Bertolt Brecht wurde am 10. Februar 1898 im überwiegend katholischen, schwäbischen Augsburg geboren; der Vater war katholisch, die Mutter evangelisch. Die Eltern einigten sich darauf, dass die Kinder evangelisch erzogen werden sollten. Am 20. März 1898 wurde Bertolt in der ältesten Augsburger evangelischen Kirche, der Barfüßerkirche, getauft, wuchs in Augsburg auf, besuchte die Volksschule und das Realgymnasium und angeblich jeden Sonntag den protestantischen Gottesdienst, den er sich ebenso aufmerksam anhörte wie den Religionsunterricht in der Schule. Er erhielt Klavier‑, Geigen- und Gitarrenunterricht, wobei ihn offensichtlich lediglich der Gitarrenunterricht interessierte. 1912 wurde er in der Barfüßerkirche konfirmiert.
Bereits in seinem Tagebuch von 1913 äußerte er fundamentale Zweifel an der christlichen Religion. Als 15-Jähriger schrieb er unter dem Pseudonym Bertold Eugen den Einakter „Die Bibel“. Es war sein Erstlingsdrama und wurde in Heft 6 der Schülerzeitung „Die Ernte“, deren Herausgeber er und sein Freund Fritz Gehweyer waren, im Januar 1914 veröffentlicht. Ein halbes Jahr später wurde der Erste Weltkrieg losgetreten. „Es regnet Granaten“ oder „Der Himmel dahinter ist blutrot“ sind einige Regieanweisungen, mit denen Berthold Eugen offenbar seine Ahnungen an den mörderischen Wahnsinn des Ersten Weltkrieges andeutete. Klar arbeitete er in dem 15-minütigen Stück den Konflikt zwischen religiöser Pflicht und tätiger Menschlichkeit heraus. Das ist ein Thema, das er auch in der späteren „Dreigroschenoper“, in „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ oder in „Mutter Courage und ihre Kinder“ wieder aufnahm. Seit Beginn des Ersten Weltkriegs produzierte er Gedichte, Reportagen, Prosatexte und Rezensionen in lokalen und regionalen Medien.
Die Bibel als wichtigstes Buch
In den meisten Texten, die sich mit Bertolt Brechts Leben beschäftigen, wird erwähnt, dass die Bibel das Buch sei, das in seinem Leben den größten Eindruck hinterließ. Tatsächlich hat er viele Motive in seinen Arbeiten, zum Beispiel in der „Dreigroschenoper“, der Bibel entlehnt. Brecht beschrieb die Bibel als „unvergleichlich schön, stark, aber ein böses Buch“. Angeblich hat ihn die fromme evangelische Mutter mit ihren biblischen Geschichten geprägt; nach manchen Quellen war es auch die Großmutter mütterlicherseits. Richtig dürfte sein, dass er die Bibel nicht als ‚Gottes Wort‘, sondern als Geschichten-Buch rezipierte, das er als eine Fundgrube an Stoffen, Menschenschicksalen und Menschentypen für seine eigenen Werke nutzbar machte. Den ‚Kirchen-Gott‘ lehnte er ebenso ab wie die Kriegsbegeisterung der Kirchen und deren politisch-reaktionäre Kräfte vor und nach 1919. Auch war ihm die Vertröstung auf ein besseres Jenseits, durch die die Menschen die Unzumutbarkeiten des irdischen Lebens besser ertragen sollten, zuwider.
Erste Erfolge im Theater- und Literaturbetrieb
Ab 1917 immatrikulierte sich Bertolt Brecht an der Universität München für Medizin und Naturwissenschaften. Das Studium nahm er jedoch nicht ernsthaft auf, weil er literarisch arbeiten wollte. Nach Ende des Ersten Weltkrieges wurde er im Zuge der November-Revolution Mitglied des Augsburger Arbeiter- und Soldatenrates. Erste Theatererfolge in München führten Brecht im Februar 1920 zum ersten Mal nach Berlin. Bald konnte er als Nachwuchsautor im Berliner Theater- und Literaturbetrieb weitere Erfolge einsammeln. Das führte dazu, dass er im September 1924 endgültig dorthin zog, um als Dramaturg zusammen mit Carl Zuckmayer für Max Reinhardt am Deutschen Theater zu arbeiten. Er politisierte sich zusehends, sympathisierte mit den revolutionären Zielen der KommunistInnen, beschäftigte sich mit marxistischer Theorie, schrieb Lehrstücke für ArbeiterInnen und entwickelte das Epische Theater. Seinen vielleicht größten Erfolg feierte er am 31. August 1928 mit der „Dreigroschenoper“ im Theater am Schiffbauerdamm in Berlin. Die Uraufführung der Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ 1930 in Leipzig endete als Theaterskandal. 1931 entstand der heute noch sehenswerte und aktuelle Tonfilm „Kuhle Wampe“. Der Film wurde 1932 von der Filmprüfstelle in Berlin wegen „kommunistischer Agitation“ verboten, zwei Monate später jedoch, nach großem öffentlichem Protest, in einer „entschärften Fassung“ dennoch aufgeführt.
