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Interview mit Clara Wilmes

Junge Humanist*innen: Jugendverbandsarbeit in Corona-Zeiten

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JuHu Berlin am Welthumanistentag 2019.
JuHu Berlin am Welthumanistentag 2019.

Beitragsbild: Juliane Kremberg

Im Interview berichtet die Junge Humanistin Clara Wilmes von den Erfahrungen und Herausforderungen in der Jugendverbandsarbeit in Corona-Zeiten, neuen digitalen Formaten und der Wichtigkeit eines Wir-Gefühls.

Clara, worin besteht dein Engagement für die JuHus?

Durch mein FSJ sind mir die Jugend­ver­bands­ar­beit und die JuHus sehr ans Herz gewach­sen, wes­halb ich auch danach noch ehren­amt­lich aktiv war und mich wei­ter im Büro und als Teame­rin enga­giert habe. Ich war von Anfang an begeis­tert von den Zie­len und Inhal­ten, mit denen sich JuHu beschäf­tigt. Die­se Begeis­te­rung für das (ehren­amt­li­che) Enga­ge­ment und den Ein­satz für poli­ti­sche The­men möch­te ich gern mit mei­ner Arbeit für den Ver­band an ande­re jun­ge Men­schen wei­ter­ge­ben. Umso mehr habe ich mich über die Mög­lich­keit gefreut, mein Stu­di­um mit der Arbeit bei JuHu zu kom­bi­nie­ren.

Was sind denn deine Aufgaben bei den JuHus?

Wäh­rend mei­nes FSJ habe ich ganz ver­schie­de­ne Auf­ga­ben über­nom­men: admi­nis­tra­ti­ve Sach­auf­ga­ben im Büro, das Orga­ni­sie­ren und Durch­füh­ren von Work­shops und Feri­en­fahr­ten und Öffent­lich­keits­ar­beit. Mei­ne aktu­el­len Arbeits­be­rei­che sind ähn­lich wie damals im FSJ, aller­dings über­neh­me ich jetzt mehr Ver­ant­wor­tung für umfang­rei­che Auf­ga­ben. Ich war zum Bei­spiel ver­ant­wort­lich für eine Matrix-Par­ty in Koope­ra­ti­on mit der Jugend­FEI­ER, wel­che jedoch lei­der wegen der Coro­na-Maß­nah­men abge­sagt wer­den muss­te. Außer­dem fah­re ich regel­mä­ßig als Teame­rin auf unse­re Fahr­ten mit und lei­te Work­shops mit Jugend­li­chen zu unter­schied­li­chen The­men an.

Cla­ra Wil­mes ist in Ber­lin gebo­ren und auf­ge­wach­sen. Nach dem Abitur 2017 woll­te sie sich erst ein­mal mit einem ein Frei­wil­li­ges Sozia­les Jahr (FSJ) in der Arbeits­welt ori­en­tie­ren – und lan­de­te bei den Jun­gen Humanist*innen in Ber­lin.

Wie hat die Corona-Pandemie eure Arbeit beeinflusst? Wie habt ihr auf die veränderten Rahmenbedingungen reagiert?

Die Coro­na-Pan­de­mie hat unse­re Arbeit und ganz all­ge­mein die Jugend­ver­bands­ar­beit stark beein­flusst. Von einem Tag auf den ande­ren muss­ten wir uns auf die Arbeit im Home­of­fice umstel­len und unse­re gesam­te Jah­res­pla­nung stand in Fra­ge, von Feri­en- und Wochen­end­fahr­ten bis zu unse­rer Julei­ca-Schu­lung. Da sich die Infor­ma­tio­nen rund um Coro­na und Grup­pen­an­ge­bo­te stän­dig geän­dert haben, war es für uns sehr her­aus­for­dernd, die kom­men­de Zeit zu pla­nen und Ent­schei­dun­gen bezüg­lich der Umset­zung unse­rer Ange­bo­te zu tref­fen. In Beach­tung der vor­ge­ge­be­nen Rah­men­be­din­gun­gen für die Jugend­ar­beit haben wir nun neue Ange­bo­te in Koope­ra­ti­on mit eini­gen Bezirks­äm­tern ent­wi­ckelt, um Jugend­li­chen trotz bezie­hungs­wei­se vor allem wäh­rend sol­cher Zei­ten einen erhol­sa­men Som­mer bie­ten zu kön­nen. So haben wir trotz feh­len­der Prä­senz-Ange­bo­te ver­sucht schnellst­mög­lich zu reagie­ren, um wei­ter­hin unse­re Ziel­grup­pe zu errei­chen.

