Laut der Welternährungsorganisation der UN (FAO) und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) wird etwa ein Drittel der weltweit produzierten Lebensmittel nicht konsumiert. In Deutschland werden gemäß Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) jährlich rund elf Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet, der größte Teil davon in privaten Haushalten. Bei vielen dieser Erzeugnisse handelt es sich um Tierprodukte, daher soll es in diesem Artikel um die Tiere gehen, die „für die Tonne“ produziert werden – und um das systembedingte Problem der Ressourcenvernichtung in der tierhaltenden Landwirtschaft.
Tiere für die Tonne
Jedes Jahr werden auch in Deutschland Unmengen an Tieren „für die Tonne“ gezüchtet. Dabei sind die Tierprodukte, die in Supermärkten, in der Gastronomie und in Privathaushalten weggeworfen werden, nur ein Aspekt der Gesamtproblematik. Ein anderer sind die Millionen von Tieren, die bereits vor der Schlachtung versterben und in der Industrie als „Falltiere“ bezeichnet werden. Gründe für ihren Tod können Krankheiten und Verletzungen aufgrund der Haltungsbedingungen oder im Zusammenhang mit der Zucht auf eine immer höhere „Leistung“ (Fleisch- oder Milchmenge usw.) sein, aber zum Beispiel auch Stallbrände und Maßnahmen zur Bekämpfung von Tierseuchen.
Eine Kleine Anfrage vom Februar 2026 hat ergeben, dass die Bundesregierung nicht in der Lage ist, präzise Angaben zu den Sterblichkeitsraten sogenannter Nutztiere zu machen. Nur für Rinder liegen Daten vor, hier beträgt die Zahl der „Falltiere“ ca. 500.000 pro Jahr. Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, kritisiert daher, „dass so unsichtbar bleibt, wie groß das tatsächliche Ausmaß von Tierverlusten in der Landwirtschaft ist und wo die größten tierschutzrelevanten Probleme liegen“.


Trog statt Teller
Das Problem ist jedoch viel grundlegender: Wenn Hülsenfrüchte, Getreide usw. als Futtermittel für Tiere statt für den direkten menschlichen Konsum angebaut werden, bedeutet das eine gigantische Ressourcenvernichtung. Laut einer groß angelegten, viel beachteten Studie aus dem Jahr 2018 stammen weltweit nur 18 Prozent der konsumierten Kalorien und 37 Prozent der konsumierten Proteine aus Tierprodukten wie Fleisch und Milch – obwohl ihre Herstellung mehr als drei Viertel der globalen landwirtschaftlichen Nutzflächen beansprucht und etwa 60 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft verursacht.
Die sogenannte Veredelung, bei der Tiere durch die Fütterung mit Pflanzen in Tierprodukte „umgewandelt“ werden, ist also hochgradig ineffizient und trägt direkt zum Welthunger bei. Gerade in Zeiten, in denen wegen Lieferengpässen im Zusammenhang mit Kriegen, der Klimakrise und anderen Verwerfungen die Ernährungssicherheit immer wieder akut gefährdet ist, sind wir hier alle zum Handeln aufgefordert. Denn wir alle treffen jeden Tag Ernährungsentscheidungen und haben damit mehrmals täglich die Chance, zu mehr Gerechtigkeit im Agrar- und Ernährungssystem sowie in der Mensch-Tier-Beziehung beizutragen.
„Weniger Fleisch zu essen, wäre ein Beitrag gegen Putin … Grundsätzlich ist ein System nicht nachhaltig, in dem 60 Prozent des Getreides in den Futtertrögen landen, wie in Deutschland.“ Cem Özdemir, damaliger Ernährungs- und Landwirtschaftsminister, angesichts der drohenden Nahrungsmittelknappheit infolge des Ukraine-Kriegs im März 2022 im Magazin „Spiegel“
Auch beim Thema Lebensmittelverschwendung zeigt sich also: Menschen‑, Umwelt- und Tierschutz gehören zusammen. Ein Humanismus, der dieser Verbundenheit nur mit Worten huldigt, daraus aber keine konkreten Taten ableitet, ist weder glaubwürdig noch zukunftsfähig.
Lesetipp:
https://faba-konzepte.de/ernaehrungssicherheit/
Quellen:
https://de.statista.com/infografik/35214/anteil-der-weltweit-verlorenen-verschwendeten-und-konsumierten-lebensmittel/
https://www.tierschutzbund.de/ueber-uns/aktuelles/presse/meldung/bundesregierung-ohne-ueberblick-ueber-millionen-tote-tiere-in-der-landwirtschaft/
https://ourworldindata.org/global-land-for-agriculture
https://www.leap.ox.ac.uk/article/reducing-foods-environmental-impacts
https://www.spiegel.de/politik/deutschland/weniger-fleisch-zu-essen-waere-ein-beitrag-gegen-putin-a-c587d907-deed-45f6-b302-9cdfc113fd82
Grafiken:
https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/lebensmittelverschwendung