Flucht ins Exil
Nachdem die Nazi-Faschisten bereits ab 1930 begonnen hatten, Brechts Aufführungen vehement zu stören, und zu Beginn des Jahres 1933 eine Aufführung von „Die Maßnahme“ durch die Polizei unterbrochen worden war, verließ Brecht mit Helene Weigel (1900–1971), seinen Kindern und FreundInnen am 28. Februar 1933, einen Tag nach dem Reichstagsbrand, Berlin. Die Gruppe floh über Prag, Wien, Zürich vor den Nazi-Faschisten nach Dänemark. Die meisten Gedichte, die dort entstanden sind, sind dem antifaschistischen Kampf gewidmet.
Seit April 1933 stand Brecht auf der von Wolfgang Herrmann verfassten „Schwarzen Liste“; deshalb wurden seine Bücher am 10. Mai 1933 von den Hitlerfaschisten verbrannt und am Tag darauf seine gesamten Werke verboten. 1935 wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. 1935/36 unternahm er eine Reise in die USA. 1939 übersiedelte Brecht wegen des auch in Dänemark drohenden Krieges nach Schweden und von da nach Finnland. Nachdem 1941 in Zürich das Antikriegsstück „Mutter Courage und ihre Kinder“ uraufgeführt worden war, ging er ins Exil in die USA, wo er als „feindlicher Ausländer“ vom Federal Bureau of Investigation (FBI) überwacht wurde. Am Ende seiner Fluchtroute traf er in New York mit vielen emigrierten Intellektuellen zusammen.
Rückkehr nach Europa
Bis zu seiner Rückkehr nach Europa im Jahr 1947 hatte er viele Stationen durchlaufen. Nachdem 1947 das Stück „Galileo Galilei“ in Beverly Hills uraufgeführt worden war, wurde Brecht vor das „Komitee für unamerikanische Umtriebe“ in Washington vorgeladen und verhört. Man warf ihm vor, revolutionäre Gedichte, Stücke und weitere Texte verfasst zu haben und in Kontakt zur kommunistischen Partei zu stehen. Er reiste unverzüglich aus den USA in die Schweiz aus. Dort verbrachte er zunächst ein Jahr in Zürich, bevor er 1948 nach Ost-Berlin zog. Mit Helene Weigel als Intendantin gründete er das Berliner Ensemble, das 1954 mit dem Theater am Schiffbauerdamm eine feste Bleibe erhielt. In vielen Aufführungen von Brechts Stücken spielte Helene Weigel die Hauptrollen. 1955 sprach Brecht auf der Tagung des Deutschen Friedensrats in Dresden. Er übergab dem Friedensrat eine Petition mit über 175.000 Unterschriften gegen die Pariser Verträge, die die Aufnahme der BRD in das westliche Verteidigungsbündnis NATO vorsahen.
Bertolt Brecht starb am 14. August 1956 in Berlin (DDR). Am 17. August wurde er beigesetzt. Bei der Beerdigung, die unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Dorotheenfriedhof in der Chausseestraße stattfand, wurde, wie er es sich gewünscht hatte, nicht gesprochen.
Literatur
- Bertold Brecht (1898–1956), in: Manfred Isemeyer: Das säkulare Berlin. Berlin 2021, S. 46.
- Hella Hertzfeldt: Helene Weigel (1900–1971). Politisch exponierte Schauspielerin, in: Gisela Notz (Hrsg.): Wegbereiterinnen. Berühmte, bekannte und zu Unrecht vergessene Frauen aus der Geschichte, Neu-Ulm 2000, S. 280–281.
- Stephen Parker: Bertolt Brecht. Eine Biographie, Berlin 2026.



