Nahost-Konflikt

Stellungnahme der Humanists UK zum Nahen Osten

Humanists UK hat ein Statement zum Nahen Osten herausgegeben, das wir gerne mit einer eigenen Übersetzung verbreiten. Das Statement ist geprägt von Mitgefühl mit den Opfern des Konflikts. Es appelliert auf der Basis einer begründeten Hoffnung an die Möglichkeit der Menschen, anstelle ihrer Grausamkeiten gegenseitige Güte, Liebe, Frieden, Nächstenliebe und Verständnis zu entwickeln.

Im Fol­gen­den ver­öf­fent­li­chen wir das „State­ment on the Midd­le East” vom 13. Okto­ber 2023 in eige­ner deut­scher Über­set­zung. Das State­ment im eng­li­schen Ori­gi­nal ist hier auf der Web­sei­te von Huma­nists UK ver­öf­fent­licht.

Ange­sichts der jüngs­ten Ereig­nis­se im Nahen Osten sind wir als Huma­nis­ten im Ver­ei­nig­ten König­reich zutiefst trau­rig über den Ver­lust und das Leid, das unschul­di­ge Zivi­lis­ten in Isra­el und im Gaza­strei­fen erlei­den. Jedes ver­lo­re­ne Leben ist eine Tra­gö­die, die schwer auf unse­ren Her­zen las­tet.

Wir ver­ur­tei­len die Hamas und alle Akte des reli­giö­sen Ter­ro­ris­mus unmiss­ver­ständ­lich, eben­so wie wir jeg­li­che staat­li­che und ter­ro­ris­ti­sche Unter­drü­ckung und Gewalt gegen Zivi­lis­ten ver­ur­tei­len. Sol­che gewalt­tä­ti­gen Ideo­lo­gien und ent­mensch­li­chen­den Her­an­ge­hens­wei­sen an geo­po­li­ti­sche Debat­ten und reli­giö­se Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten haben kei­ne ratio­na­le oder mora­li­sche Recht­fer­ti­gung. Wäh­rend die­ser tur­bu­len­ten Zei­ten soll­ten wir uns alle an die Wer­te Frie­den, Men­schen­wür­de und Mit­ge­fühl erin­nern. Aus unse­rer huma­nis­ti­schen Phi­lo­so­phie kön­nen wir uns eine ein­fa­che Maxi­me zu Her­zen neh­men, die vom Huma­nis­ten und Pazi­fis­ten Bert­rand Rus­sell geprägt wur­de: Erin­ne­re dich an dei­ne Mensch­lich­keit und ver­giss den Rest.

Wir sind uns bewusst, dass der aktu­el­le Kon­flikt nicht nur die Men­schen direkt in der Regi­on betrifft, son­dern auch jüdi­sche Men­schen und Gemein­schaf­ten welt­weit tief­grei­fend betrifft. Vie­le füh­len sich zutiefst ver­letzt, ängst­lich und ver­letz­lich. Wir unter­stüt­zen sie und alle ande­ren Betrof­fe­nen und beto­nen die Bedeu­tung von Einig­keit, Unter­stüt­zung und Ver­ständ­nis ange­sichts von Wid­rig­kei­ten. Wir ver­ur­tei­len die Zunah­me von Hass­ver­bre­chen gegen jüdi­sche Grup­pen auf der gan­zen Welt. Und wir ver­ur­tei­len das trau­ri­ge und ernied­ri­gen­de Schau­spiel derer, die auf der Stra­ße Ter­ror­ak­te befür­wor­ten, ermu­ti­gen und fei­ern.

Wäh­rend wir im Ver­ei­nig­ten König­reich per­sön­lich wenig tun kön­nen, um die­se Ver­fah­ren zu beein­flus­sen oder einen sofor­ti­gen Waf­fen­still­stand her­bei­zu­füh­ren, kön­nen wir den­noch viel tun, um dem Gleich­ge­wicht aus Hass, Miss­ver­ständ­nis­sen und Gewalt ent­ge­gen­zu­wir­ken, indem wir uns sowohl indi­vi­du­ell als auch per­sön­lich gemein­sam für eine bes­se­re Welt ein­set­zen.

