International Humanist Conference 2025 in Luxemburg

Wissenschaftliche Allgemeinbildung als Schlüssel für eine offene Gesellschaft

| von
Die Hoffotografen
v.l.n.r.: Bob Reuter, Christian Meyers, Clemens Lintschinger. Luxemburg, Juli 2025

Beitragsbild: Humanists International

„From Awareness to Action“ lautete das Motto der International Humanist Conference 2025 in Luxemburg. Vertreter*innen aus Wissenschaft, Bildung und Zivilgesellschaft zeigten eindrucksvoll, warum wissenschaftliche Bildung entscheidend für die Zukunft offener und widerstandsfähiger Demokratien ist.

Am 5. Juli 2025 lud die Alli­anz vun Huma­nis­ten, Athe­is­ten an Agnos­ti­ker Lët­ze­buerg (AHA Lët­ze­buerg) in Zusam­men­ar­beit mit Huma­nists Inter­na­tio­nal zur Inter­na­tio­nal Huma­nist Con­fe­rence in Luxem­burg ein. Unter dem Mot­to „From Awa­re­ness to Action: Streng­thening Open Socie­ties through Sci­en­ti­fic Liter­acy“ dis­ku­tier­ten inter­na­tio­na­le und natio­na­le Expert*innen über die Rol­le wis­sen­schaft­li­cher Bil­dung für die Zukunft offe­ner Gesell­schaf­ten. Der Huma­nis­ti­sche Ver­band Ber­lin-Bran­den­burg war mit einer klei­nen Dele­ga­ti­on zu Gast.

Anlass zu die­ser Tagung im Vor­feld der „Gene­ral Assem­bly“ der Huma­nists Inter­na­tio­nal war die Erkennt­nis, in einer Zeit zu leben, in der popu­lis­ti­sche Bewe­gun­gen, Obsku­ran­tis­mus, Des­in­for­ma­ti­on und auto­ri­tä­re Ten­den­zen welt­weit zuneh­men. Daher, so die Ver­an­stal­ter, wer­de die För­de­rung wis­sen­schaft­li­cher All­ge­mein­bil­dung zu einer demo­kra­ti­schen Not­wen­dig­keit. Sci­en­ti­fic Liter­acy – die Fähig­keit, wis­sen­schaft­li­che Infor­ma­tio­nen zu ver­ste­hen, kri­tisch zu bewer­ten und in gesell­schaft­li­che Ent­schei­dungs­pro­zes­se ein­zu­be­zie­hen – sei ein zen­tra­les Ele­ment, damit Bürger*innen aktiv und ver­ant­wor­tungs­voll an einer offe­nen Gesell­schaft teil­ha­ben kön­nen.

Eine wis­sen­schaft­lich gebil­de­te Bevöl­ke­rung kön­ne kom­ple­xe Sach­ver­hal­te bes­ser ver­ste­hen, kri­tisch hin­ter­fra­gen und zwi­schen evi­denz­ba­sier­ten Ansich­ten und Falsch­in­for­ma­tio­nen unter­schei­den. Wis­sen­schaft­li­che Bil­dung för­de­re auch die Fähig­keit, infor­mier­te Ent­schei­dun­gen zu tref­fen und sich aktiv in gesell­schaft­li­che Debat­ten ein­zu­brin­gen, was demo­kra­ti­sche Teil­ha­be und das Ver­trau­en in Insti­tu­tio­nen stär­ke. Resi­li­enz gegen­über Popu­lis­mus und Auto­ri­ta­ris­mus sei ein wei­te­rer Effekt: ein fun­dier­tes Ver­ständ­nis für wis­sen­schaft­li­che Zusam­men­hän­ge mache es schwie­ri­ger, durch ver­ein­fach­te Nar­ra­ti­ve oder ideo­lo­gisch moti­vier­te Des­in­for­ma­ti­on mani­pu­liert zu wer­den.

