Fröhliche Kinder, ein buntes Aktionsangebot und wichtige Botschaften. Bei den Projekttagen „Fit für Kinderrechte auf der ganzen Welt“ des Humanistischen Verbandes Deutschlands verwandelte sich das Jugendkulturzentrum „Die Weisse Rose“ in Schöneberg am 12. und 13. Mai 2026 für etwa 300 Lebenskundekinder aus Berlin in einen Ort der Selbstwirksamkeit und des engagierten Lernens.
Unter der Leitung von Astrid Vollmar nehmen seit mittlerweile zwölf Jahren jedes Jahr viele engagierte Lebenskundelehrkräfte an dem Projekt teil und bereiten sich monatelang gemeinsam mit ihren Schüler*innen auf das Event vor. Hierfür beschäftigen sie sich im Lebenskundeunterricht intensiv mit dem Thema Kinderrechte, überlegen sich passende Aktionen und entscheiden in einem demokratischen Prozess, welche davon sie an einem der beiden Projekttage den anderen Teilnehmenden anbieten wollen.
Wegen der vielen beteiligten Klassen erstreckt sich das Festival über zwei Tage. Auftakt bildete an beiden Tagen die Präsentation der Schulen und ihrer Angebote durch die Kinder, ergänzt durch die Vorstellung der Workshops: „Pantomime“ mit der Schauspielerin Hannah Senft, „Liedertexte“ mit der Musikerin Suli Puschban sowie „Kindheit in den Anden – Schau über den Tellerrand“ mit der Bildungsreferentin Susana Fernandez. Alle Workshops boten den teilnehmenden Kindern die Möglichkeit, sich selbstbestimmt und performativ mit Kinderrechten auseinanderzusetzen. Die Ergebnisse wurden am Ende des jeweiligen Tages unter großem Applaus auf der Bühne präsentiert.
Aber zunächst wurde das Projekt von Astrid Vollmar festlich eröffnet. Nun konnten die Kinder an den zahlreichen liebevoll gestalteten Stationen das Angebot der anderen Schulen kennenlernen und ausprobieren. Und das war vielfältig. Manche Klassen konzentrierten sich auf ein Kinderrecht, wie beispielsweise „Gesundheit“ und boten einen Stand für Zuckerdetektive an, an welchem die Kinder den versteckten Zucker in Lebensmitteln schätzen sollten. Eine weitere Gruppe ließ zum Recht „Teilhabe“ Kinder mit Blindenstöcken und Rollstuhl einen selbst errichteten Parcours erkunden. Für das Recht „Schutz vor Gewalt“ wurden Stopphände gebastelt und für das Recht auf „Familie und Geborgenheit“ wurden Schlüsselanhänger gebastelt. Andere boten gemäß Kinderrecht „Recht auf Information über die eigenen Rechte“ ein selbstgemaltes Kinderrechte-Memory oder ‑Glücksrad an. Es gab auch einen Stand, der eine Kinderrechte-Wahl anbot. Hier konnten die Kinder für ihr Lieblingskinderrecht abstimmen. In diesem Jahr war „Recht, in die Schule gehen und lernen zu dürfen“ Sieger.
Unterstützt wurde das Projekt auch dieses Jahr wieder vom Humanistischen Verband Deutschlands und der Stockhausen Stiftung, darüber hinaus besteht eine Kooperation mit dem Deutschen Kinderhilfswerk und dem Kindernotdienst Berlin.
Astrid Vollmar, die das Projekt 2015 von einer Kollegin übernommen und seither kontinuierlich weiterentwickelt hat, investiert viel Zeit und Engagement in die Vorbereitung. Über das gesamte Schuljahr hinweg ist sie zentrale Ansprechpartnerin für die beteiligten Lebenskundelehrkräfte und koordiniert den Ablauf des Projekts. Sie akquiriert Fördermittel, organisiert die Workshops und verpflichtet die Referent*innen. Darüber hinaus bucht sie den Veranstaltungsort und verantwortet dessen Vorbereitung sowie Nachbereitung. An den Projekttagen selbst steuert sie das Programm und sorgt vor Ort für einen reibungslosen Ablauf.
Motiviert wird sie von ihrer Überzeugung, „dass so viele Kinder wie möglich über die Kinderrechte Bescheid wissen“. Denn, so betont sie: „Kinder behalten die Inhalte dadurch nachhaltig im Gedächtnis und können ihre Rechte später für sich oder andere besser einfordern.“
Aussagekräftig waren aber auch die Stimmen der Kinder selbst. In einem Auswertungsbogen am Partizipationsstand durften sie der Veranstaltung einen Titel geben. Die Ergebnisse „Kinderrechte können viel bewegen“ oder „Lerne mehr über deine Rechte“ verdeutlichten, dass die Kinder sich der Bedeutsamkeit dieses Projektes bewusst waren. Aber ein Kind bringt es auf den Punkt: „Ein Super-Duper-Tag.“
Das Kinderrechte-Projekt zeigt, wie wichtig Räume sind, in denen junge Menschen ernst genommen werden. Zudem bietet das Format die Möglichkeit, den Kern des Faches Humanistische Lebenskunde mit seinem Fokus auf Selbstbestimmung und Wertebildung erfahrbar zu machen, denn es stellt das Kind mit seinen Gefühlen und Gedanken in den Mittelpunkt.



