gesam­te Mensch­heit und künf­ti­ge Gene­ra­tio­nen ganz pas­send auf. Denn: Wenn nach dem frü­hen Sart­re (1946/2000) der Mensch erst zum Men­schen wer­den muss („die Essenz folgt der Exis­tenz“), dann könn­te hier gefol­gert wer­den: Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung ist das For­mat, wel­ches das Wer­den, in dem es im Huma­nis­mus geht, ermög­licht (Bar­dill, per­sön­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on, 14. Juli 2025). Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung strebt größt­mög­li­che Frei­heit für alle Men­schen an – auch im Ler­nen, wie wir fest­ge­stellt haben. Sie sucht aller­dings die Ent­fal­tung aller im Ein­klang mit allen und ach­tet kon­se­quent dar­auf, dass die Frei­heit des Ein­zel­nen mit den Rech­ten der ande­ren ver­ein­bar bleibt. Das wird u. a. deut­lich an zwei Cha­rak­te­ris­ti­ka Ent­wick­lungs­ori­en­tier­ter Bil­dung: Sie ist einer­seits per­son­nah (und zielt dar­über schon auf Begeg­nung) und ande­rer­seits sind Bezie­hun­gen zwi­schen Leh­ren­den und Ler­nen­den essen­zi­ell (vgl. Arn & Stal­der 2025); zwei Gelin­gens­be­din­gun­gen für prin­zi­pi­ell offe­ne Ent­wick­lungs­pro­zes­se in der Per­sön­lich­keits­bil­dung.

Huma­nis­ti­sche Bil­dung ist – in die­ser lan­gen abend­län­di­schen Kul­tur­tra­di­ti­on ste­hen wir – Demo­kra­tie­bil­dung. Sie ori­en­tiert sich an uni­ver­sel­len Men­schen- und Bür­ger­rech­ten – und eben­so an Men­schen­pflich­ten (hier­zu aus­führ­lich Ass­mann, 2018). Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung nimmt das im Sozia­len Ler­nen kon­kret auf (Stal­der, 2022; Stal­der et al. 2023), lehnt Ungleich­heit und Unge­rech­tig­keit ent­schie­den ab und stellt sich aktiv dage­gen. „Bil­dung ist Ent­wick­lung und Befrei­ung“, schreibt der Sozio­lo­ge Ueli Mäder und for­dert in sei­ner Aus­ein­an­der­set­zung mit Ent­wick­lungs­ori­en­tier­ter Bil­dung, dass Bil­dung als wesent­li­che Kate­go­rie der Neu­zeit ein­sei­ti­ge Abhän­gig­kei­ten auf­bricht und mate­ri­el­len Aus­gleich her­stellt (2022, S. 12). Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung stärkt sozia­le Kom­pe­ten­zen, stärkt Men­schen in ihrer Viel­falt und Indi­vi­dua­li­tät und för­dert das Gemein­schaft­li­che: Zivi­li­tät und Sozia­li­tät (vgl. Stal­der 2022; Mäder 2022). Sie ver­bin­det per­sön­li­che Frei­heit mit gesell­schaft­li­cher Ver­ant­wor­tung, die auf ein Leben in Frei­heit zielt.

Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung bezieht also Mit­welt und Umwelt mit ein. Sie denkt den Men­schen als Teil des Lebens­gan­zen. In die­ser Per­spek­ti­ve wird Bil­dung zur Mit-Welt­bil­dung – zur nach­hal­ti­gen, auf wech­sel­sei­ti­ge Für­sor­ge ange­leg­ten Gestal­tung des Zusam­men­le­bens mit Men­schen, Tie­ren, Öko­sys­te­men. In der Ent­wick­lungs­ori­en­tier­ten Bil­dung ler­nen und ent­wi­ckeln sich alle, Leh­ren­de und Ler­nen­de – eben weil die grund­sätz­li­che Offen­heit sol­che Pro­zes­se erst ermög­licht.

In der umfas­sen­den, gegen­sei­ti­gen Für­sor­ge­pflicht und den zuge­stan­de­nen Frei­hei­ten fin­den die moder­ne Auf­fas­sung des Huma­nis­mus und Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung eine gros­se Schnitt­men­ge. Wer sich bil­det, über­nimmt Ver­ant­wor­tung: Der Moder­ne Huma­nis­mus und Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung ver­ste­hen die­se Ver­ant­wor­tung als mora­li­schen Auf­trag. Nur bedarf es auch der Werk­zeu­ge dazu, ansons­ten bleibt die For­de­rung nur ein Pos­tu­lat auf einem gedul­di­gen Stück Papier. Hier leis­tet Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung einen kon­kre­ten Rea­li­sie­rungs­bei­trag. Sie kon­kre­ti­siert damit, was die huma­nis­ti­sche Ethik for­dert und über­setzt das Ide­al ver­ant­wor­te­ter Frei­heit in päd­ago­gi­sches Han­deln. In ihr wird Ethik zur Pra­xis – als all­täg­li­che Arbeit am Mensch­li­chen in einer offe­nen, ler­nen­den Welt.

