Dora Russell (3. April 1894 – 31. Mai 1986)

Das Recht auf Glück

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Foto: privat
Vor 40 Jahren, am 31. Mai 1986, starb Dora Russell. Die Philosophin, Pädagogin, Feministin und Friedensaktivistin stand lange im Schatten ihres berühmten Ehemanns Bertrand Russell. Als Autorin, Schulleiterin einer progressiven weltlichen Schule und engagierte Stimme der freidenkerischen und humanistischen Bewegung kämpfte sie für Frauenrechte, säkulare Bildung und nukleare Abrüstung.

Dora Rus­sell, gebo­ren als Dora Winif­red Black am 3. April 1894 in Thorn­ton Heath bei Lon­don, gestor­ben mit 92 Jah­ren am 31. Mai 1986 in Porthcurno/Cornwall, UK – war nicht nur von 1921 bis 1935 die Ehe­frau und Coau­to­rin von Bert­rand Rus­sell (1872–1970), son­dern auch bekannt als ori­gi­nä­re Autorin phi­lo­so­phi­scher, päd­ago­gi­scher und femi­nis­ti­scher Schrif­ten, als kämp­fe­ri­sche Femi­nis­tin, Poli­ti­ke­rin und Frie­dens­ak­ti­vis­tin im Kal­ten Krieg, Schul­lei­te­rin einer pro­gres­si­ven welt­li­chen Schu­le, Mit­glied und Akti­vis­tin der frei­den­ke­ri­schen, säku­la­ris­ti­schen und huma­nis­ti­schen Bewe­gung.

Dora wur­de in eine Fami­lie der obe­ren Mit­tel­klas­se gebo­ren. Ihre Eltern ver­tra­ten pro­gres­si­ve Ansich­ten und ermög­lich­ten ihren Mäd­chen die glei­chen Bil­dungs­chan­cen, wie sie damals meist nur begü­ter­te Jun­gen erlan­gen konn­ten. Dora besuch­te eine pri­va­te Grund­schu­le und die High­school. Nach einem Jahr in einem Mäd­chen­in­ter­nat in Deutsch­land erhielt sie ein Sti­pen­di­um für das Gir­ton Col­lege in Cam­bridge, wo sie Fran­zö­sisch und Deutsch stu­dier­te, und das sie 1915 mit einer First Class Hono­urs-Aus­zeich­nung abschloss. Schon wäh­rend ihres Stu­di­ums wur­de sie zur Femi­nis­tin und Reli­gi­ons­kri­ti­ke­rin und schloss sich gemein­sam mit Kom­mi­li­to­nin­nen der frei­den­ke­ri­schen Gesell­schaft Here­tics Socie­ty an, die unter der Lei­tung des Cam­brid­ger Phi­lo­so­phen, Sprach­wis­sen­schaft­lers und Schrift­stel­lers Charles Kay Ogden (1889–1957) stand. Nach ihrem Stu­di­um in Cam­bridge begann Dora ein wei­te­res Stu­di­um der Fran­zö­si­schen Spra­che am Uni­ver­si­ty Col­lege in Lon­don.