Dies dar­zu­stel­len war nun Auf­ga­be der Tagung. Nach der Begrü­ßung durch Andrew Cop­son, schei­den­der und am Fol­ge­tag durch Mag­gie Ardien­te abge­lös­ter lang­jäh­ri­ger Prä­si­dent der Huma­nists Inter­na­tio­nal, begann Chris­ti­an Mey­ers (Luxem­burg) den inhalt­li­chen Teil der Ver­an­stal­tung. Der Dozent für Erzie­hungs­wis­sen­schaf­ten the­ma­ti­sier­te in sei­nem Vor­trag die Rück­kehr des Obsku­ran­tis­mus und des­sen Aus­wir­kun­gen auf Wis­sen­schaft und Demo­kra­tie, um zu resü­mie­ren: eine Gesell­schaft, in der Wis­sen­schaft gefähr­det sei und man nicht ver­nünf­tig argu­men­tie­ren kön­ne, kön­ne letzt­end­lich auch nicht frei blei­ben.

Cle­mens Lint­schin­ger (Öster­reich), Jurist und Autor, sprach anschlie­ßend in sei­nem Vor­trag über die Not­wen­dig­keit star­ker Wis­sen­schaft in Demo­kra­tien und die Auf­ga­be, wis­sen­schaft­li­che Metho­den und Ergeb­nis­se gut zu kom­mu­ni­zie­ren. Es gehe dar­um, das Ver­trau­en in die Wis­sen­schaft zu stär­ken, den Dia­log zwi­schen For­schung und Gesell­schaft zu ver­tie­fen und wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­se als ein Geschenk an die Demo­kra­tie anzu­se­hen.

Im wei­te­ren Ver­lauf der Tagung wur­den kon­kre­te, inspi­rie­ren­de Bei­spie­le aus der Pra­xis vor­ge­stellt.

Moni­ca Belițoiu (Rumä­ni­en), NGO-Kom­mu­ni­ka­ti­ons­exper­tin, stell­te das Pro­jekt „The Sci­en­ti­fic Calen­dar“ vor, ein Wis­sen­schafts­ka­len­der, der jeden Tag mit einem Fakt oder einer Ent­de­ckung zum Stau­nen ein­lädt und damit wis­sen­schaft­li­che Bil­dung im All­tag för­dert.

David Pine­da (Gua­te­ma­la) stell­te das Pro­jekt „Sci­ence in a box“ vor, ein Bil­dungs­pro­jekt zum The­ma Wis­sen­schaft mit einer länd­li­chen Schu­le in den Hoch­lan­den von Nord­gua­te­ma­la.

Den­nis Fink (Luxem­burg), Wis­sen­schafts­kom­mu­ni­ka­tor am Luxem­bourg Sci­ence Cen­ter, sprach über inter­ak­ti­ve Wis­sen­schafts­er­leb­nis­se und spek­ta­ku­lä­re Wis­sen­schafts­shows als Mit­tel zur För­de­rung der wis­sen­schaft­li­chen All­ge­mein­bil­dung.

Leo Igwe (Nige­ria), Men­schen­rechts­ak­ti­vist, ana­ly­sier­te die Rol­le wis­sen­schaft­li­cher Bil­dung im Kampf gegen Hexen­ver­fol­gung in Afri­ka.

Sudesh Gho­de­rao (Indi­en), Che­mie­pro­fes­sor und Ratio­na­lis­mus-Akti­vist, erläu­ter­te Bil­dungs­pro­gram­me für Lehr­kräf­te in Indi­en, die einen wis­sen­schaft­li­chen Denk­an­satz för­dern.

Ann Kie­fer (Luxem­burg), Mathe­ma­ti­ke­rin und Gewin­ne­rin meh­re­rer Sci­ence Slams, prä­sen­tier­te inno­va­ti­ve Metho­den der Wis­sen­schafts­kom­mu­ni­ka­ti­on, um For­schungs­er­geb­nis­se für ein brei­tes Publi­kum ver­ständ­lich zu machen.

