Miteinander

Was ist menschlich? Höher, schneller, weiter – oder etwas ganz anderes?

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Beitragsbild: Pixabay/merhanhaval22

Seit einer Woche trifft sich die Sportwelt in Paris. Schon die Eröffnungszeremonie war ein Superlativ. Und nun werden wieder Rekorde gejagt. Doch nicht nur dort. Auch in der Wirtschaft, der Finanzwelt geht es um Rekordgewinne oder eben auch -verluste.

In einer Welt, die immer schnel­ler, höher und wei­ter strebt, drängt sich die Fra­ge auf: Ist das wirk­lich das, was uns mensch­lich macht? Der Druck, stän­dig mehr zu errei­chen, scheint all­ge­gen­wär­tig. Doch könn­te es sein, dass das Mensch­sein etwas ganz ande­res bedeu­tet? Ein Blick auf unse­re Gesell­schaft zeigt ein kla­res Bild. Vom frü­hen Mor­gen bis spät in die Nacht jagen wir den Zie­len hin­ter­her. Sei es im Beruf, im Sport oder im sozia­len Umfeld – das Stre­ben nach Höchst­leis­tun­gen domi­niert. Unser All­tag ist durch­setzt von Begrif­fen wie „Effi­zi­enz“, „Opti­mie­rung“ und „Pro­duk­ti­vi­tät“. In sozia­len Medi­en prä­sen­tie­ren wir die per­fek­te Ver­si­on unse­res Lebens, ein Höhe­punkt jagt den nächs­ten. Aber wo bleibt dabei der Mensch? Mensch­lich zu sein bedeu­tet doch mehr, als nur Höchst­leis­tun­gen zu erbrin­gen. Es bedeu­tet, Feh­ler zu machen, Schwä­chen zu zei­gen und Pau­sen zu brau­chen. Es bedeu­tet, sich mit ande­ren zu ver­bin­den, Empa­thie zu emp­fin­den und Mit­ge­fühl zu zei­gen. Es bedeu­tet, sich Zeit zu neh­men – für sich selbst und für ande­re. 

Stel­len wir uns eine Welt vor, in der nicht der Wett­be­werb, son­dern das Mit­ein­an­der im Vor­der­grund steht. Eine Welt, in der wir uns nicht durch unse­re Erfol­ge, son­dern durch unse­re Mensch­lich­keit defi­nie­ren. In der wir uns gegen­sei­tig unter­stüt­zen und inspi­rie­ren, anstatt uns stän­dig zu ver­glei­chen. In der die klei­nen Din­ge des Lebens wie­der zäh­len: ein Lächeln, ein freund­li­ches Wort, eine hel­fen­de Hand. Es ist an der Zeit, dass wir unser Ver­ständ­nis von Erfolg über­den­ken. Höher, schnel­ler, wei­ter – das mag beein­dru­ckend klin­gen, doch die wah­ren Errun­gen­schaf­ten des Mensch­seins lie­gen oft im Unsicht­ba­ren, im Zwi­schen­mensch­li­chen. Die Fähig­keit, in schwie­ri­gen Zei­ten zusam­men­zu­ste­hen, das Talent, Freu­de zu tei­len, und der Mut, Schwä­che zu zei­gen, sind Qua­li­tä­ten, die uns wahr­haft mensch­lich machen.

Lasst uns also inne­hal­ten und den Wert des Mensch­li­chen neu ent­de­cken. Lasst uns Raum für Schwä­chen schaf­fen und Feh­ler als Teil unse­res Wachs­tums akzep­tie­ren. Lasst uns den Erfolg nicht in Zah­len, son­dern in mensch­li­chen Bezie­hun­gen und Erfah­run­gen mes­sen. Denn am Ende des Tages sind es nicht die Tro­phä­en oder die Rekor­de, die uns in Erin­ne­rung blei­ben, son­dern die Momen­te der Mensch­lich­keit, die wir mit­ein­an­der tei­len. Das ist es, was uns wirk­lich mensch­lich macht. Und des­halb gön­ne ich mir jetzt eine Pau­se, rufe mei­ne Schwes­ter an und wer­de mit ihr ein­fach nur den Tag genie­ßen. Ihnen allen wün­sche ich die Men­schen, die Ihnen gut­tun; ohne Ver­glei­che anzu­stel­len – ohne höher, schnel­ler, wei­ter.

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