Im Jahr 1916 lern­te sie in der Frie­dens­be­we­gung den damals schon bekann­ten Bert­rand Rus­sell ken­nen, den sie aktiv in sei­nem Kampf gegen die Wehr­pflicht unter­stütz­te. Dar­aus ent­wi­ckel­te sich eine sehr lan­ge gemein­sa­me poli­ti­sche und publi­zis­ti­sche Zusam­men­ar­beit. U.a. unter­nah­men sie auch gemein­sa­me Rei­sen in die jun­ge Sowjet­uni­on, das post­re­vo­lu­tio­nä­re Chi­na und nach Japan. Dora leis­te­te vie­le Bei­trä­ge zu Bert­rands Büchern The Prac­ti­ce and Theo­ry of Bols­he­vism (1920) und The Pro­blem of Chi­na (1923) und ver­fass­te gemein­sam mit ihm das Buch The Pro­s­pects of Indus­tri­al Civi­liza­ti­on (1923). Deren poli­ti­sche Über­ein­stim­mung und Zusam­men­ar­beit soll­te trotz des Alters­un­ter­schieds nicht als ein Ver­hält­nis von Leh­rer und Schü­le­rin gese­hen wer­den. Dora war eine durch­aus eigen­stän­di­ge und unab­hän­gi­ge Den­ke­rin, die von den Ein­schät­zun­gen Bert­rands in nicht weni­gen Punk­ten abwi­chen. Bei der anfäng­li­chen Begeis­te­rung für die poli­ti­schen Ver­hält­nis­se in der jun­gen Sowjet­uni­on war Bert­rand deut­lich skep­ti­scher und blieb als Anhän­ger der Labour-Par­ty immer Anti­kom­mu­nist. Dora war zwar nie Anhän­ge­rin des Kom­mu­nis­mus, noch nicht ein­mal klas­si­sche Mar­xis­tin, trat aber für Ver­stän­di­gung, Ent­span­nung und gegen den mili­tä­ri­schen und poli­ti­schen Kal­ten Krieg auf. Einig waren die bei­den sich jedoch in ihrer Reli­gi­ons­kri­tik und dem Bekennt­nis und Akti­vi­tä­ten für die huma­nis­ti­sche Bewe­gung. Bert­rand trat öffent­lich her­vor in einem Vor­trag 1927, ver­öf­fent­licht als Buch­ti­tel Why I Am Not a Chris­ti­an, sowie in ande­ren reli­gi­ons­kri­ti­schen Büchern, wor­in er die zahl­rei­chen Schwä­chen der Argu­men­te für die Exis­tenz Got­tes ent­larv­te, das Jesus-Bild ent­mys­ti­fi­zier­te und die Vor­stel­lung wider­leg­te, Moral sei in irgend­ei­ner Wei­se von Reli­gi­on abhän­gig oder auf ihr begrün­det. Dem­nach gin­gen „Grau­sam­keit und Reli­gi­on Hand in Hand“, da sie in Angst und Unwis­sen­heit wur­zeln. Bert­rand war lang­jäh­ri­ges Mit­glied der Bri­tish Huma­nist Asso­cia­ti­on (heu­te Huma­nists UK), Mit­glied in deren Bei­rat und bis zu sei­nem Tod Prä­si­dent der Car­diff Huma­nists. Hier­in stimm­te Dora mit Bert­rand über­ein. Es gab und gibt in Eng­land ver­schie­de­ne huma­nis­ti­sche und Freethin­ker-Orga­ni­sa­tio­nen, seit 1881 um die Zeit­schrift The Freethin­ker, ab 1866 die Secu­lar Socie­ty und ab 1896 die Bri­tish Huma­nist Asso­cia­ti­on (heu­te Huma­nists UK).

Eine Ehe­schlie­ßung mit Bert­rand lehn­te Dora zunächst ab, da sie die Insti­tu­ti­on der Ehe als eine Beschrän­kung der sexu­el­len Frei­heit und als Mit­tel der weib­li­chen Unter­wer­fung sah. Da Dora aber nach ihrer Rück­kehr aus Asi­en schwan­ger war, hei­ra­te­ten sie 1921 nach erfolg­ter Schei­dung von Bert­rands ers­ter Ehe­frau. Es kamen zwei Kin­der zur Welt. Die Ehe wur­de nicht mono­gam geführt. Dora hat­te noch in den Ehe­jah­ren zwei wei­te­re Kin­der mit einem ande­ren Mann. 1932 trenn­ten sich Dora und Bert­rand, blie­ben aber wis­sen­schaft­lich und poli­tisch wei­ter ver­bun­den.