Wir erken­nen und respek­tie­ren die Kom­ple­xi­tät geo­po­li­ti­scher Kon­flik­te. Und wir wis­sen, dass die Ereig­nis­se ins­be­son­de­re in die­ser Regi­on selbst bei Men­schen guten Wil­lens und guten Gewis­sens hef­ti­ge Ver­ur­tei­lung und ent­mensch­li­chen­de Rhe­to­rik her­vor­ru­fen. Wir ermu­ti­gen alle, in ihren Dis­kus­sio­nen Ver­ständ­nis, Dia­log und Empa­thie ein­zu­set­zen, um die bestehen­den Grä­ben zu über­brü­cken.

Wir hof­fen uner­schüt­ter­lich auf eine Welt, in der alle Men­schen, unab­hän­gig von ihrer Her­kunft oder ihrem Glau­ben, ohne Angst vor Gewalt oder Unter­drü­ckung zusam­men­le­ben kön­nen.

Der Lauf der Mensch­heits­ge­schich­te ist all­zu oft blut­ge­tränkt. Doch die Ver­gan­gen­heit und auch die Gegen­wart müs­sen nicht die Zukunft die­ses Pla­ne­ten oder gar des Nahen Ostens bestim­men. Huma­nis­ti­sche Hoff­nung ist eine ratio­na­le Hoff­nung, die auf dem Ver­ständ­nis unse­res Poten­zi­als basiert, bes­ser zu han­deln und bes­ser zu sein. Das bedeu­tet, dass die huma­nis­ti­sche Her­aus­for­de­rung, wenn wir die Mensch­heit als Gan­zes betrach­ten, die­sel­be Her­aus­for­de­rung ist, vor der unse­re Spe­zi­es über­all steht: Kön­nen wir eine Welt ohne Krieg, ohne Not und ohne Grau­sam­keit auf­bau­en? Eine Welt, in der die Mensch­heit bei auf­tre­ten­den Kon­flik­ten über die Werk­zeu­ge und Fähig­kei­ten ver­fügt, die­se ratio­nal und fair zu lösen, mit dem Ziel, Glück, Wohl­be­fin­den und Sicher­heit zu för­dern und auf­recht­zu­er­hal­ten. Solch hohe Ambi­tio­nen gehen über die Gren­zen einer Wohl­tä­tig­keits­or­ga­ni­sa­ti­on, einer Glau­bens­grup­pe, eines Lan­des, einer Gemein­schaft hin­aus. Und des­halb wol­len wir die­se ratio­na­le Hoff­nung über die gan­ze Welt ver­brei­ten, nicht nur in unse­rer huma­nis­ti­schen Gemein­schaft. Die­se Hoff­nung muss uns alle dar­an erin­nern, dass wir kon­ti­nu­ier­lich und hart arbei­ten an die­ser Visi­on einer bes­se­ren Welt und uns dabei unse­re Gemein­sam­kei­ten, unse­ren gemein­sa­men Grund­la­gen und unse­ren Fähig­kei­ten zur Selbst­ver­bes­se­rung bewusst sein müs­sen.

Wenn Huma­nis­ten an etwas in der mensch­li­chen Natur glau­ben, dann an ihr Poten­zi­al zur Ver­bes­se­rung. Unse­re Augen sind nicht ver­schlos­sen: Wir sind uns der Grau­sam­keit des Men­schen nur all­zu bewusst. Und doch akzep­tiert unse­re bes­se­re Natur gleich­zei­tig gegen­sei­ti­ge Güte, Lie­be, Frie­den, Nächs­ten­lie­be und Ver­ständ­nis, wenn wir ihr die Gele­gen­heit dazu geben, sich zu ent­fal­ten. Freund­lich­keit und Güte sind fest mit unse­rem Wesen und der Geschich­te des mensch­li­chen Über­le­bens ver­bun­den, wenn wir die Chan­ce dazu bekom­men.

In Zei­ten aku­ten Leids zäh­len schö­ne Wor­te und hohe Ansprü­che wohl wenig. Wor­te kön­nen kei­ne Wun­den hei­len, kei­ne Kugeln aus Kör­pern ent­fer­nen, kei­ne ein­ge­stürz­ten Gebäu­de wie­der­her­stel­len. Wir unter­stüt­zen alle, die sich für Frie­den, Gerech­tig­keit und ein nach­hal­ti­ges Ende des Blut­ver­gie­ßens ein­set­zen. In der Zwi­schen­zeit gilt unse­re Lie­be und unser Bei­leid allen, die jetzt lei­den, sowie unse­re Bewun­de­rung, Ermu­ti­gung und unser Respekt allen, die in solch her­aus­for­dern­den Zei­ten neue Kraft in sich gefun­den haben, im Kes­sel solch schreck­li­chen Lei­dens.

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