Zweites Prinzip:
Humanismus ist rational – Denken in Freiheit: Erkenntnis durch Vernunft und Zweifel

Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung ist ratio­nal im bes­ten Sin­ne: Sie ver­traut auf Erkennt­nis­fä­hig­keit, auf Dia­log, auf den kri­ti­schen Gebrauch des eige­nen Ver­stan­des – auf die Ver­nunft, wenn man so will. Der Huma­nis­mus betont die­se Ver­nunft immer wie­der; schon Pico del­la Miran­do­la stellt in der bereits zitier­ten Ora­tio fest, dass nichts bewun­derns­wer­ter sei als der Mensch, weil er durch sei­ne Ver­nunft fähig sei, aus sich selbst zu machen, was er wol­le (1486/1997).

Wenn die Ams­ter­da­mer Erklä­rung mit dem Begriff „ratio­nal“ die­se Ver­nunft meint, dann kann sich Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung dem anschlie­ßen – wohl kein ande­res Bil­dungs­pa­ra­dig­ma wür­de das nicht tun. Aller­dings: Ler­nen in Offen­heit gelingt allein mit der Ver­nunft nicht, wenn die­se nur ratio meint. „Ratio­nal“ kann im engen Sinn ver­stan­des­be­zo­gen hei­ßen, im erwei­ter­ten huma­nis­ti­schen Sinn aber auch die Fähig­keit zur Refle­xi­on, zum Zwei­fel und zum Mit­ge­fühl ein­schlie­ßen. Als Gegen­stück zum Ratio­na­len könn­ten wir heu­te das Emo­tio­na­le ver­ste­hen. Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung ist dann gute Bil­dung, wenn mir die­ses oder jenes sowohl ratio­nal ein­leuch­tet (oder eben nicht und damit zu klä­ren wäre, wie nun damit zu ver­fah­ren ist) oder sich mir etwas emo­tio­nal ganz deut­lich zeigt und ich es nicht mit dem Ver­stand erfas­sen kann, aber eben mit mei­nen Gefüh­len deut­lich wahr­neh­me. Gera­de in offe­nen Bil­dungs­pro­zes­sen ist die­ses Gefühl bedeut­sam, weil es dort Ori­en­tie­rung bie­tet, wo ratio­na­le Sicher­hei­ten noch nicht bestehen. Ratio­na­li­tät heißt hier: Selbst­kor­rek­tur durch Zwei­fel, Dia­log und Evi­denz – nicht Ratio gegen Gefühl, son­dern Ver­nunft mit Empa­thie.

In der Pra­xis zeigt sich das Wech­sel­spiel zwi­schen ratio­na­ler und emo­tio­na­ler Ori­en­tie­rung in beson­de­rer Wei­se. Unter­richt wird geplant, struk­tu­riert und ziel­ge­rich­tet (ratio­nal), im Moment des Gesche­hens jedoch durch Wahr­neh­mung, Reso­nanz und situa­ti­ve Anpas­sung (emo­tio­nal) wei­ter­ent­wi­ckelt. Umge­kehrt kön­nen in Bera­tungs­si­tua­tio­nen intui­ti­ve Impul­se (emo­tio­nal) den Aus­gangs­punkt für reflek­tier­tes und metho­disch begrün­de­tes Han­deln (ratio­nal) bil­den. „Mensch­lich“ zu han­deln heißt in die­sem Sin­ne, bei­de Dimen­sio­nen als sich ergän­zen­de Zugän­ge zu ver­ste­hen – ein zen­tra­les Ver­bin­dungs­mo­ment zwi­schen Huma­nis­mus und Ent­wick­lungs­ori­en­tier­ter Bil­dung.

Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung stellt sich den Her­aus­for­de­run­gen unse­rer Zeit – von öko­lo­gi­schen Kri­sen über digi­ta­le Trans­for­ma­tio­nen bis hin zu sozia­len Frag­men­tie­run­gen – mit den bes­ten Werk­zeu­gen, die uns zur Ver­fü­gung ste­hen: Wis­sen­schaft, freie For­schung, begrün­de­te Urteils­bil­dung und Selbst­kor­rek­turme­cha­nis­men. Dabei weiß sie: Wis­sen­schaft zeigt uns das Wie, nicht das Wozu. Der Huma­nis­mus lie­fert das Wer­te­fun­da­ment, auf dem ganz­heit­li­che Bil­dungs­pro­zes­se gedei­hen kön­nen. Ganz­heit­li­che Bil­dung bedeu­tet hier: Wis­sen, Kön­nen und Ent­wick­lung wer­den glei­cher­ma­ßen geför­dert. Bil­dung bleibt dabei nicht bei Fak­ten ste­hen. Sie fragt nach Sinn­zu­sam­men­hän­gen, nach Anwend­bar­keit, nach Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten. Sie denkt Ent­wick­lung als eigen­stän­di­ge Mög­lich­keit des Selbst- und Welt­be­zugs. Sie stellt das Wohl­erge­hen der Mensch­heit ins Zen­trum – nicht das Inter­es­se ein­zel­ner Grup­pen, Tech­no­lo­gien oder Sys­te­me.

Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung steht Tech­no­lo­gien offen gegen­über – aber nicht bedin­gungs­los. Sie fragt danach, ob die­se dem Men­schen die­nen oder ihn ent­mün­di­gen. Sie bewer­tet Inno­va­tio­nen nicht nur nach ihrem Nut­zen, son­dern nach ihrem Bei­trag zu einem gelin­gen­de­ren Leben für alle. Sie macht sich damit zur Anwäl­tin einer ver­nunft­ge­lei­te­ten, men­schen­ge­rech­ten Zukunfts­ge­stal­tung – ist also Denk­raum für Welt­ge­stal­tung. Und sie wen­det Ent­wick­lungs­ori­en­tie­rung rekur­siv auf sich selbst an (vgl. Arn & Munsch, 2022b), um all dies ein­zu­lö­sen.

Damit leis­tet sie einen wei­te­ren Rea­li­sie­rungs­bei­trag für Huma­nis­mus und huma­nis­ti­sche Bil­dung. Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung ist ratio­nal, weil sie Ver­nunft als Fähig­keit zur Selbst­kor­rek­tur ver­steht – im Den­ken wie im Han­deln. Sie ver­traut auf Zwei­fel, Dia­log und Erkennt­nis als Moto­ren mensch­li­cher Ent­wick­lung und hält damit das Ver­spre­chen des Huma­nis­mus leben­dig.

Drittes Prinzip
Humanismus ist ästhetisch – das Streben nach Sinn, Schönheit und Erkenntnis im Menschsein

Dass die Küns­te Per­sön­lich­keit bil­den, davon geht die Päd­ago­gik wohl schon lan­ge aus. Die geis­tes­ge­schicht­li­che Grund­la­ge für die bil­den­de Kraft der Küns­te liegt im Men­schen­bild des Renais­sance-Huma­nis­mus. Die­ser stell­te die Ent­fal­tung des Indi­vi­du­ums ins Zen­trum und for­mu­lier­te das Leit­bild des Uomo Uni­ver­sa­le – des all­sei­tig gebil­de­ten Men­schen, der sei­ne intel­lek­tu­el­len, künst­le­ri­schen und phy­si­schen Fähig­kei­ten zur höchs­ten Voll­endung bringt. Die­ses Ide­al, das auf der har­mo­ni­schen Ent­wick­lung aller mensch­li­chen Poten­zia­le basiert, ver­steht die künst­le­ri­sche Tätig­keit nicht als iso­lier­te Fer­tig­keit, son­dern als inte­gra­len Bestand­teil eines umfas­sen­den Bil­dungs­pro­zes­ses (vgl. Bur­ck­hardt, 1860). Das Bil­dungs­pro­gramm, das die­sem Ide­al dien­te, waren die Stu­dia Huma­ni­ta­tis: Die­ser klar defi­nier­te Fächer­ka­non aus Gram­ma­tik, Rhe­to­rik, Poe­sie, Geschich­te und Moral­phi­lo­so­phie galt, basie­rend auf der Lek­tü­re anti­ker Autoren, als essen­zi­el­les Instru­ment zur Kul­ti­vie­rung von Tugend und zur umfas­sen­den ethi­schen For­mung des Cha­rak­ters (Kristel­ler, 1961).

Die­se huma­nis­ti­sche Grund­über­zeu­gung, dass ästhe­ti­sche Bil­dung Per­sön­lich­keits­bil­dung ist, erfährt in der Gegen­wart empi­ri­sche Bestä­ti­gung, wenn auch unter ande­ren epis­te­mi­schen Vor­zei­chen. Im deut­schen Idea­lis­mus wird sie sys­te­ma­tisch wei­ter­ge­führt: Fried­rich Schil­ler pos­tu­liert in sei­nen Brie­fen über die ästhe­ti­sche Erzie­hung des Men­schen, dass die genu­in mensch­li­che Frei­heit erst durch die Kunst zu erlan­gen sei – die „Kunst ist die Toch­ter der Frey­heit“ (Schil­ler, 1795/2009, S. 65). Sei­ner Ana­ly­se nach befin­det sich der Mensch in einem Span­nungs­feld zwi­schen einem sinn­li­chen „Stoff­trieb“ und einem ratio­na­len „Form­trieb“. Erst im „Spiel­trieb“, der sich in der zweck­frei­en ästhe­ti­schen Erfah­rung mani­fes­tiert, gelingt die har­mo­ni­sche Syn­the­se die­ser bei­den wider­strei­ten­den Kräf­te. Die ästhe­ti­sche Erzie­hung ist für Schil­ler die Vor­aus­set­zung zur Aus­bil­dung eines mora­lisch auto­no­men Cha­rak­ters und somit zur Ver­wirk­li­chung poli­ti­scher Frei­heit (Schil­ler, 1795/2009 S. 59ff.).

