Robert Burns (geboren 25. Januar 1759 in Alloway, Schottland – gestorben am 21. Juli 1796 Dumfries, Schottland) gilt als der schottische Nationaldichter schlechthin. Seine Balladen und Lieder sind bis heute von außerordentlicher Popularität. Nicht nur in seinen schottischen Texten, denn er gilt auch als einer der größten lyrischen Dichter der englischen Sprache und ist entsprechend im ganzen angelsächsischen Sprachraum bekannt. An seinem Geburtstag, dem 25. Januar, „Burns Night“ genannt, wird weltweit in vielen schottischen Gemeinschaften ein „Burns Supper“ begangen. Es wird das klassische schottische Gericht „Haggis“ – ein Schafsmagen gefüllt mit Innereien – gegessen und dabei die Gedichte von Burns feierlich rezitiert. Natürlich darf bei jeglichem Gedenken an Burns weltweit auch der feierliche Gesang von Burns‘ bekanntestem Lied nicht fehlen: „Should Auld Acquaintance Be Forgot „Sollten alte Bekannte vergessen werden?“] – bzw. „Auld Lang Syne“ – oder englisch „Old Long Since“ [sinngemäß „längst vergangene Zeit“]. Es ist dies ein populäres Abschieds- und Freundschaftslied, eines der bekanntesten schottischen Lieder überhaupt und wird im ganzen englischsprachigen Raum gesungen. In Deutschland wird häufig noch eine unrichtige Nachdichtung gesungen – wobei es sich um eine echte kulturelle Aneignung, um Sinnumdeutung der christlichen Pfadfinder handelt, die darin einen religiösen Bezug herstellt: „… Wir ruhen all‘ in Gottes Hand“). Das Original von Burns dagegen ist allerdings rein weltlich und hat keinerlei Gottesbezug. Burns war selbst ein dezidierter Anhänger der Aufklärung und musste sich immer gegen religiöse Fanatiker wehren.
Die Themen seiner Gedichte, meist vorgetragen mit traditionellen schottischen Melodien, sind volkstümlich, handeln von Liebe, sind aber auch satirisch, gesellschafts- und religionskritisch.
Burns wuchs in einer einfachen Bauernfamilie auf und erlangte Zugang zu umfassender Bildung. Bereits mit 15 Jahren schrieb er seine ersten Gedichte. Sein Talent wurde entdeckt, sodass er Aufträge für Gedichte anlässlich gesellschaftlicher Anlässe erhielt. Bald setzte er sich in seinen Werken aber auch kritisch mit den gesellschaftlichen Zuständen auseinander, wurde Anhänger der Aufklärung und republikanischer Ideen und entwickelte sich in jeder Hinsicht zu einem Freigeist. Sein in der damaligen Zeit als zu ausschweifen empfundener Lebensstil brachte ihn schon früh in Konflikt mit der puritanischen Calvinistischen Kirche, deren bigotte Doppelmoral Ziel seines Spottes wurde. Er wurde gemeinsam mit seinen Liebschaften mit demütigenden Kirchenstrafen belegt. Mit 21 Jahren trat er einer Freimaurerloge bei, die ihm zeit seines Lebens unterstützte und Rückhalt gab. Burns nahm als Freigeist einen mehr und mehr agnostischen Standpunkt ein. Burns drückte seinen Standpunkt so aus: „Religiöser Unsinn ist der meiste nicht-sensible Unsinn. Warum hat eine religiöse Wendung des Geistes immer eine Tendenz zur Verhärtung des Herzens? Alle meine Ängste sind aus dieser Welt.”
