Veganuary-Kampagne des Fachausschusses Tierethik

Pflanzliche Ernährung und die Tiere

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Beitragsbild: Joanna Huang/Unsplash

Eine pflanzliche Ernährung ist aktiver Umwelt- und Klimaschutz und kann auf individueller Ebene vielfältige gesundheitliche Vorteile bieten. Doch jenseits menschlicher Interessen rückt eine grundlegendere Frage in den Fokus: Welchen moralischen Wert haben Tiere um ihrer selbst willen?

Die Tier­ethik beschäf­tigt sich all­ge­mein mit Fra­gen rund um den Umgang von Men­schen mit Tie­ren. Im Fokus tier­ethi­scher Debat­ten steht jedoch zumeist die Hal­tung von Rin­dern, Schwei­nen und ande­ren typi­schen „Nutz­tie­ren“ in der Land­wirt­schaft, da in die­sem Sek­tor die meis­ten Tie­re lei­den und ster­ben. Wir befin­den uns mit­ten im Anthro­po­zän – einer Welt, die der Mensch so umge­stal­tet hat, dass Wild­tie­re nur etwa 5 Pro­zent der glo­ba­len Bio­mas­se aller Säu­ge­tie­re aus­ma­chen, soge­nann­te Nutz­tie­re und Haus­tie­re hin­ge­gen fast 60 Pro­zent.[i] Tie­re wer­den in so unvor­stell­bar hohen Zah­len geschlach­tet, dass die Kno­chen von Hüh­nern, die welt­weit die mit Abstand größ­te Zahl der für den mensch­li­chen Kon­sum getö­te­ten Tie­re stel­len, in fer­ner Zukunft ein Leit­fos­sil unse­res Zeit­al­ters sein wer­den.[ii]

Welt­weit wer­den über 80 Mil­li­ar­den Land­tie­re pro Jahr geschlach­tet[iii] und allein in Deutsch­land wur­den 2024 über 740 Mil­lio­nen Tie­re (ohne Fische) zu Ernäh­rungs­zwe­cken getö­tet[iv]. Gewalt ist sys­tem­im­ma­nent und leid­vol­le Prak­ti­ken wäh­rend der Hal­tung und bei der Schlach­tung sind All­tag und auch in der Bio-Hal­tung wei­ter ver­brei­tet, als vie­le Men­schen den­ken.[v] So wer­den weib­li­che Rin­der mit dem Ziel eines mög­lichst kon­stan­ten Milch­flus­ses qua­si per­ma­nent schwan­ger gehal­ten, denn genau wie der Mensch und ande­re Säu­ge­tie­re müs­sen sie Müt­ter wer­den, um Milch pro­du­zie­ren zu kön­nen. Kuh und Kalb wer­den übli­cher­wei­se gleich nach der Geburt getrennt, sodass die Milch für Men­schen abge­mol­ken wer­den kann. Männ­li­che Käl­ber und ein Teil der weib­li­chen Tie­re wer­den in der Milch­wirt­schaft nicht benö­tigt und daher ent­we­der nach meh­re­ren Mona­ten Mast geschlach­tet und als Kalb­fleisch ver­mark­tet oder wei­ter hoch­ge­mäs­tet und im Alter von ein bis zwei Jah­ren getö­tet.[vi] Als „Milch­kü­he“ genutz­te weib­li­che Rin­der lan­den nach durch­schnitt­lich 5,5 Jah­ren im Schlacht­hof, wenn ihre Milch­leis­tung nach­lässt und es sich somit nicht mehr lohnt, sie am Leben zu hal­ten. Rin­der kön­nen eigent­lich bis zu 25 Jah­re alt wer­den.[vii] In der Eier­in­dus­trie wur­den männ­li­che Küken bis 2022 in Deutsch­land gleich nach dem Schlüp­fen ver­gast oder geschred­dert. Heu­te wer­den sie als Embryo im Ei getö­tet, der Zeit­punkt ihrer Tötung wur­de also vor­ver­legt. Der Grund dafür ist, dass es kei­ne Ver­wen­dung für sie gibt, da sie kei­ne Eier legen kön­nen und nicht genug Fleisch anset­zen wür­den, für die Mast also nicht geeig­net sind.[viii] Soge­nann­te Lege­hen­nen wer­den mit ca. 16 Mona­ten geschlach­tet, wenn ihre Lege­leis­tung nach­lässt.[ix] Züch­tungs­be­dingt und unab­hän­gig von der Hal­tungs­form sind bei die­sen Tie­ren schmerz­haf­te Kno­chen­brü­che weit ver­brei­tet (sie­he Quel­le v). Das Leben von „Mast­hüh­nern“ ist noch sehr viel kür­zer, sie wer­den mit maxi­mal etwa 40 Tagen (kon­ven­tio­nel­le Hal­tung) bzw. etwa 80 Tagen (Bio-Hal­tung) geschlach­tet. Die natür­li­che Lebens­er­war­tung von Hüh­nern liegt bei bis zu 15 Jah­ren (sie­he Quel­le vii).