Wil­helm von Hum­boldt kon­zi­piert schließ­lich sein neu­hu­ma­nis­ti­sches Bil­dungs­ide­al, das auf „die höchs­te und pro­por­tio­nier­lichs­te Aus­bil­dung aller mensch­li­chen Kräf­te zu einem Gan­zen“ abzielt (Hum­boldt, 1793/1960, S. 64). Für die­se ganz­heit­li­che Ent­fal­tung der Indi­vi­dua­li­tät ist die künst­le­risch-ästhe­ti­sche Betä­ti­gung kon­sti­tu­tiv. Sie lie­fert die not­wen­di­ge „Man­nig­fal­tig­keit der Situa­tio­nen“ (ebd.), indem sie die Ein­bil­dungs­kraft sti­mu­liert, die Wahr­neh­mung dif­fe­ren­ziert und den Men­schen über die Gren­zen sei­ner unmit­tel­ba­ren Lebens­welt hin­aus­führt. Die Beschäf­ti­gung mit der Kunst wird so zu einem unver­zicht­ba­ren Instru­ment, um die inne­ren Kräf­te des Indi­vi­du­ums zu wecken und zu einer kohä­ren­ten Per­sön­lich­keit zu for­men (ebd.).

Auf die­ser Linie lie­gen gegen­warts­na­he empi­ri­sche Befun­de, die die­se huma­nis­ti­schen Annah­men stüt­zen: Schau­spiel- und Thea­ter­ar­beit stei­gern Empa­thie und Theo­ry of Mind (Gold­stein & Win­ner, 2012). Struk­tu­rier­ter Musik­un­ter­richt ver­bes­sert ins­be­son­de­re die Inhi­bi­ti­ons­kon­trol­le als Kern exe­ku­ti­ver Funk­tio­nen; eine aktu­el­le Meta-Ana­ly­se berich­tet hier­für mode­rat bis gro­ße Effek­te in ran­do­mi­sier­te, kon­trol­lier­te Stu­di­en (RCTs) und ins­ge­samt klei­ne bis mode­ra­te Effek­te über Designs hin­weg (Jamey, Fos­ter, Hyde, & Dal­la Bel­la, 2024; vgl. Rodrí­guez-Gómez et al., 2022). Bereits ein kura­tier­ter Muse­ums­be­such kann kri­ti­sches Den­ken, his­to­ri­sche Empa­thie und Tole­ranz erhö­hen (Gree­ne, Kisi­da, & Bowen, 2014); sequen­zier­te, über das Schul­jahr ver­teil­te Kul­tur-Exkur­sio­nen stei­gern Tole­ranz und Kul­tur­teil­ha­be nach­hal­tig (Erick­son, Wat­son, & Gree­ne, 2024). Visu­el­le-Kunst-Pro­gram­me füh­ren dann zu sozio-emo­tio­na­len Zuge­win­nen, wenn sie expli­zi­te Zie­le sozi­al-emo­tio­na­len Ler­nens (SEL) ver­fol­gen und ent­spre­chen­de Auf­ga­ben­for­ma­te ent­hal­ten; rein kunst­his­to­ri­sche Kur­se zei­gen die­se Effek­te nicht (Kast­ner, Umbach, Jusy­te, Klein, & Ger­jets, 2021). Ein groß ange­leg­te clus­ter-ran­do­mi­sier­te, kon­trol­lier­te Stu­die (Clus­ter-RCT) in 42 Schu­len weist zudem nach, dass ein sys­te­ma­ti­scher Aus­bau arts-basier­ter Lern­ge­le­gen­hei­ten Dis­zi­pli­nar­ver­stö­ße senkt, Schreib­leis­tung ver­bes­sert und Empa­thie wie Enga­ge­ment erhöht (Bowen & Kisi­da, 2023).

Die Fra­ge, wie stark die­se Effek­te tat­säch­lich in Per­sön­lich­keits­merk­ma­len ver­an­kert sind, ist empi­risch noch offen, doch ers­te Stu­di­en zei­gen deut­li­che Zusam­men­hän­ge zwi­schen Arts Edu­ca­ti­on und per­sön­lich­keits­na­hen Kon­struk­ten: Empa­thie und Per­spek­tiv­über­nah­me (Thea­ter), Inhi­bi­ti­ons­kon­trol­le und Selbst­re­gu­la­ti­on (Musik), Tole­ranz, kri­ti­sches Den­ken und his­to­ri­sche Empa­thie (Muse­ums- und Thea­ter­be­su­che) sowie schu­li­sches Enga­ge­ment und Dis­zi­plin, wenn arts-basier­te Lern­ge­le­gen­hei­ten sys­te­ma­tisch ver­an­kert wer­den (Gold­stein & Win­ner, 2012; Grosz et al. (2022), Jamey et al., 2024; Gree­ne et al., 2014; Bowen & Kisi­da, 2023; Erick­son et al., 2024).