In dieser Zeit sich in Schottland öffentlich als Atheist zu bekennen, wäre gefährlich gewesen. Die letzte Hinrichtung in Edinburgh an dem 20-jährigen Thomas Aikenhead wegen Blasphemie hatte 1697 stattgefunden. Noch immer drohten aber Gefängnisstrafen und soziale Ächtung. Doch Robert Burns geriet mitunter an die Grenze des Erlaubten. Er war kein Freund der Kirche, die ihn wegen einiger seiner romantischen Verfehlungen schikaniert hatte. Er verachtete entschieden die calvinistische Prädestinationslehre, die Vorstellung, dass eine Minderheit das Glück habe, zu den „Auserwählten“ zu gehören, während alle anderen, ungeachtet ihrer Tugenden oder deren Fehlen, zur Hölle verdammt seien. Eines seiner besten Gedichte „Holy Willies Gebet“, war eine satirische Attacke auf einen der selbstgerechten Würdenträger der örtlichen Kirche. In der ersten unzensierten Fassung, verspottete Burns die Idee der Auserwählten: „O du, der du im Himmel wohnst! | Der du, wie es dir am besten gefällt, | einen in den Himmel und zehn in die Hölle sendest, | allein zu Deiner Ehre | und nicht für Gutes oder Böses, | das sie vor Dir getan haben.“
1786 veröffentlichte Burns seine frühen Gedichte, in der Hoffnung mit dem Verkaufserlös die Mittel für eine Auswanderung zusammenzubekommen. Der Verkauf war erfolgreich, sodass er von Auswanderungsgedanken Abstand nahm und sich in Edinburgh ansiedeln konnte. Von hier aus bereiste er ganz Schottland und sammelte Volkslieder und ‑Dichtungen. Von 1788 an lebte er wieder auf dem Land.
Burns‘ politische Aufsätze kritisierten die soziale gesellschaftliche Ungleichheit. In seiner Poesie identifizierte er sich stets mit den Unterdrückten und Benachteiligten. Mit seiner Hymne „A Man’s A Man For A’ That“, propagierte er seine Vorstellungen von Freiheit und Gleichheit. Der deutsche Freiheitsdichter Ferdinand Freiligrath (1810–1876) schuf daraus seine bekannt gewordene Nachdichtung „Trotz alledem“.
Burns war politisch radikal und republikanisch gesinnt, bekannte sich zum Denken von Thomas Paine (1737–1809) und zur Amerikanischen und Französischen Revolution, verfasste 1794 eine „Ode zum Geburtstag von General Washington“, die zu seinen Lebzeiten in seiner Heimat noch nicht veröffentlicht werden durfte. Für seine Kritik an religiöser Heuchelei und seinen politischen Radikalismus verdient Robert Burns daher durchaus die Bezeichnung Free-Thinker.
Robert Burns Leben und Werk stellte in der freigeistigen englischsprachigen Welt einen hohen Identifikationsfaktor dar, vergleichbar und geteilt vielleicht nur noch von Persönlichkeiten wie Thomas Paine, Percy Bysshe Shelley (1792–1822) und im späten 19. Jahrhundert zu Robert Green Ingersoll (1833–1899).
Der US-amerikanische Künstler-Karikaturist Watson Heston (1846–1905), dessen Popularität während des sogenannten „Goldenen Zeitalters des Freidenkertums in Amerika“ im späten 19. Jahrhundert ihren Höhepunkt erreichte, veröffentlichte u. a. viele gesellschaftskritische Karikaturen, nahm insbesondere die einflussreichen religiösen Fundamentalisten und ihre Einflussnahme auf die Politik aufs Korn und begründete die Forderungen nach konsequenter Umsetzung des Verfassungsprinzips der Trennung von Staat und Kirche. Seine kommentierten Bilder erscheinen u. a. in den bekannten amerikanischen Freidenkerzeitschriften „The Truth Seeker“ und „Free-Thought Ideal“, sowie in seinen umfangreichen illustrierten Büchern „The Old Testament Comically Illustrated“ (1892), „The New Testament Comically Illustrated“ (1898) und dem Klassiker „The Freetinkers‘ Pictorial Text-Book …“ (1896). Watson Hestons Karikatur aus dem Jahr 1890 in „The Truth Seeker“ feiert Robert Burns, der bei britischen und amerikanischen Free-Thinkern gleichermaßen beliebt war:

Die Unterschrift unter dem Porträt von Robert Burns:
„A FEW ITEMS FROM THE FREETHINKING POET.” …
[„Einige Artikel vom freidenkenden Dichter.
Er hasste Heuchelei, er zerriss ihr heiliges Gewand, und für diese Empörung vergab ihm die Heuchelei zu Lebzeiten nicht und hat bis heute nicht gelernt, ihm zu vergeben. – Alexander Smith.“]



