Marianne Thieme im Gespräch

„Tiere existieren aus eigenem Recht, nicht für uns.“

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Beitragsbild: privat

Die niederländische Politikerin und Tierrechtsaktivistin Marianne Thieme wird am 30. Mai mit dem Peter-Singer-Preis 2026 ausgezeichnet. Ein Gespräch über Macht, Mitgefühl und die Grenzen eines menschenzentrierten Weltbilds.

Mit der „Partei für die Tiere“ haben Sie etwas weltweit Einzigartiges erreicht: eine Tierschutzpartei, die ins Parlament einzog und anhaltenden Wahlerfolg verzeichnen konnte. Was hat dies Ihrer Meinung nach ermöglicht, und welchen Rat würden Sie Bewegungen geben, die etwas Ähnliches anstreben?

Wir haben etwas getan, was die Poli­tik bis­her sorg­fäl­tig ver­mie­den hat­te. Wir haben mit der Vor­stel­lung gebro­chen, dass Poli­tik in ers­ter Linie dazu da ist, mensch­li­chen Inter­es­sen zu die­nen. Wir haben etwas ganz Ein­fa­ches gesagt: Tie­re sind kei­ne Din­ge, und wir wol­len den Tie­ren eine poli­ti­sche Stim­me geben.

Sie kön­nen sich sicher vor­stel­len, dass uns die Mehr­heit der Men­schen dafür ver­spot­te­te, dass wir eine Par­tei für Tie­re gegrün­det hat­ten. Sie mach­ten sich über uns lus­tig, sie trau­ten ihren Ohren nicht, als sie von unse­rer Exis­tenz hör­ten. Was kommt als Nächs­tes: eine Par­tei für Fahr­rä­der oder eine Par­tei für Pflan­zen? Wuss­ten wir nicht, dass wir die Lach­num­mer des Lan­des waren und es nie­mals ins Par­la­ment schaf­fen wür­den? Aber es gab auch Men­schen – Femi­nis­tin­nen, berühm­te Autor*innen, Intel­lek­tu­el­le und Meinungsführer*innen –, die uns als die nächs­te Eman­zi­pa­ti­ons­be­we­gung sahen. Nach der Befrei­ung der Skla­ven, der Frau­en und der Gewäh­rung von Rech­ten für Kin­der war der nächs­te logi­sche Schritt, die Inter­es­sen der Tie­re ernst zu neh­men. Über die Inter­es­sen unse­rer eige­nen Spe­zi­es hin­aus­zu­schau­en.

Und all die­se Emo­tio­nen – Wut, Hoff­nung, Ungläu­big­keit, Sar­kas­mus – sind sehr nütz­lich, das kann ich Ihnen ver­si­chern. Es braucht Emo­tio­nen, um eine Debat­te anzu­sto­ßen, um Men­schen zu bewe­gen, um sozia­len Wan­del zu errei­chen. Alle ande­ren sozia­len Bewe­gun­gen wur­den zuerst igno­riert, dann ver­spot­tet, ja sogar kri­mi­na­li­siert. Aber am Ende haben sie gewon­nen.

Mit der Zeit begann die Rea­li­tät zu bestä­ti­gen, was wir sag­ten. Kli­ma­kol­laps, Pan­de­mien, Ver­lust der Arten­viel­falt. All das ist eng ver­bun­den mit der Art und Wei­se, wie wir Tie­re behan­deln. Mein Rat ist daher sehr direkt: Ver­su­chen Sie nicht, um jeden Preis akzep­tiert zu wer­den. Pas­sen Sie Ihre Bot­schaft nicht an das Sys­tem an. Wenn Sie das tun, wer­den Sie Teil des Pro­blems. Sagen Sie, was wahr ist. Und akzep­tie­ren Sie, dass Ver­än­de­rung Zeit braucht, aber wenn sie ein­mal kommt, kommt sie schnell.

Was hat Sie dazu gebracht, sich so intensiv für den Tierschutz zu engagieren? Gab es einen entscheidenden Moment, oder hat sich Ihre Überzeugung im Laufe der Zeit allmählich entwickelt?

Ich bin Vege­ta­rie­rin. Inzwi­schen sogar Vega­ne­rin. Aber das war nicht immer so. Frü­her habe ich es tat­säch­lich genos­sen, Fleisch zu essen. Ziem­lich viel, um ehr­lich zu sein.