Aus Ableh­nung des kon­ser­va­ti­ven und kle­ri­ka­len bri­ti­schen Schul­sys­tems – und um ihren und ande­ren gleich­ge­sinn­ten Kin­dern eine moder­ne liber­tä­re und welt­li­che schu­li­sche Bil­dung zu ermög­li­chen, grün­de­ten Dora und Bert­rand 1927 die reform­päd­ago­gi­sche Schu­le Bea­con Hill School in West Sus­sex, die von Dora von 1927 bis 1943 gelei­tet wur­de. Selbst­ver­ständ­lich fand hier kein Reli­gi­ons­un­ter­richt statt, dafür fan­den im Lehr­plan ver­mehrt Natur­wis­sen­schaf­ten, Geschich­te und fort­schritt­li­che Poli­tik ihren Raum. Doras Kon­zept und Erfah­run­gen aus der Bea­con Hill School beschrieb sie bereits 1932 in ihrem Buch In Defence of Child­ren sowie im Band 2 ihrer drei­bän­di­gen Auto­bio­gra­fie The Tama­risk Tree: My School and the Years of War (1981). Dora Rus­sell setz­te sich als über­zeug­te Säku­la­ris­tin für das Recht der Kin­der auf Glück und Frei­heit von reli­giö­sen Dog­men ein. In der Bea­con Hill School soll­te des­halb kri­ti­sches Den­ken, Zusam­men­ar­beit und wis­sen­schaft­li­che Neu­gier­de geför­dert wer­den, anstatt Gehor­sam und Angst. Die Kern­aspek­te hier­von waren, dass die tra­di­tio­nel­len Reli­gio­nen als Quel­le von Aber­glau­ben und Irra­tio­na­li­tät zu betrach­ten sind, die die ratio­na­le Bil­dung und per­sön­li­che Befrei­ung behin­dern. Kin­der soll­ten von den „alten, stren­gen Leh­ren von Sün­de und Stra­fe“ befreit wer­den. In Defence of Child­ren schrieb Dora, dass „Kin­der, wie Frau­en und das Pro­le­ta­ri­at, eine unter­drück­te Klas­se sind“. Sie setz­te sich für das Recht der Kin­der ein, glück­lich zu sein, zu ent­de­cken und in einer lie­be­vol­len, nicht-auto­ri­tä­ren Umge­bung auf­zu­wach­sen, anstatt als Eigen­tum behan­delt zu wer­den. Die Bea­con Hill School setz­te ihre Ansich­ten um, indem sie eine säku­la­re, demo­kra­ti­sche und unkon­ven­tio­nel­le Bil­dung anbot, die Koedu­ka­ti­on, Krea­ti­vi­tät und unab­hän­gi­ges Den­ken in den Vor­der­grund stell­te, sowie Empa­thie und Huma­nis­mus. Anstel­le reli­giö­ser Dok­tri­nen soll­ten Empa­thie, Lie­be und die Kon­zen­tra­ti­on auf das Wohl­erge­hen der Men­schen – ins­be­son­de­re das Wohl­erge­hen von Kin­dern – die Grund­la­ge für eine bes­se­re Gesell­schaft, Frie­den und Bil­dung bil­den.

Frau­en­wahl­recht, Eman­zi­pa­ti­on und Gebur­ten­kon­trol­le waren in den 1920er Jah­ren hoch­ak­tu­el­le The­men und wur­den emo­tio­nal dis­ku­tiert. Eng­land war das Stamm­land der Suf­fra­get­ten-Bewe­gung gewe­sen, ange­führt von Emmel­ine Pankhurst (1858–1928). Ab Febru­ar 1918 gab es in Groß­bri­tan­ni­en ein ein­ge­schränk­tes Frau­en­wahl­recht und erst 1928 erhiel­ten alle Frau­en über 21 Jah­re das vol­le Wahl­recht unter den glei­chen Bedin­gun­gen wie die Män­ner. Glei­che juris­ti­sche und Arbei­ter­rech­te, ganz zu schwei­gen von sexu­el­ler Selbst­be­stim­mung, Emp­fäng­nis­ver­hü­tung oder Schwan­ger­schafts­ab­bruch, waren erst noch gegen här­tes­te Wider­stän­de zu erkämp­fen. Dora kämpf­te hier­bei an der Sei­te aller nam­haf­ten Frau­en­ver­bän­de und war eine vehe­men­te Ver­fech­te­rin der Gebur­ten­kon­trol­le und des Rechts der Frau­en auf Lust und Selbst­be­stim­mung. 1929 orga­ni­sier­te Dora gemein­sam mit dem aus­tra­li­schen Arzt und Sexu­al­re­for­mer Nor­man Hai­re (1892–1952) den auf­se­hen­er­re­gen­den Lon­do­ner Kon­gress der World League for Sexu­al Reform, der auch von füh­ren­den Intel­lek­tu­el­len wie Geor­ge Ber­nard Shaw, Mar­ga­ret San­ger und Sig­mund Freud besucht wur­de.