Aktu­el­le Rah­men­do­ku­men­te bestä­ti­gen die­se Befun­de und kon­kre­ti­sie­ren die Bedin­gun­gen gelin­gen­der Wir­kung: Das OECD-Review Art for Art’s Sake? rät von pau­scha­len Trans­fer­be­haup­tun­gen ab und ver­weist dar­auf, dass robus­te Effek­te vor allem in-domain auf­tre­ten oder dort, wo Lern­zie­le, Auf­ga­ben­ar­chi­tek­tur und Dosis didak­tisch stim­mig aus­ge­legt sind – „Kunst wirkt“ ist dem­nach design-sen­si­tiv und kein Auto­ma­tis­mus (Win­ner, Gold­stein, & Vin­cent-Lan­crin, 2013). Der UNESCO Frame­work for Cul­tu­re and Arts Edu­ca­ti­on (2024) ver­an­kert Kul­tur- und Küns­te-Bil­dung als Bestand­teil ganz­heit­li­cher Bil­dung und kul­tu­rel­ler Teil­ha­be über die Lebens­span­ne, betont sys­te­mi­sche Koope­ra­tio­nen zwi­schen Schu­le, Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen und Zivil­ge­sell­schaft sowie par­ti­zi­pa­ti­ve, refle­xi­ve Lern­for­men – und stärkt damit genau jene Gestal­tungs­prin­zi­pi­en, die auch die Empi­rie als wirk­sam aus­weist. Damit zei­gen bei­de: Kunst wirkt dort, wo sie ent­wick­lungs­ori­en­tiert gestal­tet ist – also dia­lo­gisch, refle­xiv, pro­zes­su­al.

In der geis­tes­ge­schicht­li­chen Grund­hal­tung des Huma­nis­mus fin­det die Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung, die­ser Gedan­ke ist neu, ihre Behei­ma­tung – sie kann bei den Aus­füh­run­gen des drit­ten Prin­zips anschlie­ßen und in kon­kre­ten Bil­dungs­an­ge­bo­ten, gleich wel­cher Art, kon­kre­te Anschlüs­se fin­den.

Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung erwei­tert die Kom­pe­tenz­ori­en­tie­rung um eine drit­te, oft ver­nach­läs­sig­te Dimen­si­on: die Ent­wick­lung der Per­son. Sie ver­steht „Future Skills“ nicht pri­mär als trai­nier­ba­re Fer­tig­kei­ten, son­dern als per­sön­lich­keits­na­he Merk­mals­bün­del (etwa Krea­ti­vi­tät, Offen­heit, Urteils­fä­hig­keit), die in län­ge­ren, ergeb­nis­of­fe­nen Ent­wick­lungs­pro­zes­sen ent­ste­hen (Arn et al. 2025). Ange­sichts rapi­der tech­no­lo­gi­scher und gesell­schaft­li­cher Dyna­mi­ken (VUCA/BANI) und wach­sen­der Hete­ro­ge­ni­tät der Ler­nen­den braucht es ler­nen­den­zen­trier­te Arran­ge­ments mit struk­tu­rier­ten Räu­men für Selbst­steue­rung – Gleich­schritt-Didak­ti­ken ver­lie­ren an Plau­si­bi­li­tät (ebd.). Didak­tisch folgt dar­aus eine Hal­tung der Ergeb­nis­of­fen­heit und eine Hin­schau- bzw. Prä­senz-Didak­tik: Leh­ren­de beglei­ten Pro­zes­se, beob­ach­ten dif­fe­ren­ziert und set­zen geziel­te Impul­se, statt Inhal­te zu ver­mit­teln (sie­he dazu z.B. Stal­der et al., 2023). Ent­wick­lungs­fort­schrit­te wer­den wahr­schein­li­cher, wo kogni­ti­ve Irri­ta­tio­nen und Wider­sprü­che als Lern­an­läs­se genutzt wer­den (Pia­get, 1964; Flam­mer, 2017), wo Empa­thie, bedin­gungs­lo­se posi­ti­ve Zuwen­dung und Kon­gru­enz als pro­fes­sio­nel­le Grund­hal­tun­gen prak­ti­ziert wer­den (Rogers, 1974; 2021), und wo Ler­nen­de Neu­es oder Frem­des real erfah­ren – auch außer­halb klas­si­scher Lern­räu­me (Arn et al. 2025). Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung wird so selbst zum Medi­um von Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung – und Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung wie­der­um zum Prüf­stein eines erwei­ter­ten Bil­dungs­ver­ständ­nis­ses.