Das änder­te sich vor etwa drei­ßig Jah­ren. Damals, wäh­rend mei­ner Stu­di­en­zeit, im Jahr 1995, sah ich im nie­der­län­di­schen Fern­se­hen eine Doku­men­ta­ti­on mit dem Titel What Does the Cow Want? Da stand die­se Kuh in einem Stall mit einem Pan­sen­fens­ter, etwa zehn Zen­ti­me­ter breit, in der Sei­te ihres Bau­ches. Neben ihr stand ein For­scher, der erklär­te, dass es bei der Fleisch- und Milch­pro­duk­ti­on dar­um geht, die Füt­te­rung so effi­zi­ent wie mög­lich zu gestal­ten. Das bedeu­tet, dass man mit mög­lichst wenig Fut­ter den größt­mög­li­chen Ertrag erzielt. Des­halb hat­te die Kuh die­se Pan­sen­öff­nung. Man konn­te sie öff­nen, um zu sehen, was sie gefres­sen hat­te und wie es ver­daut wur­de. Er zeig­te das tat­säch­lich vor der Kame­ra. Er nahm den Deckel der Öff­nung ab, griff hin­ein, zog etwas halb ver­dau­tes Gras aus ihrem Magen her­aus und setz­te den Deckel dann wie­der auf.

Als ich das sah, war für mich eine Gren­ze über­schrit­ten. Es leg­te eine Logik bloß, mit der die meis­ten von uns auf­wach­sen, oft ohne es zu bemer­ken. Die Vor­stel­lung, dass der Stär­ke­re, der Intel­li­gen­te­re, der Mäch­ti­ge­re das Recht hat zu domi­nie­ren. Dass wir, weil wir Tie­re nut­zen kön­nen, des­halb auch das Recht haben, sie zu nut­zen. Eine Art mora­li­sier­te Ver­si­on des Über­le­bens des Stär­ke­ren. Dann spre­chen wir weni­ger von Ethik als von Macht.

Wo Tie­re auf Ein­hei­ten redu­ziert wer­den und Lei­den unsicht­bar wird, weil es nor­ma­li­siert ist. An die­sem Punkt gibt es kei­ne neu­tra­le Posi­ti­on mehr. Ent­we­der akzep­tiert man die­se Logik oder man weist sie zurück. Für mich war klar, dass ich sie nicht akzep­tie­ren konn­te. Und ich wur­de zuerst Vege­ta­rie­rin und spä­ter Vega­ne­rin.

Sie setzen sich seit langem für Tierrechte ein und sind später der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten beigetreten. In welcher Beziehung stehen diese beiden Aspekte Ihres Lebens zueinander? Ergänzen sie sich, oder gibt es Momente, in denen sie in Konflikt geraten?

Bevor ich dar­auf ant­wor­te, muss ich Fol­gen­des sagen: Als wir die Par­tei für die Tie­re grün­de­ten, haben wir uns bewusst dafür ent­schie­den, sie als säku­la­re poli­ti­sche Par­tei zu eta­blie­ren. Wir woll­ten Men­schen mit unter­schied­li­chen Welt­an­schau­un­gen unter einem gemein­sa­men Anlie­gen zusam­men­brin­gen: dem Tier­schutz. Denn die Moti­va­ti­on, Tie­re zu schüt­zen, hängt nicht von einem phi­lo­so­phi­schen oder reli­giö­sen Aus­gangs­punkt ab. Was zählt, ist die Aner­ken­nung ihrer Ver­letz­lich­keit und die Ver­ant­wor­tung, ihre Inter­es­sen und Rech­te zu wah­ren. Aus die­sem Grund habe ich wäh­rend mei­ner Zeit als Par­tei­vor­sit­zen­de mei­ne per­sön­li­chen Über­zeu­gun­gen nicht in die Poli­tik ein­ge­bracht. Der Fokus muss­te auf dem lie­gen, was uns ver­bin­det. Da Sie jedoch aus­drück­lich nach dem Zusam­men­hang zwi­schen mei­nen Über­zeu­gun­gen und mei­ner Arbeit fra­gen, möch­te ich hier ger­ne dar­auf ein­ge­hen.

