Editorial von Erwin Kress

Mehr als reine Verstandesbildung

| von

Beitragsbild: Mostera/ Pexels

Lie­be Lese­rin­nen, lie­be Leser,

Huma­nis­mus als Idee und Welt­an­schau­ung war immer mit Auf­klä­rung ver­bun­den. Was kön­nen wir dazu bei­tra­gen, damit Men­schen sich sowohl ihrer selbst, ihrer Lage als auch deren Ver­än­der­bar­keit bewusst­wer­den?

Der huma­nis­ti­sche Lebens­kun­de­un­ter­richt in Ber­lin und Bran­den­burg befasst sich bereits im Klei­nen mit den kan­ti­schen Fra­gen „Was kann ich wis­sen?“, „Was soll ich tun?“, „Was darf ich hof­fen?“. Unse­re Huma­nis­ti­sche Aka­de­mie geht bedeut­sa­men Fra­gen unse­rer Welt­an­schau­ung nach, etwa über Hoff­nung im welt­li­chen Huma­nis­mus oder die theo­lo­gi­sche Mär von der athe­is­ti­schen Ver­zweif­lung. ‚Lebens­kun­de’, ‚Hoff­nung’ oder auch ‚Seel­sor­ge’, das sind Begrif­fe, die über rei­ne Ver­stan­des­bil­dung hin­aus­wei­sen.

Von Auf­rich­tig­keit über Barm­her­zig­keit und Respekt bis zu Zuver­sicht lässt sich ein Kanon von Eigen­schaf­ten, von Wer­ten nen­nen, an denen zu arbei­ten eine Auf­ga­be unse­res prak­ti­schen Huma­nis­mus ist. Das kön­nen wir Her­zens­bil­dung nen­nen. Sascha Lobo, Autor und kri­ti­scher Zeit­ge­nos­se, pflich­tet mir bei: „Bil­dung ohne Her­zens­bil­dung ist nichts wert. Im Gegen­teil, sie stellt den direk­ten Weg in die Ent­zi­vi­li­sie­rung der Gesell­schaft dar.“

Und wer immer glaubt, wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­se allein wür­den die vor uns ste­hen­den Mensch­heits­pro­ble­me lösen, ver­kennt den Cha­rak­ter der Spe­zi­es Mensch.

Die vor Ihnen lie­gen­de Dop­pel­aus­ga­be geht Fra­gen rund um eine huma­nis­ti­sche Bil­dung, um Her­zens­bil­dung nach. Anre­gun­gen und Kri­tik dazu neh­men wir gern ent­ge­gen.

Ich wün­sche Ihnen eine frucht­ba­re und anre­gen­de Lek­tü­re.

Ihr Erwin Kress
Vor­stands­spre­cher Huma­nis­ti­scher Ver­band Deutsch­lands – Bun­des­ver­band

Inhalt teilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Meistgelesen

Ähnliche Beiträge

national-cancer-institute-BxXgTQEw1M4-unsplash
Bericht und Kritik
Neue Leitlinie zur Suizidhilfe – mit allzu hohen Hürden
Die am 22. Oktober vorgestellte Fachleitlinie legt zum Umgang mit Suizidassistenz beim Schwerpunkt einer zu prüfenden Freiverantwortlichkeit der Betroffenen übermäßig strenge Schutzmechanismen vor. Die beteiligten Fachverbände votieren einseitig zugunsten von Suizidprävention und psychiatrischer Vorgaben. In einem Sondervotum kritisiert die ebenfalls beteiligt Hausärztevereinigung DEGAM, dass bei solchen bürokratischen und personellen Auflagen assistierte Suizide im Gesundheitssystem kaum mehr praktikabel wären. Überzeugend sind hingegen die Empfehlungen der Leitlinie zu „vertieften“ psychosozialen Erstberatungen.
Beitrag lesen »
Leonie_Rouzade
Léonie Rouzade (6. September 1839 – 25. Oktober 1916)
110. Todestag von Léonie Rouzade
Léonie Rouzade, geborene Louise-Léonie Camusat (06.09.1839 in Paris – 25.10.1916 in Versailles) war Freidenkerin, Feministin, Politikerin, Journalistin und Autorin. Sie teilte ein Los vieler ihrer Mitfreidenkerinnen, dass in ihren späteren Biographien zwar ihre politischen und feministischen Engagements hervorgehoben werden, ihr freidenkerisches Engagement im Zentralrat der Fédération nationale de la libre pensée (FFLP) („Nationale Föderation der Freidenker“) Frankreichs aber meist verschwiegen wird.
Beitrag lesen »
20 jahre hpd diesseits
20 Jahre hpd
Aufbruch, Erwartungen und Entwicklungen
Der Humanistische Pressedienst wird zwanzig. Horst Groschopp, Mitgründer und ehemaliger Bundesvorsitzender des Humanistischen Verbandes Deutschlands, blickt auf die Aufbruchsstimmung und die Erwartungen zurück und erzählt von den Konflikten, die das Projekt von Anfang an begleiteten.
Beitrag lesen »
Nach oben scrollen