Robert Burns ( 25. Januar 1759 – 21. Juli 1796)

The Freethinking Poet

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Beitragsbild: Alexander Nasmyth: Robert Burns (1787). Public Domain, via Wikimedia Commons.

Vor 230 Jahren, am 21. Juli 1796, starb Robert Burns, der als schottischer Nationaldichter schlechthin gilt. Seine Balladen und Lieder sind bis heute weltweit bekannt – besonders „Auld Lang Syne“, eines der berühmtesten Abschieds- und Freundschaftslieder überhaupt. Das Lied des überzeugten Aufklärers Burns steht für eine weltliche Haltung und wurde später dennoch religiös umgedeutet.

Robert Burns (gebo­ren 25. Janu­ar 1759 in Allo­way, Schott­land – gestor­ben am 21. Juli 1796 Dum­fries, Schott­land) gilt als der schot­ti­sche Natio­nal­dich­ter schlecht­hin. Sei­ne Bal­la­den und Lie­der sind bis heu­te von außer­or­dent­li­cher Popu­la­ri­tät. Nicht nur in sei­nen schot­ti­schen Tex­ten, denn er gilt auch als einer der größ­ten lyri­schen Dich­ter der eng­li­schen Spra­che und ist ent­spre­chend im gan­zen angel­säch­si­schen Sprach­raum bekannt. An sei­nem Geburts­tag, dem 25. Janu­ar, „Burns Night“ genannt, wird welt­weit in vie­len schot­ti­schen Gemein­schaf­ten ein „Burns Sup­per“ began­gen. Es wird das klas­si­sche schot­ti­sche Gericht „Hag­gis“ – ein Schafs­ma­gen gefüllt mit Inne­rei­en – geges­sen und dabei die Gedich­te von Burns fei­er­lich rezi­tiert. Natür­lich darf bei jeg­li­chem Geden­ken an Burns welt­weit auch der fei­er­li­che Gesang von Burns‘ bekann­tes­tem Lied nicht feh­len: „Should Auld Acquain­tance Be For­got „Soll­ten alte Bekann­te ver­ges­sen wer­den?“] – bzw. „Auld Lang Syne“ – oder eng­lisch „Old Long Sin­ce“ [sinn­ge­mäß „längst ver­gan­ge­ne Zeit“]. Es ist dies ein popu­lä­res Abschieds- und Freund­schafts­lied, eines der bekann­tes­ten schot­ti­schen Lie­der über­haupt und wird im gan­zen eng­lisch­spra­chi­gen Raum gesun­gen. In Deutsch­land wird häu­fig noch eine unrich­ti­ge Nach­dich­tung gesun­gen – wobei es sich um eine ech­te kul­tu­rel­le Aneig­nung, um Sin­num­deu­tung der christ­li­chen Pfad­fin­der han­delt, die dar­in einen reli­giö­sen Bezug her­stellt: „… Wir ruhen all‘ in Got­tes Hand“). Das Ori­gi­nal von Burns dage­gen ist aller­dings rein welt­lich und hat kei­ner­lei Got­tes­be­zug. Burns war selbst ein dezi­dier­ter Anhän­ger der Auf­klä­rung und muss­te sich immer gegen reli­giö­se Fana­ti­ker weh­ren.

Die The­men sei­ner Gedich­te, meist vor­ge­tra­gen mit tra­di­tio­nel­len schot­ti­schen Melo­dien, sind volks­tüm­lich, han­deln von Lie­be, sind aber auch sati­risch, gesell­schafts- und reli­gi­ons­kri­tisch.