Lou­is Krie­ger (Luxem­burg), Wis­sen­schafts­kom­mu­ni­ka­tor am „Sci­en­teens Lab“, stell­te prak­ti­sche Work­shops vor, in denen Jugend­li­che eigen­stän­dig wis­sen­schaft­li­che Expe­ri­men­te durch­füh­ren kön­nen.

Han­na Sie­masz­ko (Luxem­burg), Pod­cast-Pro­du­zen­tin und Wis­sen­schafts­kom­mu­ni­ka­to­rin, erläu­ter­te, wie Pod­casts als effek­ti­ve Werk­zeu­ge zur Wis­sen­schafts­kom­mu­ni­ka­ti­on und zur För­de­rung offe­ner Gesell­schaf­ten die­nen kön­nen.

Mic­hè­le Weber (Luxem­burg), Wis­sen­schafts­kom­mu­ni­ka­to­rin beim Luxem­bourg Natio­nal Rese­arch Fund, zeig­te auf, wie Wis­sen­schaft anschau­lich und span­nend kom­mu­ni­ziert wer­den kann.

Und Boris van der Ham (Nie­der­lan­de), ehe­ma­li­ger Poli­ti­ker und huma­nis­ti­scher Autor, sprach über das Pro­jekt „Human for all sea­sons“, um über Wis­sen­schaft, Poe­sie, Musik, Geschich­ten aus aller Welt u.a. Inspi­ra­ti­on aus huma­nis­ti­scher Per­spek­ti­ve zu lie­fern.

Zwi­schen­durch und am Ende des Tages bei einem gemein­sa­men Din­ner war viel Gele­gen­heit, über all dies und ande­res mit­ein­an­der kul­tur- und natio­nen­über­grei­fend ins Gespräch zu kom­men und Kon­tak­te zu knüp­fen. Nicht zuletzt des­halb ist gelun­gen, was die­se Kon­fe­renz sich vor­ge­nom­men hat­te: die För­de­rung von kri­ti­schem Den­ken, Ver­nunft, evi­denz­ba­sier­tem Han­deln und Huma­nis­mus als eine Per­spek­ti­ve für eine mensch­li­che­re Zukunft fühl­bar zu machen.

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2 Gedanken zu „Wissenschaftliche Allgemeinbildung als Schlüssel für eine offene Gesellschaft“

  1. Guten Tag,

    ich woll­te auch wis­sen wie in Ihren Krei­sen der Dis­kus­si­ons­stand zur Auf­ar­bei­tung von Coro­na­mass­nah­men und Imp­fung ist, hier gibt es in der wis­sen­schaft­li­chen Bewer­tung anhal­tend Dif­fe­ren­zen, bei­spiels­wei­se in der Bewer­tung der Sicher­heit und Qua­li­tät der Impf­stof­fe
    Gibt es dazu noch­mal einen Arti­kel?

    Mit freund­li­chen Grüs­sen

    1. Franziska Schneider

      Lie­ber Ralph Metz­ger,

      die Coro­na-Zeit hat vie­le Fra­gen auf­ge­wor­fen und auch unter Humanist*innen wird dar­über ganz unter­schied­lich gedacht. Wir emp­feh­len Ihnen u.a. die­sen Arti­kel, der anläss­lich der Ein­set­zung der Enquete­kom­mis­si­on zur Auf­ar­bei­tung der Pan­de­mie erschie­nen ist. Der Rek­tor der Huma­nis­ti­schen Hoch­schu­le Ber­lin, Prof. Dr. Dr. h.c. Juli­an Nida-Rüme­lin, hat sie­ben drin­gen­de Emp­feh­lun­gen für die Auf­ar­bei­tung for­mu­liert. Natür­lich ist dies aber nur eine Mei­nung von vie­len: https://www.sueddeutsche.de/kultur/pandemie-aufarbeitung-bundestag-julian-nida-ruemelin-jonas-schmidt-chanasit-li.3287374?reduced=true

      Mit freund­li­chen Grü­ßen
      Fran­zis­ka Schnei­der

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