Mir ist aufgefallen, dass ihr seit Beginn der Einschränkungen sehr verstärkt in den sozialen Medien aktiv seid. Inwiefern eignen sich Facebook und Co, um Jugendarbeit zu betreiben?

Unse­re Ziel­grup­pe besteht vor­wie­gend aus Jugend­li­chen und jun­gen Men­schen, aus deren Leben die moder­nen Medi­en kaum weg­zu­den­ken sind. Über unse­re Social-Media-Kanä­le kön­nen wir sehr nied­rig­schwel­lig an unse­re Ziel­grup­pe her­an­tre­ten, Kon­takt auf­neh­men und poli­ti­sche und huma­nis­ti­sche Wer­te und Inhal­te ver­mit­teln. Vor allem zwi­schen März und Mai, als wegen der Coro­na-Pan­de­mie stren­ge Aus­gangs- und Kon­takt­be­schrän­kun­gen gal­ten und wir kei­ne Prä­senz-Ver­an­stal­tun­gen durch­füh­ren konn­ten, haben wir unse­re Prä­senz bei Face­book und Insta­gram aus­ge­baut. Wir woll­ten zei­gen, dass es uns JuHus trotz­dem noch gibt, uns bestimm­te The­men wei­ter­hin wich­tig sind und wir für die­se ein­ste­hen wol­len.

Ihr habt in den vergangenen Wochen auch digitale Workshops oder Vorträge angeboten, zum Beispiel zu den Themen Nachhaltigkeit, Geschlecht und Feminismus oder zu ziviler Seenotrettung. Wie wurden eure digitalen Angebote auf- und angenommen?

Unse­re Work­shops wur­den inhalt­lich alle­samt von unse­ren ehren­amt­li­chen JuHus orga­ni­siert und ich selbst habe an den meis­ten Work­shops teil­ge­nom­men. Von den Jugend­li­chen und jun­gen Men­schen, die an den Work­shops teil­ge­nom­men haben, haben wir ins­ge­samt gutes Feed­back zu den Inhal­ten und der jewei­li­gen Umset­zung erhal­ten. Aller­dings war die Anzahl der Teilnehmer*innen bei allen Work­shops eher über­schau­bar. Wir hät­ten uns ger­ne noch mehr neue Gesich­ter gewünscht, weil uns die Inhal­te sehr am Her­zen lie­gen und wir die­se gern mit mehr Men­schen geteilt und dis­ku­tiert hät­ten. Unse­re „Work­shop-Rei­he“ lief von April bis Juni. Jetzt, wo es auf­grund der Locke­run­gen wie­der mög­lich ist, wol­len wir uns wie­der auf Live-Ver­an­stal­tun­gen kon­zen­trie­ren.

Welche Themen sind für euch aktuell besonders wichtig? Sind es andere Themen als noch vor „Corona“?

Grund­sätz­lich steht JuHu für huma­nis­ti­sche Wer­te ein: für eine tole­ran­te, demo­kra­ti­sche und inklu­si­ve Gesell­schaft, in der Dis­kri­mi­nie­rung, Ras­sis­mus und Sexis­mus kei­nen Platz haben. Mit The­men wie die­sen haben wir uns sowohl vor als auch wäh­rend Coro­na-Zei­ten beschäf­tigt. Jedoch sind durch die Pan­de­mie und die damit ein­her­ge­hen­den Pro­ble­me eini­ge The­men­kom­ple­xe wie Rege­lun­gen zum Schwan­ger­schafts­ab­bruch oder die Situa­ti­on in eini­gen Geflüch­te­ten­la­gern noch mehr in unse­ren Fokus gera­ten. Die­se The­men haben wir vor allem auf unse­ren Social-Media-Kanä­len behan­delt, um Auf­merk­sam­keit dafür zu gewin­nen.

