Am Samstag, den 6. Juni 2026, fand in Neukölln-Rudow eine Ehrung der besonderen Art statt. Vor 50 Jahren verstarb die säkulare jüdische Ärztin und Berliner SPD-Stadtverordnete aus der Zeit der Weimarer Republik, Dr. Käte Frankenthal, in New York. Sie war eine der ersten in Medizin promovierten Frauen Deutschlands im Kaiserreich. 1933 konnte sie über Prag und Paris in die USA flüchten.
Der Historische Arbeitskreis des Humanistischen Verbandes Berlin-Brandenburg hatte diese Ehrung dem Präsidium vorgeschlagen. Zeitgleich planten die Neuköllner SPD-Frauen eine Führung durch das sogenannte „Frauenviertel“ in Rudow. Dort wurden vor 30 Jahren in einem Neubaugebiet am Rande zu Schönefeld – erstmals in Deutschland – alle 20 Straßen nach engagierten Frauen benannt. Eine davon trägt den Namen von Käte Frankenthal. Die Gedenkrede wurde von Jutta Weißbecker vorgetragen, langjährige stellvertretende Landesvorsitzende des damaligen Berliner Humanistischen Verbandes Deutschlands, früheres SPD-Mitglied im Abgeordnetenhaus und Hauptinitiatorin der damaligen Straßenbenennung. Ebenfalls anwesend war Dr. Felicitas Tesch, stellvertretende Präsidentin des Humanistischen Verbandes Berlin-Brandenburg.
In ihrer Rede ging Jutta Weißbecker ausführlich auf das Engagement von Käte Frankenthal in deren Berliner Zeit ein.
Nach einer Assistenz an der Charité betrieb sie eine Praxis, in der sie Ehe- und Sexualberatung durchführte und als engagierte Gegnerin des gesetzlichen Verbots des Schwangerschaftsabbruchs (§ 218) kostenlos Verhütungsmittel verteilte sowie bei der Beschaffung von Wohnraum, Nahrung und Kleidung ihrer vorwiegend armen Klientel behilflich war. 1928 wurde sie zur stellvertretenden Stadtärztin von Berlin und zur Schulärztin für den Stadtbezirk Neukölln gewählt. Frankenthal war bereits während des Ersten Weltkrieges der SPD beigetreten und gehörte dem linken Flügel an. 1923, nach dem Tod ihrer streng religiösen Eltern, trat sie aus der Jüdischen Gemeinde aus. 1920 bis 1925 war sie Bezirksverordnete für die Partei im Bezirk Tiergarten. 1925 wurde sie in die Berliner Stadtverordnetenversammlung gewählt, der sie bis 1931 angehörte. Sie war Gesundheits- und Wohlfahrtsdeputierte, arbeitete im Haushaltsausschuss mit und gehörte dem Parteivorstand an.
1931 rückte sie als Abgeordnete ein Jahr vor Ende der Legislaturperiode in den Preußischen Landtag nach. Aus Kritik an der politisch „inkonsequenten“ Führung der SPD trat sie im Dezember des Jahres zur neu gegründeten Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) über. Hier wurde sie im Frühjahr 1932 in den Parteivorstand gewählt. Der SAP gehörte übrigens auch der spätere Bundeskanzler Willy Brandt an.
Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde sie entlassen, da sie als „national unzuverlässig“ und „nichtarisch“ galt.
„Ich passte in jede Kategorie, die von den Nazis verabscheut wurde; Jüdin, Sozialistin, Volksvertreter, emanzipiertes Weib … Ich hatte nichts mehr in Deutschland zu tun …“. In New York absolvierte sie eine Lehranalyse bei dem bekannten Psychoanalytiker Harry Stack Sullivan und betrieb bis ins hohe Alter eine eigene psychoanalytische Praxis.
Auf diesseits.de ist in der Reihe „Humanistische Persönlichkeiten“ ein biografischer Beitrag von Gisela Notz zum 50. Todestag von Käte Frankenthal erschienen.