Für mich gibt es kei­nen Kon­flikt. Es besteht eine tie­fe Kohä­renz. Im Chris­ten­tum geht es nicht dar­um, den Men­schen in den Mit­tel­punkt zu stel­len. Es geht dar­um, anzu­er­ken­nen, dass nicht wir der Mit­tel­punkt sind. Gott ist der Schöp­fer allen Lebens.

Das ver­än­dert die Art und Wei­se, wie wir auf die Welt schau­en. Wenn die Schöp­fung aus Lie­be von Gott stammt, wie wir in der Bibel lesen, dann sind Men­schen und Tie­re Mit­ge­schöp­fe. Wir lesen in dem­sel­ben Buch auch, dass Men­schen nicht geschaf­fen wur­den, um zu herr­schen, son­dern um für die Schöp­fung zu sor­gen, sie zu lie­ben und zu schät­zen. Tie­re exis­tie­ren aus eige­nem Recht, nicht für uns. Und wir sind nicht von der Natur getrennt. Wir sind Teil von ihr. Von ihr abhän­gig. Ver­bun­den in einem Öko­sys­tem, das wir nicht geschaf­fen haben und nicht kon­trol­lie­ren kön­nen.

Das Pro­blem ist, dass Men­schen die Ten­denz haben, jede Welt­an­schau­ung oder jeden Glau­ben, sei er nun welt­lich oder reli­gi­ös, in ein men­schen­zen­trier­tes Sys­tem zu ver­wan­deln. Der Mensch stellt sich selbst in den Mit­tel­punkt, und alles ande­re wird zweit­ran­gig. Das leh­ne ich ab. Die Vor­stel­lung, dass der Mensch über der Natur steht und sie nach sei­nem Wil­len gestal­ten kann, ist genau das, was uns in die­se Mehr­fach­kri­se geführt hat.

Mein Glau­be mil­dert mei­nen Akti­vis­mus nicht. Tat­säch­lich schärft er ihn und bestärkt mich. Er macht es unmög­lich, eine Welt zu akzep­tie­ren, in der Mit­ge­fühl bei der mensch­li­chen Spe­zi­es endet, und er spricht mein Herz und mei­ne See­le an, das Leben in all sei­nen For­men zu respek­tie­ren, zu lie­ben und zu ach­ten.

Aus einer säkular-humanistischen Perspektive lässt sich argumentieren, dass Mitgefühl und Vernunft – zentrale Säulen des Humanismus – uns zu der Erkenntnis führen sollten, dass wir die Art und Weise, wie wir mit anderen, nicht-menschlichen Tieren umgehen und sie behandeln, drastisch ändern müssen. Die adventistische Tradition bietet jedoch keinen systematischen Rahmen für Tierethik, und ihre Befürwortung einer pflanzlichen Ernährung gründet sich oft eher auf biblische Vorstellungen und Gesundheitsprinzipien als auf dem Verständnis, dass alle Tiere einen intrinsischen moralischen Wert haben und entsprechend behandelt werden sollten. Was denken Sie darüber?

Ich ver­ste­he das Argu­ment. Und ich stim­me dem Aus­gangs­punkt zu. Wenn man Mit­ge­fühl und Ver­nunft ernst nimmt, kann man die Art und Wei­se, wie Tie­re heu­te behan­delt wer­den, nicht recht­fer­ti­gen.

Aber ich glau­be nicht, dass die­se Säu­len, wie Sie sie nen­nen, aus­rei­chen, um ein mora­li­sches Enga­ge­ment über einen län­ge­ren Zeit­raum auf­recht­zu­er­hal­ten. Wir leben in hoch­gra­dig ratio­na­len Gesell­schaf­ten. Wir haben Zugang zu allem Wis­sen, das wir erlan­gen kön­nen. Wir wis­sen, was Tie­re erle­ben. Wir ken­nen die Fol­gen unse­res Ver­hal­tens. Und den­noch bleibt das Sys­tem bestehen. Die Fra­ge ist also nicht nur, ob wir wis­sen kön­nen, was rich­tig ist, son­dern ob wir einen zwin­gen­den Grund haben, dem zu fol­gen. Mit­ge­fühl und Ver­nunft kön­nen uns sagen, was rich­tig ist, rei­chen für vie­le Men­schen aber offen­bar nicht aus, um mora­li­sches Han­deln dau­er­haft zu tra­gen.