Ein erfüll­tes Leben ent­steht nicht durch blo­ße Funk­tio­na­li­tät, son­dern durch Sinn, Krea­ti­vi­tät und Ver­bun­den­heit. Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung huma­nis­ti­scher Prä­gung erkennt die­sen Anspruch an: Sie för­dert Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung lebens­lang; die krea­ti­ve Lebens­füh­rung ver­steht sie als Pro­zess, in dem sich Men­schen selbst bil­den und dabei nach Maß­ga­be pas­send beglei­tet wer­den. Mehr noch: Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung ori­en­tiert sich am Anspruch, Men­schen zu krea­ti­ver Bür­ger­schaft (crea­ti­ve citi­zen­ship) zu befä­hi­gen – eine krea­ti­ve Klas­se, die kei­ne Eli­te ist, son­dern kos­mo­po­li­ti­sche Weltbürger:innen her­vor­bringt, Bürger:innen, die ler­nen, lokal und glo­bal zugleich zu den­ken (Beck, 2016; Stal­der, (im Druck); Wag­ner, (im Druck)).

Die Quel­len indi­vi­du­el­ler Freu­de sind kei­ne Neben­sa­che, son­dern Aus­druck geleb­ter Huma­ni­tät. Künst­le­ri­sche Krea­ti­vi­tät, ästhe­ti­sche Erfah­rung, kör­per­li­cher Aus­druck, gemein­sa­mes Spiel, Freund­schaft und Leis­tung – all das sind zen­tra­le Bil­dungs­fel­der. Die Ent­de­ckung des Schö­nen in Welt und Mensch ist ein Bil­dungs­recht. Wer sieht, was schön ist, sieht auch, was geschützt, gestal­tet, geteilt wer­den soll­te.

Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung macht neu­es Wis­sen nicht nur zugäng­lich – sie ver­knüpft es mit Erfah­rung, mit Empa­thie, mit Urteils­kraft. Sie för­dert nicht nur das Ler­nen, son­dern auch das Ver­ler­nen von Vor­ur­tei­len. Sie lädt ein zur Vor­stel­lung davon, wie die Welt auch sein könn­te. Bil­dung wird damit zu einem Raum der Mög­lich­kei­ten, zu einem Ort erfüll­ter Welt­be­geg­nung. Das Stre­ben nach Wis­sen führt in einer meta­mor­pho­sie­ren­den Welt zu einer Neu­de­fi­ni­ti­on des Ler­nens: Wer­den tra­di­tio­nel­le Wahr­hei­ten brü­chig, wer­den kri­ti­sches Den­ken und das Hin­ter­fra­gen des Bestehen­den wie­der zen­tral (vgl. Beck, 2016). Ist das viel­leicht eine Eigen­heit von Zei­ten­wen­den? Auch hier las­sen sich Par­al­le­len zum Renais­sance-Huma­nis­mus fin­den. Viel­leicht müs­sen wir Din­ge ent-ler­nen, um neue Zugän­ge zu neu­en Ent­wick­lun­gen zu ermög­li­chen (vgl. Arn & Stal­der, 2025).

Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung ist ästhe­tisch, weil sie im schöp­fe­ri­schen Han­deln den Men­schen in sei­ner Ganz­heit berührt. Sie ver­bin­det Den­ken, Füh­len und Gestal­ten zu einem Bil­dungs­pro­zess, in dem Sinn, Erkennt­nis und Ver­ant­wor­tung inein­an­der­grei­fen. Damit bewahrt sie das huma­nis­ti­sche Erbe – und erneu­ert es zugleich.

Viertes Prinzip
Humanismus ist existenziell – Sinn als gemeinsame Aufgabe: in Kritik, Dialog und Verantwortung

Da Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung den Pro­zess des Ler­nens, die Begeg­nung in die­sem Pro­zess und die Ent­wick­lung der Per­son in den Fokus rückt, nimmt sie die For­de­rung nach (radi­ka­ler) Neu­gier­de und Offen­heit in sich auf. Sie ver­steht sich als eine Bil­dung, die sich selbst befragt – in der Pra­xis eben­so wie in der wis­sen­schaft­li­chen Refle­xi­on. Ihre eige­ne Posi­ti­on bleibt nicht dog­ma­tisch, son­dern dia­lo­gisch: Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung ist bereit, sich selbst infra­ge zu stel­len. Der Pur­po­se der Hoch­schu­le für agi­le Bil­dung, „Wir ver­bin­den so, dass Ent­wick­lung spielt“ (Munsch, 2022), bringt dies prä­gnant zum Aus­druck und lässt Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung als Ein­la­dung zum Dia­log ver­ste­hen. Die­se Ein­la­dung gilt nicht nur für die insti­tu­tio­na­li­sier­te Bil­dung, son­dern eben­so für alle Lern­kon­tex­te, in denen Men­schen sich ent­wi­ckeln. In for­mel­len, nicht-for­mel­len und infor­mel­len Bil­dungs­räu­men sind Ent­wick­lungs­pro­zes­se allent­hal­ben vor­han­den – teils sogar zen­tral: etwa in der Kin­der­be­treu­ung, der Jugend­ar­beit oder im all­täg­li­chen Leben ler­nen. Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung kann sich daher per­spek­ti­visch für alle Bil­dungs­land­schaf­ten öff­nen (vgl. Rau­schen­bach et al., 2004; BMFSFJ, 2005) und bleibt damit breit anschluss­fä­hig.