Die Fra­ge der Frau­en­eman­zi­pa­ti­on mit all ihren Facet­ten ver­band Dora mit phi­lo­so­phi­scher Auf­klä­rung und dem Kampf für sozia­le Befrei­ung. Die bei­den Früh­wer­ke, ihre Bücher Hypa­tia: or, Woman and Know­ledge (1924) und The right to be Hap­py (1927), dürf­ten hier­bei ihre noch heu­te bedeut­sa­men Grund­la­gen­tex­te bil­den. Das Buch Hypa­tia war Doras bedeu­ten­der femi­nis­ti­scher Text, der den Kampf um Frau­en­rech­te, Wis­sen und Gleich­be­rech­ti­gung unter­stütz­te und sich dabei auf die his­to­ri­sche Figur der Hypa­tia, Phi­lo­so­phin und Mathe­ma­ti­ke­rin aus dem anti­ken Alex­an­dria, stütz­te, einen phi­lo­so­phi­schen Dis­kurs über das Wesen von Män­nern und Frau­en in der Gesell­schaft führ­te und sich gegen die tra­di­tio­nel­len Geschlech­ter­rol­len aus­sprach sowie die patri­ar­cha­li­schen Struk­tu­ren kri­ti­sier­te, die den Fort­schritt der Frau­en behin­dern. Das wesent­lich umfang­rei­che­re Buch The Right to be Hap­py (1927) ist, durch­aus im Geist der Phi­lo­so­phie Epi­kurs, ein Plä­doy­er der Lebens­be­ja­hung und Glück als ein Recht für alle. Dabei beton­te sie, dass das Stre­ben nach Glück nicht nur ein indi­vi­du­el­les Ziel, son­dern die grund­le­gen­de Basis für den Auf­bau einer funk­tio­nie­ren­den Gesell­schaft sein soll­te, die die Inter­es­sen der Arbei­ter­klas­se ver­tritt, deren Recht auf Nah­rung, Arbeit, Wis­sen sowie sexu­el­le Erfül­lung und Eltern­schaft beinhal­tet. Dazu gehör­te die For­de­rung nach einer neu­en Phi­lo­so­phie, die auf moder­nen wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­sen und Ratio­na­lis­mus basie­re, anstatt auf tra­di­tio­nel­len reli­giö­sen oder aske­ti­schen Wer­ten. Ein aus­führ­li­ches Kapi­tel des Buches befasst sich zudem mit den Kin­der­rech­ten und der Rol­le der Erzie­hung bei der Befrei­ung des mensch­li­chen Geis­tes. Wesent­li­che Ideen aus die­sem Buch fan­den auch Ein­gang in Bert­rand Rus­sells Werk The Con­quest of Hap­pi­ness (1930).

Dora Rus­sell leg­te in die­sen Früh­wer­ken – wie auch in ihrem Spät­werk The Reli­gi­on of the Machi­ne Age (1983) – ihre kon­se­quen­ten phi­lo­so­phi­schen Theo­rien dar, das „Recht auf Glück“ durch die untrenn­ba­ren Bestand­tei­le und die Ver­bin­dung von Frau­en­eman­zi­pa­ti­on, Sozi­al­re­form mit sozia­lis­ti­scher Befrei­ung und frei­em Den­ken, mit Reli­gi­ons­kri­tik und Poli­tik. The Reli­gi­on of the Machi­ne Age erwei­ter­te und aktua­li­sier­te die­se The­men aus der Sicht der 1970er/1980er Jah­re dar­auf, dass die Gesell­schaft nun­mehr den tra­di­tio­nel­len reli­giö­sen Glau­ben durch eine gefähr­li­che, indus­tria­li­sier­te wor­ship („Ver­eh­rung“) von Tech­no­lo­gie, Geld und wis­sen­schaft­li­cher Berech­nung ersetzt habe, wodurch wie­der­um die mensch­li­chen Wer­te und das Über­le­ben bedroht sei­en, und warnt daher vor den tech­no­lo­gi­schen Ver­ir­run­gen wie Umwelt­ver­nich­tung, male con­scious­ness („männ­li­chem Bewusst­sein“), Krie­ge und eine neue „Reli­gi­on der Maschi­nen“. 