Im adven­tis­ti­schen Glau­ben und im wei­te­ren Sin­ne in der bibli­schen Welt­an­schau­ung nimmt dies eine ande­re Form an. Es gibt nicht nur einen Appell an Mit­ge­fühl und Ver­nunft. Es gibt auch ein kla­res Gefühl für Gren­zen, das nicht von mensch­li­chen Vor­lie­ben abhängt. Die Erkennt­nis, dass wir nicht über das Leben bestim­men, son­dern Teil der Schöp­fung und nicht über ihr ste­hen.

Bereits im 19. und frü­hen 20. Jahr­hun­dert erkann­ten Adven­tis­ten den Zusam­men­hang zwi­schen der Behand­lung von Tie­ren und dem Wohl­erge­hen der Men­schen. Nicht als moder­ne Lebens­ent­schei­dung, son­dern als mora­li­sche und spi­ri­tu­el­le Fra­ge. Der Ver­zehr von Tie­ren war nicht nur schäd­lich für die Tie­re, son­dern auch für die Men­schen selbst. Ellen White, eine der Begrün­de­rin­nen der adven­tis­ti­schen Bewe­gung, schrieb sehr deut­lich über das Lei­den der Tie­re. Sie beschrieb, wie sie trans­por­tiert, erschöpft, aus­ge­beu­tet und in den Tod getrie­ben wer­den, damit Men­schen sie ver­zeh­ren kön­nen, um sich „an ihren Kada­vern zu laben“. Das war vor mehr als hun­dert Jah­ren, und es liest sich wie eine Beschrei­bung des heu­ti­gen indus­tri­el­len Sys­tems.

Die Vor­stel­lung, dem Adven­tis­mus feh­le ein ethi­sches Bewusst­sein für Tie­re, ist also schlicht­weg falsch. Die Grund­la­ge die­ses Bewusst­seins lässt sich bis zur Bibel selbst zurück­ver­fol­gen. Es grün­det auf der Über­zeu­gung, dass Gott Lie­be ist und dass wir geschaf­fen wur­den, um in Bezie­hung sowohl zu unse­rem Schöp­fer als auch zu ande­ren Geschöp­fen zu leben.

Dar­aus ent­steht eine Ver­ant­wor­tung, die über uns selbst hin­aus­geht, als Grund­la­ge für Mit­ge­fühl und Ver­nunft. Das Bewusst­sein, dass wir nicht ein­fach all das tun soll­ten, was wir tun könn­ten, und dass wir für die Art und Wei­se, wie wir ande­re Lebe­we­sen behan­deln, mit­ver­ant­wort­lich sind, selbst wenn Mit­ge­fühl und mora­li­sche Nor­men nicht mehr durch sozia­le Inter­ak­ti­on, Zustim­mung oder gemein­sa­me Pra­xis gestützt wer­den. Für mich ver­än­dert das die Schwe­re der ethi­schen Fra­ge. Die­se neue Gewich­tung ersetzt weder Mit­ge­fühl noch Ver­nunft, son­dern ver­leiht ihnen eine Sta­bi­li­tät, die sie aus eige­ner Kraft nicht errei­chen kön­nen.

Was muss Ihrer Meinung nach in den kommenden Jahren geschehen, um weltweit bedeutende Fortschritte bei den Tierrechten zu erzielen?

Wir müs­sen erken­nen, dass unser sozio­öko­no­mi­sches Sys­tem das Pro­blem ist. Die indus­tri­el­le Tier­hal­tung ist nicht nur ein biss­chen feh­ler­haft. Sie ist struk­tu­rell gewalt­tä­tig und ein Sym­ptom unse­rer kapi­ta­lis­ti­schen Gesell­schaft und Aus­beu­tungs­wirt­schaft. Sie zer­stört Öko­sys­te­me, treibt den Kli­ma­wan­del vor­an und schafft die Vor­aus­set­zun­gen für neue Pan­de­mien.

Die Rich­tung ist also ganz klar. Wir müs­sen die Mas­sen­tier­hal­tung schritt­wei­se been­den. Nicht refor­mie­ren. Abschaf­fen. Wir müs­sen zu pflanz­li­chen Ernäh­rungs­sys­te­men über­ge­hen. Nicht als Life­style-Trend, son­dern als poli­ti­sche Prio­ri­tät. Und wir müs­sen auf­hö­ren, Tie­re recht­lich als Ware zu behan­deln. Was oft als „radi­kal“ oder „idea­lis­tisch“ bezeich­net wird, ist in Wirk­lich­keit die ein­zi­ge rea­lis­ti­sche Ant­wort auf das, was wir wis­sen.