In einer Zeit, in der reli­giö­se Dog­men, natio­na­lis­ti­sche Paro­len und zyni­scher Nihi­lis­mus glei­cher­ma­ßen um Auf­merk­sam­keit rin­gen, braucht es eine Bil­dung, die Sinn nicht ver­ord­net, son­dern ermög­licht. Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung ant­wor­tet auf die Fra­ge nach dem „Wozu?“ mit einem Ange­bot: einem offe­nen, feh­ler­freund­li­chen, neu­gie­ri­gen Zugang zur Welt. Sie kennt kei­ne Unfehl­bar­keit – dafür aber die Kraft des Umden­kens, des Neu- und Ent­ler­nens. Sie kul­ti­viert Wan­del, statt ihn zu fürch­ten.

„Ent­wick­lungs­ori­en­tie­rung ist für mich des­halb der Para­dig­men­wech­sel, den es braucht, wenn Schu­len so gestal­tet wer­den sol­len, dass Lern­erfah­run­gen zu den Bedürf­nis­sen der Schüler:innen pas­sen“, schreibt Wampf­ler (2025, 1. April) und betont, dass es in Lehr- und Lern­pro­zes­sen wesent­lich um Sinn gehen muss – und dass dafür Wis­sen, Kön­nen und Ent­wick­lung mit­ein­an­der in Dia­log zu brin­gen sind, sodass sie sich gegen­sei­tig beein­flus­sen. Sinn ent­steht also nicht addi­tiv, son­dern in der Wech­sel­wir­kung die­ser drei Dimen­sio­nen. Die For­de­rung der Ams­ter­da­mer Erklä­rung nach Sinn schlägt sich damit auch im all­täg­li­chen Bil­dungs­han­deln nie­der: in der Sinn­fra­ge des Ler­nens selbst (Wozu soll ich das ler­nen?), die in der Ent­wick­lungs­ori­en­tier­ten Bil­dung bewusst auf­ge­nom­men und wei­ter­ge­führt wird.

Ist eine huma­nis­ti­sche Welt­sicht und ein huma­nis­ti­sches Enga­ge­ment für demo­kra­ti­sie­ren­de Gesell­schaf­ten und Men­schen­rech­te in Zei­ten tief­grei­fen­den Wan­dels nicht naiv? Auch Thiersch (2020) fragt für die Sozia­le Arbeit ange­sichts zukünf­ti­ger Bedro­hun­gen dazu kri­tisch: „Trägt die­se Erwar­tung?“ (S. 198). Nun, es war Camus, der uns vor­schlug, uns Sisy­phos als einen glück­li­chen Men­schen vor­zu­stel­len (1950/2004, S. 159). Und es ist – Thiersch fol­gend – Auf­ga­be des Men­schen, trot­zig huma­nis­tisch an der Gestal­tung der Welt in Soli­da­ri­tät und Frei­heit mit­zu­wir­ken: Huma­nis­mus als Plä­doy­er für eine Arbeit hin zum Gelin­gen­de­ren, „im Hori­zont des Pro­jekts einer sich demo­kra­ti­sie­ren­den Welt­ge­sell­schaft, bei der Arbeit im Hori­zont der Inspi­ra­ti­on und Visi­on der Men­schen­rech­te als kon­kre­ter Uto­pie“ (Thiersch, 2020, S. 199). Sinn ent­steht dort, wo Men­schen sich trotz Wid­rig­keit und End­lich­keit auf Gestal­tung ein­las­sen – dar­in liegt die exis­ten­zi­el­le Dimen­si­on des Humanismus.Nicht zufäl­lig wird hier ein Sozi­al­päd­ago­ge zitiert: Bil­dung und Sozia­le Arbeit – auch wenn sie sich im Sin­ne Thierschs begriff­lich unter­schei­den und eigen­stän­dig blei­ben sol­len – tei­len eine gemein­sa­me Ver­ant­wor­tung für Ent­wick­lung. Viel­leicht kann Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung die bei­den „Stief­ge­schwis­ter“ (Meh­rin­ger, 1968) Schul- und Sozi­al­päd­ago­gik im 21. Jahr­hun­dert neu zusam­men­füh­ren. Eine sol­che nor­ma­ti­ve Klä­rung wäre für bei­de ein ech­ter Zuge­winn.