All dies geschieht Tag für Tag, obwohl wir heu­te mehr über das Schmerz­emp­fin­den, die Emo­tio­nen und die Kogni­ti­on ver­schie­de­ner Tier­ar­ten wis­sen als je zuvor[x] und es in vie­len Tei­len der Welt und ganz sicher in unse­rem Land für die meis­ten Men­schen ganz ein­fach ist, sich sehr gut und gesund pflanz­lich zu ernäh­ren. Wenn es aber kei­ne gesund­heit­li­chen Grün­de für ihren Kon­sum gibt, dann han­delt es sich bei der Fra­ge „Tier­pro­duk­te – ja oder nein?“ um eine rein mora­li­sche Fra­ge.

In den letz­ten Jah­ren ist das Bewusst­sein dafür gewach­sen, dass die mora­li­sche Berück­sich­ti­gung von Tie­ren ein selbst­ver­ständ­li­cher Teil eines moder­nen Huma­nis­mus sein muss. Der Huma­nis­ti­sche Ver­band Deutsch­lands hat 2018 das ers­te Huma­nis­ti­sche Selbst­ver­ständ­nis ver­öf­fent­licht, in dem Tie­re expli­zit erwähnt wer­den: „Unab­hän­gig vom per­sön­li­chen Nut­zen gehört Ver­ant­wor­tung für Mit­men­schen und Natur zur Wür­de des Men­schen. Dazu zählt eben­so die Ach­tung des Wohl­erge­hens ande­rer Lebe­we­sen und der Natur. Es gibt unter Tie­ren vie­le emp­fin­dungs­fä­hi­ge Arten. Freu­de und Schmerz kom­men nicht aus­schließ­lich bei Men­schen vor und Wür­de kommt nicht exklu­siv die­sen zu.“[xi] Und seit 2022 spie­len Tie­re als emp­fin­dungs­fä­hi­ge Wesen auch auf inter­na­tio­na­ler huma­nis­ti­scher Ebe­ne eine Rol­le. Damals wur­de die Ams­ter­dam-Dekla­ra­ti­on aktua­li­siert und dabei der Satz „Wir emp­fin­den eine Für­sor­ge­pflicht gegen­über der gesam­ten Mensch­heit, ein­schließ­lich künf­ti­ger Gene­ra­tio­nen“ um den Zusatz „und dar­über hin­aus allen emp­fin­dungs­fä­hi­gen Wesen“ erwei­tert. Die Ams­ter­dam-Dekla­ra­ti­on wur­de 2002 auf dem ers­ten Huma­nis­ti­schen Welt­kon­gress in Ams­ter­dam beschlos­sen[xii] und wird von der Orga­ni­sa­ti­on Huma­nists Inter­na­tio­nal unter­stützt, der auch der Huma­nis­ti­sche Ver­band Deutsch­lands ange­hört[xiii]. In der seit 2022 gel­ten­den Ver­si­on, auch als „Erklä­rung des moder­nen Huma­nis­mus“ bekannt, ist Fol­gen­des zu lesen: „Wir sind der Auf­fas­sung, dass die per­sön­li­che Frei­heit mit einer Ver­ant­wor­tung gegen­über der Gesell­schaft ver­bun­den sein muss. Ein frei­er Mensch hat Pflich­ten gegen­über Ande­ren. Wir emp­fin­den eine Für­sor­ge­pflicht gegen­über der gesam­ten Mensch­heit, ein­schließ­lich künf­ti­ger Gene­ra­tio­nen, und dar­über hin­aus allen emp­fin­dungs­fä­hi­gen Wesen“ (eige­ne Her­vor­he­bung).[xiv]Selbst­be­stim­mung, ein hohes Gut für Humanist*innen, bedeu­tet also immer „Selbst­be­stim­mung in Ver­ant­wor­tung“ – und die erstreckt sich auch auf unser Ver­hält­nis zu ande­ren, nicht-mensch­li­chen Tie­ren.