Was ist Ihre größte Errungenschaft für die Tierrechte in Ihrer politischen Arbeit? Wie ist es Ihnen gelungen, tierethische Themen sowohl auf der politischen als auch auf der medialen Agenda zu etablieren? Und welche Empfehlungen würden Sie uns Humanist*innen in diesem Zusammenhang geben?

Die größ­te Errun­gen­schaft ist, dass wir die Rich­tung der Poli­tik ver­än­dert haben, ohne jemals die größ­te Kraft dar­in zu sein. Von Anfang an war es nicht unser Ziel, im tra­di­tio­nel­len Sin­ne mäch­tig zu wer­den. Unser Ziel war Ein­fluss. Die Agen­da zu ver­schie­ben. Ande­re dazu brin­gen, sich mit die­sen The­men aus­ein­an­der­zu­set­zen. In die­sem Sin­ne sind wir immer vor­aus­ge­lau­fen und haben das Tem­po gesetzt, dem ande­re gefolgt sind.

Als wir anfin­gen, war das Lei­den der Tie­re poli­tisch unsicht­bar. Es wur­de als pri­va­tes Pro­blem behan­delt, nicht als struk­tu­rel­le Unge­rech­tig­keit. Wir haben es in den Mit­tel­punkt der Debat­te gerückt. Und wenn es ein­mal dort ist, ver­schwin­det es nicht wie­der. Aber das allein reicht nicht. Ohne stän­di­gen Druck, ohne eine poli­ti­sche Kraft, die nicht locker­lässt, ver­la­gert sich die Auf­merk­sam­keit. Ande­re Kri­sen rücken wie­der in den Fokus. Und die Tie­re wer­den wie­der an den Rand gedrängt, wo sie schon immer waren.

Des­halb haben wir uns für eine ganz bewuss­te Arbeits­wei­se ent­schie­den. Indem wir das Sys­tem gegen sich selbst ein­set­zen. Indem wir Dut­zen­de von Maß­nah­men über Peti­tio­nen vor­schla­gen, über die das Par­la­ment abstimmt, basie­rend auf den Ver­spre­chen der ande­ren Par­tei­en, und sie so zwin­gen, sich zwi­schen ihren Wor­ten und ihren Taten zu ent­schei­den. Indem wir Fra­gen stel­len, die sonst nie­mand gestellt hat. Indem wir uns wei­gern, uns den unge­schrie­be­nen Regeln des poli­ti­schen Spiels zu fol­gen. Ech­ter poli­ti­scher Wan­del beginnt sel­ten von der Mit­te aus. Er beginnt bei denen, die sich wei­gern, mit­zu­spie­len.

Wir haben viel über Poli­tik mit gro­ßem P gespro­chen. Über Din­ge wie das Par­la­ment, Geset­ze und poli­ti­sches Han­deln an der Spit­ze. Aber es gibt auch Poli­tik mit klei­nem p. Dabei geht es um Ihren All­tag. Wofür Sie Ihr Geld aus­ge­ben. Was Sie essen. Wel­che Klei­dung Sie kau­fen. Wo Sie arbei­ten. Alles ist poli­tisch. Selbst die klei­nen Ent­schei­dun­gen, die Sie jeden Tag tref­fen, prä­gen die Welt, in der wir leben. Wenn Sie also das Sys­tem ver­än­dern wol­len, schau­en Sie nicht nur auf die Regie­run­gen. Schau­en Sie auch auf Ihr eige­nes Leben. Dort beginnt Poli­tik wirk­lich.

Mari­an­ne Thie­me, Dr. h. c., ist eine nie­der­län­di­sche Juris­tin, Publi­zis­tin und Theo­lo­gin. Sie ist Mit­be­grün­de­rin und ehe­ma­li­ge Vor­sit­zen­de der Par­tei für die Tie­re (2002–2019). Der­zeit ist sie als Nach­hal­tig­keits­stra­te­gin und Auf­sichts­rats­mit­glied tätig und pro­mo­viert in Theo­lo­gie an der Vri­je Uni­ver­si­teit Ams­ter­dam.

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