Dora war wei­ter­hin viel­sei­tig gesell­schaft­lich und poli­tisch enga­giert. Neben dem Ein­satz für Frau­en­rech­te, Gleich­stel­lung und sexu­el­le Befrei­ung, trat sie vor allem für wis­sen­schaft­li­che Auf­klä­rung und für den Frie­den ein. Im Jahr 1924 hat­te sie ohne Erfolg bei Wah­len für die Labour Par­ty kan­di­diert. Nach Spal­tung der Par­tei 1932 blieb sie Mit­glied der unab­hän­gi­gen Inde­pen­dent Labour Par­ty. Sie war 1932 Grün­dungs­mit­glied einer Ver­ei­ni­gung fort­schritt­li­cher Orga­ni­sa­tio­nen und Indi­vi­du­en, der Fede­ra­ti­on of Pro­gres­si­ve Socie­ties and Indi­vi­du­als (FPSI) und 1934 eines Rates für bür­ger­li­che Frei­hei­ten, dem Natio­nal Coun­cil for Civil Liber­ties (NCCL), sowie zahl­rei­cher wei­te­rer Initia­ti­ven und Orga­ni­sa­tio­nen. Im Gegen­satz zu Bert­rand Rus­sell, der ein äußerst kri­ti­sches Ver­hält­nis zur Sowjet­uni­on ein­nahm, trat Dora für Abrüs­tung, Soli­da­ri­tät und Dia­log ein, beson­ders in den Jah­ren des Kal­ten Krie­ges. Sie wur­de nach dem 2. Welt­krieg zu einer der bekann­tes­ten Per­sön­lich­kei­ten der bri­ti­schen Frie­dens­be­we­gung, war Grün­dungs­mit­glied der Cam­paign for Nuclear Dis­ar­ma­ment, in der sie sich mit vie­len ande­ren Pro­mi­nen­ten für ato­ma­re Abrüs­tung ein­setz­te. 1958 orga­ni­sier­te Dora eine viel­be­ach­te­te Frau­en-Frie­dens­ka­ra­wa­ne der Women’s Cara­van of Peace durch 14 euro­päi­sche Län­der (die ost­eu­ro­päi­schen Län­der gal­ten damals als „hin­ter dem Eiser­nen Vor­hang“) bis nach Mos­kau und zurück. Ohne Unter­stüt­zung von Regie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen unter­nah­men die frie­dens­be­weg­ten Frau­en vom Per­ma­nent Inter­na­tio­nal Com­mit­tee of Mothers (PICM), des­sen Vor­sit­zen­de Dora Rus­sell war, mit nur zwei Fahr­zeu­gen die­se aben­teu­er­li­che Rund­rei­se. Der Rei­se­bus trug ein mehr­spra­chi­ges Trans­pa­rent mit der Inschrift in meh­re­ren Spra­chen: „Frau­en aller Län­der wol­len Frie­den“. In einem alten Armee­las­ter wur­den Zel­te, Koch­uten­si­li­en und Lebens­mit­tel trans­por­tiert. An allen Orten fan­den leb­haf­te Begeg­nun­gen statt und es wur­den Flug­blät­ter mit den Auf­ru­fen ver­teilt. Es wur­de zu einer wirk­li­chen Frau­en-Frie­dens­ka­ra­wa­ne für Abrüs­tung und Ver­stän­di­gung zwi­schen Ost und West.

In den 1970er Jah­ren nahm Dora wie­der ver­mehrt ihre frü­he­ren Akti­vi­tä­ten für die Huma­nis­ti­sche und Freethin­ker-Bewe­gung auf. Sie hielt Vor­trä­ge auf deren Tref­fen und schrieb Bei­trä­ge für die Zeit­schrif­ten The New Huma­nist und The Freethin­ker und wur­de Ehren­mit­glied des Ratio­na­list Press Com­mit­tee (spä­te­re Ratio­na­list Press Asso­cia­ti­on), her­vor­ge­gan­gen aus einer Lon­do­ner Dru­cke­rei von Charles Albert Watts (1858–1946) und einer Grup­pe von Freethin­ker-Per­sön­lich­kei­ten, die säku­la­re und athe­is­ti­sche Schrif­ten ver­brei­te­ten und den intel­lek­tu­el­len Reich­tum der säku­la­ren Bewe­gung her­vor­he­ben woll­ten. Die­se ver­öf­fent­lich­te neben Watts’ Lite­ra­ry Gui­de (heu­te The New Huma­nist) ein brei­tes Spek­trum an wis­sen­schaft­li­chen, phi­lo­so­phi­schen und frei­den­ke­risch-huma­nis­ti­schen Wer­ken. 1974 hielt Dora Rus­sell die Eröff­nungs­re­de auf deren Jah­res­kon­fe­renz. Noch im Alter von 89 Jah­ren lei­te­te Dora eine Kund­ge­bung der Kam­pa­gne für nuklea­re Abrüs­tung in Lon­don und setz­te sich bis zu ihrem Tod aktiv für den Frie­den ein. Dora Rus­sell starb am 31. Mai 1986 im Alter von 92 Jah­ren in Port­h­cur­no, Corn­wall. Ihre Asche wur­de dort im Gar­ten ver­streut.

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