Tagungen in Bonn und Berlin ziehen positive Bilanz

SPD-Arbeitskreise Säkularität und Humanismus wählen neue Vorstände

| von
Willy-Brandt-Haus in Berlin
Im September fanden in Berlin und Bonn die Hauptversammlungen der Arbeitskreise Säkularität und Humanismus in der SPD auf Berliner Landesebene und auf der Bundesebene statt. Zahlreiche Mitglieder des Humanistischen Verbandes Deutschlands waren dabei.

Auf der Bun­des­ta­gung am 14. Sep­tem­ber 2024 in Bonn stan­den die Wah­len zum neu­en Bun­des­vor­stand sowie die Arbeit in 4 Work­shops im Zen­trum. The­men waren:

  • § 218 und kein Ende in Sicht?
  • Welt­an­schau­li­cher Wan­del in Schu­len – wie kom­men wir wei­ter?
  • Nicht­re­li­giö­se Seel­sor­ge in Kran­ken­häu­sern, Bun­des­wehr und Poli­zei – Umset­zungs­chan­cen?
  • Umgang mit dem poli­ti­schen Islam.

Zu Beginn wur­de ein Gruß­wort von Kata­ri­na Bar­ley, Mit­glied des Arbeits­krei­ses Säku­la­ri­tät und Huma­nis­mus und stell­ver­tre­ten­de Prä­si­den­tin des Euro­pa­par­la­men­tes, ein­ge­spielt. Dar­in beton­te sie die Not­wen­dig­keit, den vie­len kon­fes­si­ons- bzw. reli­gi­ons­frei­en Men­schen in Deutsch­land in Zukunft deut­lich mehr Teil­ha­be zu ermög­li­chen. Der Arbeits­kreis (AK) Säku­la­ri­tät und Huma­nis­mus in der SPD kön­ne dazu einen wert­vol­len Bei­trag leis­ten.

Im Rück­blick der bei­den letz­ten Jah­re konn­te eine sehr posi­ti­ve Bilanz gezo­gen wer­den. Zum einen, weil zahl­rei­che neue AKs in ver­schie­de­nen Bun­des­län­dern und Regio­nen ent­stan­den sind. Zum ande­ren, weil sich der AK auch auf dem Bun­des­par­tei­tag Ende 2023 in Ber­lin durch meh­re­re Anträ­ge und Dis­kus­si­ons­bei­trä­ge erst­mals ein star­kes Gehör ver­schaf­fen konn­te.

Nach inten­si­ven Debat­ten wur­den zwei Anträ­ge mit jeweils gro­ßer Mehr­heit beschlos­sen:

  • Unter­stüt­zung aller aktu­el­len Bemü­hun­gen um eine Ablö­sung der alt­his­to­ri­schen Staats­leis­tun­gen an die bei­den gro­ßen Kir­chen.
  • Ein­füh­rung eines obli­ga­to­ri­schen Ethik­un­ter­rich­tes an staat­li­chen Schu­len in Deutsch­land durch Abschaf­fung ihres Bekennt­nis­cha­rak­ters.

Ins­ge­samt war die Tagung von dem Wil­len geprägt, die bei­den Strö­mun­gen – die säku­la­re und die huma­nis­ti­sche – wei­ter zusam­men­zu­füh­ren und die begon­ne­nen Dis­kus­sio­nen aus den Work­shops kon­struk­tiv fort­zu­set­zen als Vor­aus­set­zung, in der SPD auf Bun­des­ebe­ne eine star­ke Stim­me zu sein. So wird ange­strebt, in der SPD-Bun­des­tags­frak­ti­on – neben dem reli­gi­ons­po­li­ti­schen Spre­cher – auch eine/n Sprecher/in für Welt­an­schau­ung ein­zu­set­zen.

Bei den abschlie­ßen­den Vor­stands­wah­len wur­den die bei­den bis­he­ri­gen Spre­che­rin­nen, die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Car­men Weg­ge aus Mün­chen und die ehe­ma­li­ge Ber­li­ner Staats­se­kre­tä­rin Sabi­ne Smen­tek (HVD), ein­stim­mig wie­der­ge­wählt. In den erwei­ter­ten Vor­stand wur­den 13 Per­so­nen gewählt, dar­un­ter erst­mals auch die süd­hes­si­sche Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Mela­nie Weg­ling (eben­falls HVD).

Die Haupt­ver­samm­lung des Ber­li­ner Arbeits­krei­ses am 11. Sep­tem­ber 2024 konn­te auf eine sehr erfolg­rei­che Peri­ode zurück­bli­cken. Schwer­punk­te waren u.a.

  • die Gesetz­ge­bung zur Sui­zid­hil­fe und ‑bera­tung mit der Bun­des­be­auf­trag­ten des HVD für Medi­zin­ethik, Gita Neu­mann,
  • die Gleich­be­hand­lung der Huma­nis­ti­schen Hoch­schu­le Ber­lin mit dem Pro­fes­sor die­ser Hoch­schu­le, Alex­an­der Bisch­kopf,
  • sowie die Reform des kirch­li­chen Arbeits­rechts mit einer ent­spre­chen­den Initia­ti­ve an den Par­tei­vor­stand.

Einer der kom­men­den Schwer­punk­te soll die mög­li­che Ein­füh­rung von huma­nis­ti­scher Seel­sor­ge in Kran­ken­häu­sern, der Poli­zei und Jus­tiz sein. Dort gibt es trotz einer kon­fes­si­ons­frei­en Mehr­heits­be­völ­ke­rung in Ber­lin bis­lang noch immer nur christ­li­che Ange­bo­te. Bei den Wah­len wur­den die bei­den bis­he­ri­gen Sprecher/innen bestä­tigt: Dr. Uli Bie­ler und Dr. Feli­ci­tas Tesch (HVD). Von den 9 wei­te­ren Beisitzer/innen sind 7 im HVD orga­ni­siert.

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