Gemeinsame Führung durch das Frauenviertel in Rudow

Ehrung für säkulare jüdische Ärztin Käte Frankenthal

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Beitragsbild: Bruno Osuch

Am Samstag, den 6. Juni 2026, fand in Neukölln-Rudow eine Ehrung der besonderen Art statt. Vor 50 Jahren verstarb die säkulare jüdische Ärztin und Berliner SPD-Stadtverordnete der Weimarer Republik, Dr. Käte Frankenthal, in New York. Sie war eine der ersten in Medizin promovierten Frauen Deutschlands im Kaiserreich und floh 1933 über Prag und Paris in die USA.

Am Sams­tag, den 6. Juni 2026, fand in Neu­kölln-Rudow eine Ehrung der beson­de­ren Art statt. Vor 50 Jah­ren ver­starb die säku­la­re jüdi­sche Ärz­tin und Ber­li­ner SPD-Stadt­ver­ord­ne­te aus der Zeit der Wei­ma­rer Repu­blik, Dr. Käte Fran­ken­thal, in New York. Sie war eine der ers­ten in Medi­zin pro­mo­vier­ten Frau­en Deutsch­lands im Kai­ser­reich. 1933 konn­te sie über Prag und Paris in die USA flüch­ten.

Der His­to­ri­sche Arbeits­kreis des Huma­nis­ti­schen Ver­ban­des Ber­lin-Bran­den­burg hat­te die­se Ehrung dem Prä­si­di­um vor­ge­schla­gen. Zeit­gleich plan­ten die Neu­köll­ner SPD-Frau­en eine Füh­rung durch das soge­nann­te „Frau­en­vier­tel“ in Rudow. Dort wur­den vor 30 Jah­ren in einem Neu­bau­ge­biet am Ran­de zu Schö­ne­feld – erst­mals in Deutsch­land – alle 20 Stra­ßen nach enga­gier­ten Frau­en benannt. Eine davon trägt den Namen von Käte Fran­ken­thal. Die Gedenk­re­de wur­de von Jut­ta Weiß­be­cker vor­ge­tra­gen, lang­jäh­ri­ge stell­ver­tre­ten­de Lan­des­vor­sit­zen­de des dama­li­gen Ber­li­ner Huma­nis­ti­schen Ver­ban­des Deutsch­lands, frü­he­res SPD-Mit­glied im Abge­ord­ne­ten­haus und Haupt­in­itia­to­rin der dama­li­gen Stra­ßen­be­nen­nung. Eben­falls anwe­send war Dr. Feli­ci­tas Tesch, stell­ver­tre­ten­de Prä­si­den­tin des Huma­nis­ti­schen Ver­ban­des Ber­lin-Bran­den­burg.

In ihrer Rede ging Jut­ta Weiß­be­cker aus­führ­lich auf das Enga­ge­ment von Käte Fran­ken­thal in deren Ber­li­ner Zeit ein.

Nach einer Assis­tenz an der Cha­ri­té betrieb sie eine Pra­xis, in der sie Ehe- und Sexu­al­be­ra­tung durch­führ­te und als enga­gier­te Geg­ne­rin des gesetz­li­chen Ver­bots des Schwan­ger­schafts­ab­bruchs (§ 218) kos­ten­los Ver­hü­tungs­mit­tel ver­teil­te sowie bei der Beschaf­fung von Wohn­raum, Nah­rung und Klei­dung ihrer vor­wie­gend armen Kli­en­tel behilf­lich war. 1928 wur­de sie zur stell­ver­tre­ten­den Stadt­ärz­tin von Ber­lin und zur Schul­ärz­tin für den Stadt­be­zirk Neu­kölln gewählt. Fran­ken­thal war bereits wäh­rend des Ers­ten Welt­krie­ges der SPD bei­getre­ten und gehör­te dem lin­ken Flü­gel an. 1923, nach dem Tod ihrer streng reli­giö­sen Eltern, trat sie aus der Jüdi­schen Gemein­de aus. 1920 bis 1925 war sie Bezirks­ver­ord­ne­te für die Par­tei im Bezirk Tier­gar­ten. 1925 wur­de sie in die Ber­li­ner Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung gewählt, der sie bis 1931 ange­hör­te. Sie war Gesund­heits- und Wohl­fahrts­de­pu­tier­te, arbei­te­te im Haus­halts­aus­schuss mit und gehör­te dem Par­tei­vor­stand an.

1931 rück­te sie als Abge­ord­ne­te ein Jahr vor Ende der Legis­la­tur­pe­ri­ode in den Preu­ßi­schen Land­tag nach. Aus Kri­tik an der poli­tisch „inkon­se­quen­ten“ Füh­rung der SPD trat sie im Dezem­ber des Jah­res zur neu gegrün­de­ten Sozia­lis­ti­schen Arbei­ter­par­tei Deutsch­lands (SAP) über. Hier wur­de sie im Früh­jahr 1932 in den Par­tei­vor­stand gewählt. Der SAP gehör­te übri­gens auch der spä­te­re Bun­des­kanz­ler Wil­ly Brandt an.

Nach der Macht­er­grei­fung durch die Natio­nal­so­zia­lis­ten wur­de sie ent­las­sen, da sie als „natio­nal unzu­ver­läs­sig“ und „nicht­arisch“ galt.

„Ich pass­te in jede Kate­go­rie, die von den Nazis ver­ab­scheut wur­de; Jüdin, Sozia­lis­tin, Volks­ver­tre­ter, eman­zi­pier­tes Weib … Ich hat­te nichts mehr in Deutsch­land zu tun …“. In New York absol­vier­te sie eine Lehr­ana­ly­se bei dem bekann­ten Psy­cho­ana­ly­ti­ker Har­ry Stack Sul­li­van und betrieb bis ins hohe Alter eine eige­ne psy­cho­ana­ly­ti­sche Pra­xis.

Auf diesseits.de ist in der Rei­he „Huma­nis­ti­sche Per­sön­lich­kei­ten“ ein bio­gra­fi­scher Bei­trag von Gise­la Notz zum 50. Todes­tag von Käte Fran­ken­thal erschie­nen.

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