Quel­len:

[i] https://ourworldindata.org/wild-mammals-birds-biomass

[ii] https://www.spektrum.de/news/was-von-der-menschenwelt-uebrig-bleibt/1613912

[iii] https://ourworldindata.org/data-insights/billions-of-chickens-ducks-and-pigs-are-slaughtered-for-meat-every-year

[iv] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/02/PD25_050_413.html

[v] https://www.foodwatch.org/de/informieren/landwirtschaft-tierhaltung/tierhaltung/ob-bio-oder-nicht-nutztiere-leiden

[vi] https://www.landwirtschaft.de/tier-und-pflanze/tier/rinder/was-passiert-mit-den-kaelbern-von-milchkuehen

[vii] https://faba-konzepte.de/modul-4-die-situation-der-tiere-in-der-nutztierhaltung/

[viii] https://www.landwirtschaft.de/tier-und-pflanze/tier/gefluegel/was-ist-seit-dem-verbot-vom-kuekentoeten-passiert

[ix] https://www.landwirtschaft.de/tier-und-pflanze/tier/nutztiere-allgemein/wie-lange-leben-rind-schwein-schaf-und-huhn

[x] Sie­he die Lern­vi­de­os zu „For­men und Far­ben der Intel­li­genz“ und „Emo­tio­nen und Per­sön­lich­keit bei Tie­ren“ des EU-Pro­jekts ALICE (Ani­mals, Cli­ma­te and Civic Edu­ca­ti­on):
https://www.idd.uni-hannover.de/de/forschung/projekte/alice

[xi] https://humanismus.de/wp-content/uploads/2020/12/humanistisches_selbstverstaendnis_hvd.pdf

[xii] https://humanists.international/de/Datenschutzrichtlinien/Amsterdamer-Erkl%C3%A4rung-2002/

[xiii] https://humanismus.de/partner/humanists-international/

[xiv] https://humanismus.de/ueber-uns/grundwerte/amsterdam-deklaration/

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4 Gedanken zu „Pflanzliche Ernährung und die Tiere“

  1. Vie­le Men­schen beäu­gen Kon­zep­te wie Tier­ethik und Vega­nis­mus oft mit einer gewis­sen Skep­sis, häu­fig sogar deut­li­chem Wider­wil­len. Vie­le Men­schen wol­len sich die­sen Sys­te­men gar nicht annä­hern und kapi­tu­lie­ren daher, noch ehe sie es über­haupt ver­sucht haben.

    Aber hey: Wer bspw. einen Hund oder eine Kat­ze hat, ist doch bereits mit­ten­drin in die­sen The­men. Beim Zusam­men­le­ben mit einem Tier, geht es ganz schlicht um die Bezie­hung. Um das Gegen­über. Um ein Ich und ein Du, wie Mar­tin Buber es beschrie­ben hat.

    Und dann stel­len wir sehr schnell fest, dass dort ganz viel statt­fin­det. Neu­gier. Inter­ak­ti­on. Ver­trau­en. Freu­de. Eine geteil­te Erfah­rung von Lebens­wirk­lich­keit – im Äuße­ren wie im Inne­ren. Mit Emo­tio­nen und Gefüh­len, mit Hoff­nun­gen und Wün­schen. Und wie schön es ist, sich auf­ein­an­der ein­zu­las­sen, mit­ein­an­der zu wach­sen und sich ein­fach dar­über zu freu­en, dass die­se Form der Koexis­tenz und der Inter­ak­ti­on art­über­grei­fend mög­lich ist.

    Wenn wir an die­sem Punkt sind, stellt sich die Fra­ge eigent­lich gar nicht mehr, wofür wir bezah­len wol­len: ganz sicher nicht dafür, dass Schwei­ne und Hüh­ner in rie­si­gen, schmut­zi­gen, stin­ken­den Stäl­len ste­hen und schließ­lich zum Schlacht­hof gebracht wer­den – oft schon ver­letzt, geschun­den, in einem ganz mise­ra­blen Zustand. Die­se Fra­ge stellt sich dann wirk­lich nicht mehr.

    Und auch bei Kuh­milch und Hüh­ner­ei­ern stellt sie sich nicht mehr, wenn man an Lege­hen­nen denkt oder an Milch­kü­he, denen ihre Kin­der weg­ge­nom­men wer­den.

    Von daher: Über die lie­be­vol­le Inter­ak­ti­on mit einem Gegen­über hin zu einem neu­en Blick auf die Welt.