Burns wuchs in einer ein­fa­chen Bau­ern­fa­mi­lie auf und erlang­te Zugang zu umfas­sen­der Bil­dung. Bereits mit 15 Jah­ren schrieb er sei­ne ers­ten Gedich­te. Sein Talent wur­de ent­deckt, sodass er Auf­trä­ge für Gedich­te anläss­lich gesell­schaft­li­cher Anläs­se erhielt. Bald setz­te er sich in sei­nen Wer­ken aber auch kri­tisch mit den gesell­schaft­li­chen Zustän­den aus­ein­an­der, wur­de Anhän­ger der Auf­klä­rung und repu­bli­ka­ni­scher Ideen und ent­wi­ckel­te sich in jeder Hin­sicht zu einem Frei­geist. Sein in der dama­li­gen Zeit als zu aus­schwei­fen emp­fun­de­ner Lebens­stil brach­te ihn schon früh in Kon­flikt mit der puri­ta­ni­schen Cal­vi­nis­ti­schen Kir­che, deren bigot­te Dop­pel­mo­ral Ziel sei­nes Spot­tes wur­de. Er wur­de gemein­sam mit sei­nen Lieb­schaf­ten mit demü­ti­gen­den Kir­chen­stra­fen belegt. Mit 21 Jah­ren trat er einer Frei­mau­rer­lo­ge bei, die ihm zeit sei­nes Lebens unter­stütz­te und Rück­halt gab. Burns nahm als Frei­geist einen mehr und mehr agnos­ti­schen Stand­punkt ein. Burns drück­te sei­nen Stand­punkt so aus: „Reli­giö­ser Unsinn ist der meis­te nicht-sen­si­ble Unsinn. War­um hat eine reli­giö­se Wen­dung des Geis­tes immer eine Ten­denz zur Ver­här­tung des Her­zens? Alle mei­ne Ängs­te sind aus die­ser Welt.”

In die­ser Zeit sich in Schott­land öffent­lich als Athe­ist zu beken­nen, wäre gefähr­lich gewe­sen. Die letz­te Hin­rich­tung in Edin­burgh an dem 20-jäh­ri­gen Tho­mas Aiken­head wegen Blas­phe­mie hat­te 1697 statt­ge­fun­den. Noch immer droh­ten aber Gefäng­nis­stra­fen und sozia­le Äch­tung. Doch Robert Burns geriet mit­un­ter an die Gren­ze des Erlaub­ten. Er war kein Freund der Kir­che, die ihn wegen eini­ger sei­ner roman­ti­schen Ver­feh­lun­gen schi­ka­niert hat­te. Er ver­ach­te­te ent­schie­den die cal­vi­nis­ti­sche Prä­de­sti­na­ti­ons­leh­re, die Vor­stel­lung, dass eine Min­der­heit das Glück habe, zu den „Aus­er­wähl­ten“ zu gehö­ren, wäh­rend alle ande­ren, unge­ach­tet ihrer Tugen­den oder deren Feh­len, zur Höl­le ver­dammt sei­en. Eines sei­ner bes­ten Gedich­te „Holy Wil­lies Gebet“, war eine sati­ri­sche Atta­cke auf einen der selbst­ge­rech­ten Wür­den­trä­ger der ört­li­chen Kir­che. In der ers­ten unzen­sier­ten Fas­sung, ver­spot­te­te Burns die Idee der Aus­er­wähl­ten: „O du, der du im Him­mel wohnst! | Der du, wie es dir am bes­ten gefällt, | einen in den Him­mel und zehn in die Höl­le sen­dest, | allein zu Dei­ner Ehre | und nicht für Gutes oder Böses, | das sie vor Dir getan haben.“

1786 ver­öf­fent­lich­te Burns sei­ne frü­hen Gedich­te, in der Hoff­nung mit dem Ver­kaufs­er­lös die Mit­tel für eine Aus­wan­de­rung zusam­men­zu­be­kom­men. Der Ver­kauf war erfolg­reich, sodass er von Aus­wan­de­rungs­ge­dan­ken Abstand nahm und sich in Edin­burgh ansie­deln konn­te. Von hier aus bereis­te er ganz Schott­land und sam­mel­te Volks­lie­der und ‑Dich­tun­gen. Von 1788 an leb­te er wie­der auf dem Land.

