Ein persönlicher Nachruf

Ursula Marx

| von

Beitragsbild: Karin Kurz

Die ehemalige Vorstandsvorsitzende der Humanisten Baden-Württemberg, Ursula Marx, verstarb am 21. Dezember 2023. Andrée Gerland erinnert hier an seine Kollegin, gute Gesprächspartnerin und Freundin.

Mei­ne letz­ten Bil­der der stets zugäng­li­chen und enga­gier­ten Ursu­la speis­ten sich aus unse­rer letz­ten Lan­des­ver­samm­lung von Anfang Mai 2023, wo sie als ihre letz­te Amts­tat die Ver­samm­lungs­lei­tung über­nahm – wie immer über­nahm sie sol­che Ver­pflich­tun­gen gera­de­zu selbst­ver­ständ­lich, weil ihr unser Ver­band viel bedeu­tet hat. Danach woll­te sie kür­zer tre­ten, sich end­lich noch inten­si­ver um Ihre gelieb­ten Enkel­kin­der küm­mern und mehr Zeit für Ihren Mann, die gemein­sa­men Kin­der und die geteil­te Rei­se­lust haben. Dass ihr hier­für nur etwa ein hal­bes Jahr blieb, lässt die Trau­er um die­sen her­ben mensch­li­chen Ver­lust noch tie­fer spü­ren.

Ursu­la Marx war von jeher ein Mensch, der für ande­re da war und dem das Gemein­wohl in Ein­klang mit der Natur sehr am Her­zen lag. Gebo­ren 1944 unter schwie­ri­gen Kriegs- und Nach­kriegs­we­hen im zer­stör­ten Ham­burg ent­schied sich Ursu­la nach der Mitt­le­ren Rei­fe für eine Kran­ken­schwes­ter-Aus­bil­dung, die sie 1965 am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Ham­burg-Eppen­dorf abschloss. Beruf­lich zog es die musik- und spra­chen­be­geis­ter­te Ursu­la in den kom­men­den Jah­ren immer wei­ter gen Süden: von Ber­lin nach Frank­furt bis schließ­lich Stutt­gart. Hier wur­de sie, wohl wider Erwar­ten, mit Ihrem Mann Wal­ter und ihren zwei Töch­tern Marei­ke und Anke sess­haft – ein Glücks­fall für unse­re Lan­des­haupt­stadt.

Denn Ursu­la steck­te in den fol­gen­den Jah­ren viel Lebens­zeit und per­sön­li­chen Ein­satz in Ehren­äm­ter: als Poli­ti­ke­rin, Schöf­fin, Stadt­rä­tin, Kreis­vor­sit­zen­de des Pari­tä­ti­schen Wohl­fahrts­ver­ban­des, Dozen­tin und zuletzt Behin­der­ten­be­auf­tra­ge der Stadt Stutt­gart fun­gier­te die umtrie­bi­ge und geschätz­te Ursu­la als ver­läss­li­che und kom­pe­ten­te Ansprech­part­ne­rin. Das wur­de ent­spre­chend geehrt: mit der Sil­ber­nen Ehren­na­del des Pari­tä­ti­schen, dem Ver­dienst­kreuz am Ban­de und der Ehren­mün­ze der Lan­des­haupt­stadt Stutt­gart.

Zu uns Huma­nis­ten kam sie erst 2008 und hin­ter­ließ auch in unse­rem Ver­band deut­li­che Spu­ren: als akti­ves Mit­glied, in der Len­kungs­grup­pe Huma­nis­ti­sches Hos­piz, als Ver­tre­te­rin am Run­den Tisch Bestat­tungs­we­sen, als Vor­stands­vor­sit­zen­de – und natür­lich als Mensch. Bei Ursu­la wuss­te man stets, wor­an man ist. Ich habe sie als inter­es­sier­te, mit­füh­len­de und in der Sache ener­gi­sche Huma­nis­tin erle­ben dür­fen, wes­halb sie auch dem Ver­band so schmerz­lich fehlt – und auch ich mich wei­ter­hin in Trau­er befin­de, denn ohne Ursu­las zuge­wand­tes Ohr hät­te ich in mei­nem ers­ten Jahr als Geschäfts­füh­rer nicht den not­wen­di­gen Halt gefun­den. Des­halb war die Trau­er­re­de, die ich für sie am 09.01. in Vai­hin­gen hal­ten durf­te, die mit Abstand schwers­te Auf­ga­be mei­ner bis­he­ri­gen Geschäfts­füh­rer­tä­tig­keit.

„Für die Zukunft wün­sche ich mir ein gedeih­li­ches Mit­ein­an­der im Sin­ne eines geleb­ten Huma­nis­mus“, schrieb Ursu­la im Febru­ar 2019, als sie erneut für den Lan­des­vor­stand kan­di­dier­te. Möge dies eine stets gegen­wär­ti­ge Losung für unse­ren Ver­band blei­ben – und mögen wir dabei stets an unse­re enga­gier­te Ursu­la Marx den­ken, die dies so über­zeu­gend und mensch­lich vor­ge­lebt hat.

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