Friedrich Ludwig Urban (2. Oktober 1806 – 5. Dezember 1879)

„Ein gemeinsames Streben nach Veredlung und Vervollkommnung“

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Foto: privat
Heute vor 220 Jahren wurde Friedrich Ludwig Urban geboren, Tierarzt, Barrikadenkämpfer und Gründer der freien Gemeinde des Urchristenbundes. Sein Leben steht für den Aufbruch zu Glaubensfreiheit und Selbstbestimmung in der Zeit der Märzrevolution von 1848 und darüber hinaus.

Am 2. Okto­ber 1806 wur­de vor 220 Jah­ren in Sil­ke­ro­de im Harz dem kin­der­rei­chen Dorf­schmied Urban ein Sohn gebo­ren, der den Namen Lud­wig bekam. Als aus­ge­bil­de­ter Schmied und wegen sei­ner statt­li­chen Kör­per­län­ge von ca. 1,80 m wur­de er schon mit 17 Jah­ren in den preu­ßi­schen Mili­tär­dienst auf­ge­nom­men.

Im Novem­ber 1844 schrieb der Tier­arzt 1. Klas­se an die König­li­chen Hoch­löb­li­chen Poli­zei­prä­si­dii von der alles umfas­sen­den Lie­be als der Grund­la­ge unse­res Glau­bens und sei­ner Bestre­bung, alle Men­schen, wes Glau­bens, Stan­de und Bekennt­nis sie sein mögen, durch ein gemein­sa­mes Stre­ben nach Ver­ed­lung und Ver­voll­komm­nung in einem Ver­ein über den inne­ren Men­schen zu ver­bin­den. 1845 ver­öf­fent­lich­te er in der Vos­si­schen Zei­tung: Die Reli­gi­on besteht nicht in äußern For­men und Gebräu­chen, sie ist das inners­te Wesen eines jeden Men­schen.

Am 18. März 1848 hat Urban den Bau einer gro­ßen, sta­bi­len Bar­ri­ka­de in der Königs­stra­ße am Alex­an­der­platz gelei­tet, wo er mit Schanz­kör­ben Erde zwi­schen die gesta­pel­ten Gegen­stän­de rie­seln ließ. Einer der Schanz­kör­be dien­te ihm als Beob­ach­ter zum Ver­steck. Dadurch konn­te er einen durch Schüs­se des Mili­tärs Ver­letz­ten schnell aus der Schuss­li­nie her­aus­ho­len. His­to­risch bedeut­sam ist auch die Über­re­dung des von Bür­gern gefan­gen genom­me­nen Gene­ral­ma­jors von Möl­len­dorf zur Unter­zeich­nung der sofor­ti­gen Feu­er­ein­stel­lung der Besat­zung der Kaser­ne des Kai­ser-Alex­an­der-Gre­na­dier-Regi­ments und des Kai­ser Franz Gre­na­dier Regi­ments am 19. März 1848.

Nach der März­re­vo­lu­ti­on bean­trag­te Urban eine Geneh­mi­gung zur Grün­dung einer frei­en Gemein­de des Urchris­ten­bun­des. Die ers­te Ver­samm­lung am 8. Okto­ber 1848 in der Gast­stät­te des Ehe­paa­res Hillr­ei­mer in der Frank­fur­ter Stra­ße 77 wur­de von der Poli­zei wegen Urbans Unpünkt­lich­keit nach 10 Minu­ten als unge­setz­lich auf­ge­löst. Am 9. Novem­ber 1849 fand die Grün­dung der frei­en Gemein­de des Urchris­ten­bun­des, die Ver­ab­schie­dung des Glau­bens­be­kennt­nis­ses und der Kir­chen­ord­nung statt. Lud­wig Urban wur­de zum Vor­ste­her der Urchris­ten­ge­mein­de gewählt. Auf dem Ban­ner der Urchris­ten steht: Vor­wärts mit Gott, um Jedem das Sei­ne zu schaf­fen.

Um 10 Uhr und nach­mit­tags 3 Uhr fan­den die kirch­li­chen Ver­samm­lun­gen der frei­en Ber­li­ner Gemein­de des Urchris­ten­bun­des in der Bier­knei­pe Hillr­ei­mer statt, mor­gens bibli­sche und natur­his­to­ri­sche Vor­trä­ge und nach­mit­tags die des­fall­si­gen Bespre­chun­gen. Poli­zei­spit­zel berich­te­ten aus­führ­lich über die Ver­samm­lun­gen. Die Akten der König­li­chen Poli­zei­prä­si­dii zu Ber­lin „Ver­samm­lun­gen und reli­giö­se Vor­trä­ge von Tier­arzt Urban – Urchris­ten­ge­mein­de“ ent­hal­ten 216 Sei­ten.

Am 5. Dezem­ber 1879 starb Lud­wig Urban mit 73 Jah­ren nach lan­gem Lei­den an Lun­gen­ka­tarrh sowie wei­te­ren Schä­den an den Atem­we­gen durch einen Groß­brand am Tag zuvor in einer Lager­hal­le in der Blu­men­stra­ße.

Eine erwei­ter­te Fas­sung die­ses Bei­trags erscheint in Kür­ze auf den Sei­ten des His­to­ri­schen Arbeits­krei­ses des Huma­nis­ti­schen Ver­ban­des Ber­lin-Bran­den­burg.

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