  2. Was ist eigent­lich „human” – also mensch­lich? Irren ist mensch­lich? Mensch­lich, all­zu mensch­lich? Mich über­kommt oft das Gefühl, dass wir uns irren, fatal irren. Als ich auf­wuchs, behaup­te­ten sogar Ärz­te, dass Fleisch und Milch unver­zicht­bar wären für eine gesun­de Ernäh­rung. Der Geist der Bibel regier­te, „macht euch die Erde unter­tan” und mein­te das „lie­be Vieh” gleich mit. Trau­ri­ge und für uns alle, die Men­schen und die ande­ren Tie­re, gefähr­li­che Irr­tü­mer!

    Wenn ich rich­tig ver­ste­he, ist Huma­nis­mus die ande­re Mensch­lich­keit. Die mit Ver­ant­wor­tung, Empa­thie und Nächs­ten­lie­be, die ein­schließt: den Men­schen neben­an, die süße Kat­ze auf dem Schoß, die Sau in der Abfer­kel­box.

    Find ich gut, dass der Huma­nis­mus über den mensch­li­chen Tel­ler­rand hin­aus­schaut und dass die Autor*innen die kras­sen Zustän­de und die schlim­men Daten hier noch ein­mal knall­hart zusam­men­ge­führt haben, auch wenn’s weh­tut.

    Was mir weh­tut: jah­re­lang habe ich als Vege­ta­ri­er gedacht, ich gehö­re zu den Guten. Irr­tum. Der Arti­kel macht noch eimal glas­klar, dass lei­der auch Milch und Milch­pro­duk­te ein Ver­bre­chen gegen die Mensch­lich­keit sind. Wenn wir Mensch­lich­keit über­set­zen in Huma­nis­mus.

  3. Dan­ke für die­sen wun­der­ba­ren Arti­kel. Und groß­ar­tig, dass der Huma­nis­ti­sche Ver­band sich auch die­ses wich­ti­gen The­mas annimmt.

    Wir als Initia­ti­ve „Will-Kirche-Tierschutz.de“ wer­den oft gefragt, ob wir zur Kir­che gehö­ren. Nein, tun wir nicht. Doch das ist eigent­lich gar nicht ent­schei­dend. Denn wofür wir uns ein­set­zen, sind uni­ver­sell gül­ti­ge Wer­te: Mit­ge­fühl und Respekt vor unse­ren Mit­le­be­we­sen.

    Wäh­rend sich die Kir­che öffent­lich gegen Mas­sen­tier­hal­tung aus­spricht, ser­viert sie in ihren zig­tau­sen­den Ein­rich­tun­gen mehr Fleisch als Bur­ger King, McDonald’s und KFC zusam­men – meist aus schlimms­ter Mas­sen­tier­hal­tung. Zudem ist sie einer der größ­ten Land­ver­päch­ter für die Land­wirt­schaft in Deutsch­land. Wenn es also um Tier­schutz geht, hat die Kir­che enor­men Ein­fluss – als Moral­in­stanz und ganz kon­kret auf Mil­lio­nen von Tel­lern täg­lich.

    Gleich­zei­tig begeg­nen uns erfreu­li­cher­wei­se immer mehr Christ*innen, für die eine vege­ta­ri­sche oder vega­ne Lebens­wei­se längst selbst­ver­ständ­lich ist und die von ihrer Kir­che for­dern, eben­falls die eige­nen Wer­te zu leben – auch im Sin­ne der “Bewah­rung der Schöp­fung”.

    Denn letzt­lich geht es tat­säch­lich auch um nichts Gerin­ge­res als den Erhalt unse­rer Lebens­grund­la­gen. Die (Massen-)Tierhaltung treibt Kli­ma­wan­del und Umwelt­zer­stö­rung vor­an, ver­schärft Hun­ger und glo­ba­le Unge­rech­tig­keit und för­dert Anti­bio­ti­ka­re­sis­ten­zen.

    Das alles abzu­leh­nen, ist kei­ne Fra­ge des Glau­bens. Es ist eine Fra­ge der Ethik – und der Zukunft.