Offen­heit – auch gegen­über einer offe­nen Zukunft – sowie Aus­tausch und Begeg­nung ste­hen im Zen­trum all des­sen. Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung wird zum Forum des Dia­logs, zur Büh­ne der Ideen­viel­falt, zum Zugang zu Nicht­wis­sen. Wer sich bil­det, begeg­net ande­ren, und sich selbst, im Gespräch. Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung ist des­halb mehr als Cur­ri­cu­lum und Kom­pe­tenz­ka­ta­log: Sie ist Such­be­we­gung, Sinn­stif­tung, Selbst­ver­ge­wis­se­rung in einer Welt, in der Gewiss­hei­ten neu ver­han­delt wer­den müs­sen, in einer Welt der „koper­ni­ka­ni­schen Wen­de 2.0“ (Beck, 2016, S. 19f.). Eine sol­che Bil­dung ruht nicht auf ewi­gen Wahr­hei­ten, sie lebt vom gemein­sa­men Rin­gen um bes­se­re Ant­wor­ten. Sie gibt kei­ne end­gül­ti­gen Ver­spre­chen – aber sie schenkt Zuver­sicht: dass wir gemein­sam gestal­ten kön­nen, dass Ver­än­de­rung mög­lich ist, dass Zukunft eine offe­ne Kate­go­rie bleibt, in der das Mensch­li­che sei­nen Ort behält und behaup­tet – auch gegen Wider­stand.

Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung ist exis­ten­zi­ell, weil sie Sinn nicht vor­gibt, son­dern gemein­sam ent­ste­hen lässt. Sie ver­wan­delt Ler­nen in ein dia­lo­gi­sches Suchen nach Bedeu­tung, das Kri­tik, Ver­ant­wor­tung und Hoff­nung ver­bin­det – und so das Mensch­li­che in der Welt bewahrt.

Conclusio

Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung ist die Pra­xis­form des moder­nen Huma­nis­mus: ethisch, weil sie Frei­heit ver­ant­wort­lich gestal­tet; ratio­nal, weil sie Den­ken in Frei­heit durch Wis­sen­schaft und Zwei­fel kul­ti­viert; ästhe­tisch, weil sie Sinn, Schön­heit und Erkennt­nis erfahr­bar macht; exis­ten­zi­ell, weil sie Sinn als gemein­sa­me Auf­ga­be begreift. So wird Ler­nen zum Gestal­ten – von Per­son, Gemein­schaft und Welt. Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung ist damit nicht Zusatz, son­dern Ermög­li­chungs­raum für Huma­ni­tät im 21. Jahr­hun­dert und als huma­nis­ti­sche Pra­xis der Gegen­wart ein ernst gemein­tes Ver­spre­chen: dass Men­schen ler­nen kön­nen, frei zu den­ken, ver­ant­wort­lich zu han­deln, empa­thisch zu leben. Dass Bil­dung mehr ist als Anpas­sung – näm­lich Aus­druck eines Ethos, das die Welt nicht hin­nimmt, wie sie ist, son­dern fragt, wie sie auch noch sein könn­te.

Die Ams­ter­da­mer Erklä­rung des Huma­nis­mus erin­nert uns dar­an, dass Wer­te wie Ver­nunft, Mit­ge­fühl, Frei­heit und Ver­ant­wor­tung kei­ne lee­ren Begrif­fe sind. Sie sind hand­lungs­lei­ten­de Prin­zi­pi­en – auch und gera­de für Bil­dung im 21. Jahr­hun­dert.

Ich rufe daher alle auf, die die­se Über­zeu­gung tei­len: Lasst uns gemein­sam eine Bil­dung gestal­ten, die Wis­sen nicht zum Selbst­zweck erhebt, son­dern zum Aus­gangs­punkt per­sön­li­cher und gesell­schaft­li­cher Ent­wick­lung. Die Kom­pe­ten­zen nicht nur trai­niert, son­dern Sinn und Ver­ant­wor­tung weckt und Men­schen befä­higt, sich selbst zu bil­den. Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Bil­dung ist huma­nis­ti­sche Bil­dung. Sie ver­bin­det Erkennt­nis mit Hal­tung. Und sie beginnt hier.

Literatur

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Zur Ent­wick­lungs­ori­en­tie­rung ist im Janu­ar das Buch „Ein taug­lich Ding – 101 Fra­gen an Ent­wick­lungs­ori­en­tie­rung“ im Beltz Ver­lag erschie­nen. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zu Ent­wick­lungs­ori­en­tier­ter Bil­dung: https://www.wortwerkbank.ch/buch

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