Die Art und Wei­se der Ver­mitt­lung unse­rer Wer­te und The­men sind eben­falls ein wich­ti­ger Bestand­teil unse­rer Arbeit. Durch die Neu­or­ga­ni­sa­ti­on der Som­mer­fe­ri­en und die Ein­hal­tung der durch Coro­na vor­ge­ge­be­nen Rah­men­be­din­gun­gen sind wir hier vor neue Her­aus­for­de­run­gen in der Ange­bots­ge­stal­tung gestellt und geben unser Bes­tes, die­se so gut wie mög­lich umzu­set­zen.

Was hat es mit eurer „unbezahlten Werbung“ für Bücher auf euren Social-Media-Kanälen auf sich?

Auf der Suche nach Alter­na­tiv-For­ma­ten, wel­che ohne Prä­senz statt­fin­den kön­nen, kam die Idee auf, Buch­tipps zu prä­sen­tie­ren. Vie­le Men­schen haben ver­mehrt Zeit zu Hau­se ver­bracht und durch den Schul­aus­fall hat­te unse­re Ziel­grup­pe auch mehr Frei­zeit. Wir dach­ten, dass dies eine gute Mög­lich­keit sein könn­te, dazu zu ani­mie­ren, mal das Han­dy aus der Hand zu legen und ein Buch zu lesen. Gleich­zei­tig konn­ten wir mit der Aus­wahl der Bücher unse­re „JuHu-The­men“ ver­brei­ten und zum Wei­ter­bil­den inspi­rie­ren. Um unse­ren Ehren­amt­li­chen einen Raum zur Par­ti­zi­pa­ti­on zu geben, wur­den die Buch­tipps vor allem von unse­ren akti­ven JuHus ver­fasst.

Was nehmt ihr aus den letzten Monaten mit?

Ganz nach dem Ansatz „Kri­se als Chan­ce“ haben wir die neu­en Her­aus­for­de­run­gen zum Anlass genom­men, um neue For­ma­te zu orga­ni­sie­ren und aus­zu­pro­bie­ren. Wir haben uns mit kom­plett neu­en Kon­zep­ten zur Umset­zung von Jugend­ver­bands­ar­beit befasst, an wel­che wir womög­lich letz­tes Jahr noch gar nicht gedacht hät­ten.

Wir haben aber auch fest­ge­stellt, dass Jugend­ver­bands­ar­beit für uns sehr viel mit Prä­senz zu tun hat und kaum mach­bar ist ohne Live-Ver­an­stal­tun­gen. Sowohl die Arbeit inner­halb des Büros ist müh­sa­mer aus dem Home­of­fice als auch die Orga­ni­sa­ti­on und Durch­füh­rung unse­rer Ange­bo­te. Jugend­ver­bands­ar­beit ist für uns nicht nur die Über­mitt­lung und Dis­kus­si­on von The­men, son­dern auch das damit ein­her­ge­hen­de Grup­pen­ge­fühl, die zwi­schen­mensch­li­chen Bezie­hun­gen und das Gefühl, gemein­sam etwas zu schaf­fen.

Mir ist es dabei wich­tig zu beto­nen, dass JuHu mehr ist als nur Som­mer­rei­sen oder Wochen­end­fahr­ten. Bei uns kann man außer­dem coo­le Leu­te bei ver­schie­de­nen For­ma­ten wie der Julei­ca-Schu­lung, ein­zel­nen Work­shops oder Demo-Vor­be­rei­tun­gen ken­nen­ler­nen und sich gemein­sam für poli­ti­sche The­men enga­gie­ren. Es gibt dabei ganz unter­schied­li­che Mög­lich­kei­ten ehren­amt­lich aktiv zu wer­den, eige­ne Ideen mit ein­zu­brin­gen und das Jugend­ver­bands­le­ben mit­zu­ge­stal­ten.

Danke für das Interview!

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