  4. Vie­len Dank für den fun­dier­ten und sehr gut geschrie­ben Arti­kel. Hier­zu noch eini­ge Gedan­ken von mei­ner Sei­te:
    Im Zusam­men­hang mit Vega­nis­mus wird meist über die Ernäh­rung gespro­chen. Das ist auch sehr wich­tig und über die ethi­schen Gesichts­punk­te hin­aus eine rele­van­te Stell­schrau­be, wenn es z.B. dar­um geht, die Kli­ma­ka­ta­stro­phe viel­leicht noch begren­zen zu kön­nen.
    Mit den der­zeit zur Ver­fü­gung ste­hen­den Agrar­flä­chen, die auch für den Anbau von Lebens­mit­teln für mensch­li­che Tie­re geeig­net wären, könn­ten ca. 15 Mil­li­ar­den Men­schen mit den not­wen­di­gen Kalo­rien und Nähr­stof­fen ver­sorgt wer­den.
    Den­noch hun­gern ca. 800 Mil­lio­nen Men­schen. Auch, weil die soge­nann­te Nutz­tier­hal­tung Unmen­gen an Flä­chen und Res­sour­cen ver­braucht, die dann nicht für die Ernäh­rung der Welt­be­völ­ke­rung zur Ver­fü­gung ste­hen. Eine vega­ne Ernäh­rung kann also dazu bei­tra­gen, den Hun­ger in der Welt zu been­den und trotz­dem einen gro­ßen Teil der der­zei­ti­gen Agrar­flä­chen zu rena­tu­rie­ren. Dadurch wür­den wert­vol­le Flä­chen für die Umwelt und Habi­ta­te für Wild­tie­re ent­ste­hen.

    Aller­dings ist eine vega­ne Lebens­wei­se mehr, als „nur“ Ernäh­rung.
    Klei­dung aus / mit Pelz wird bereits lan­ge Zeit kri­ti­siert. Lei­der wird ver­ges­sen, dass Leder auch nur Pelz ohne Haa­re ist. Die Tie­re in der Leder­in­dus­trie lei­den genau, wie die Tie­re in der Pelz- oder Nah­rungs­mit­tel­in­dus­trie. Es heißt oft, dass Leder ja ein Abfall­pro­dukt der Lebens­mit­tel­in­dus­trie sei. Das wäre schlimm genug, ist aber auch nur ein Teil der Wahr­heit. Für Leder wer­den – eben­so wie für Pelz – Tie­re gezüch­tet, qual­voll getö­tet und „ver­ar­bei­tet“.

    Auch Wol­le ist nicht bes­ser. Scha­fe „müs­sen nicht sowie­so gescho­ren wer­den“. Wie bei ande­ren Tie­ren, wür­de das Fell nicht so aus­ufernd wach­sen. Scha­fe in der Woll­in­dus­trie sind Qual­zuch­ten. Und gescho­ren wird im Akkord. Die Tie­re erlei­den dabei neben Stress und Angst häu­fig tie­fe Schnitt­ver­let­zun­gen.

    Die Lis­te des­sen, wor­auf mensch bei einer vega­nen Lebens­wei­se noch ach­ten kann, ist lang.
    Sei­de aus Sei­den­rau­pen, Schel­lack­über­zü­ge aus den Aus­schei­dun­gen von Läu­sen bei Äpfeln und Süßig­kei­ten, damit die­se schö­ner glän­zen. Der Farb­stoff Kar­min (E 120) in Bier­mix­ge­trän­ken und Lip­pen­stif­ten, der aus Schild­läu­sen her­ge­stellt wird , Tier­ver­su­che, deren Sinn z.B. die Ärz­te gegen Tier­ver­su­che wider­legt haben. Auch vie­le Wasch- und Rei­ni­gungs­mit­tel, Kos­me­ti­ka und Kleb­stof­fe ent­hal­ten tie­ri­sche Inhalts­stof­fe oder wur­den mit deren Hil­fe pro­du­ziert.

    Nicht alles kön­nen wir ver­mei­den, da wir kei­ne Infor­ma­tio­nen dar­über erhal­ten, ob unser LCD-Bild­schirm, unse­re Hei­zungs­lei­tun­gen oder Ziga­ret­ten­fil­ter mit Hil­fe von tie­ri­schen „Pro­duk­ten“ her­ge­stellt wur­den (bei die­sen Pro­duk­ten ist es aber lei­der sehr wahr­schein­lich).
    Aber ein erhöh­tes Bewusst­sein ist ein guter, ers­ter Schritt.

    Grund­sätz­lich gilt: „Vega­nis­mus ist eine Lebens­wei­se, die ver­sucht – so weit, wie es prak­tisch durch­führ­bar ist – alle For­men von Aus­beu­tung und Grau­sam­kei­ten an lei­dens­fä­hi­gen Tie­ren für Essen, Klei­dung und ande­re Zwe­cke zu ver­mei­den.“

    Wir, jede*r Ein­zel­ne, kann da eine Men­ge bei­tra­gen.

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