Burns‘ poli­ti­sche Auf­sät­ze kri­ti­sier­ten die sozia­le gesell­schaft­li­che Ungleich­heit. In sei­ner Poe­sie iden­ti­fi­zier­te er sich stets mit den Unter­drück­ten und Benach­tei­lig­ten. Mit sei­ner Hym­ne „A Man’s A Man For A’ That“, pro­pa­gier­te er sei­ne Vor­stel­lun­gen von Frei­heit und Gleich­heit. Der deut­sche Frei­heits­dich­ter Fer­di­nand Frei­li­grath (1810–1876) schuf dar­aus sei­ne bekannt gewor­de­ne Nach­dich­tung „Trotz alle­dem“.

Burns war poli­tisch radi­kal und repu­bli­ka­nisch gesinnt, bekann­te sich zum Den­ken von Tho­mas Pai­ne (1737–1809) und zur Ame­ri­ka­ni­schen und Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on, ver­fass­te 1794 eine „Ode zum Geburts­tag von Gene­ral Washing­ton“, die zu sei­nen Leb­zei­ten in sei­ner Hei­mat noch nicht ver­öf­fent­licht wer­den durf­te. Für sei­ne Kri­tik an reli­giö­ser Heu­che­lei und sei­nen poli­ti­schen Radi­ka­lis­mus ver­dient Robert Burns daher durch­aus die Bezeich­nung Free-Thin­ker.

Robert Burns Leben und Werk stell­te in der frei­geis­ti­gen eng­lisch­spra­chi­gen Welt einen hohen Iden­ti­fi­ka­ti­ons­fak­tor dar, ver­gleich­bar und geteilt viel­leicht nur noch von Per­sön­lich­kei­ten wie Tho­mas Pai­ne, Per­cy Byss­he Shel­ley (1792–1822) und im spä­ten 19. Jahr­hun­dert zu Robert Green Inger­soll (1833–1899).

Der US-ame­ri­ka­ni­sche Künst­ler-Kari­ka­tu­rist Wat­son Hes­ton (1846–1905), des­sen Popu­la­ri­tät wäh­rend des soge­nann­ten „Gol­de­nen Zeit­al­ters des Frei­den­ker­tums in Ame­ri­ka“ im spä­ten 19. Jahr­hun­dert ihren Höhe­punkt erreich­te, ver­öf­fent­lich­te u. a. vie­le gesell­schafts­kri­ti­sche Kari­ka­tu­ren, nahm ins­be­son­de­re die ein­fluss­rei­chen reli­giö­sen Fun­da­men­ta­lis­ten und ihre Ein­fluss­nah­me auf die Poli­tik aufs Korn und begrün­de­te die For­de­run­gen nach kon­se­quen­ter Umset­zung des Ver­fas­sungs­prin­zips der Tren­nung von Staat und Kir­che. Sei­ne kom­men­tier­ten Bil­der erschei­nen u. a. in den bekann­ten ame­ri­ka­ni­schen Frei­den­ker­zeit­schrif­ten „The Truth See­ker“ und „Free-Thought Ide­al“, sowie in sei­nen umfang­rei­chen illus­trier­ten Büchern „The Old Tes­ta­ment Comic­al­ly Illus­tra­ted“ (1892), „The New Tes­ta­ment Comic­al­ly Illus­tra­ted“ (1898) und dem Klas­si­ker „The Free­tin­kers‘ Pic­to­ri­al Text-Book …“ (1896). Wat­son Hes­tons Kari­ka­tur aus dem Jahr 1890 in „The Truth See­ker“ fei­ert Robert Burns, der bei bri­ti­schen und ame­ri­ka­ni­schen Free-Thin­kern glei­cher­ma­ßen beliebt war:

Die Unter­schrift unter dem Por­trät von Robert Burns:

„A FEW ITEMS FROM THE FREETHINKING POET.” …

[„Eini­ge Arti­kel vom frei­den­ken­den Dich­ter.

Er hass­te Heu­che­lei, er zer­riss ihr hei­li­ges Gewand, und für die­se Empö­rung ver­gab ihm die Heu­che­lei zu Leb­zei­ten nicht und hat bis heu­te nicht gelernt, ihm zu ver­ge­ben. – Alex­an­der Smith.“]

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